Spitzenwinzer Rainer Schnaitmann spricht über Auszeichnungen und den Jahrgang 2011. Foto: Peter-Michael Petsch

Spitzenwinzer Rainer Schnaitmann spricht über Auszeichnungen und den Jahrgang 2011.  

Stuttgart - Schöner kann der Spätsommer nicht sein! Die vergangenen Wochen haben vor allem die Wengerter erfreut. Einen ganz besonders: Rainer Schnaitmann. Denn zum perfekten Wetter kamen diverse Preise für den Fellbacher. Unter anderem für den besten deutschen Sauvignon blanc und Spätburgunder.

Herr Schnaitmann, sind Sie eigentlich immer so gierig?
Wieso gierig?

Na ja, beim deutschen Spätburgunderpreis von der Zeitschrift "Falstaff" liegen Sie in der württembergischen Vorentscheidung mit drei Weinen unter den ersten vier.
Aber da kann ich doch nichts daf . . . äh, vermutlich schon. Okay. Aber ich wusste einfach nicht, welchen Wein ich einreichen sollte, da habe ich drei eingereicht. Dass alle so gut abschneiden, freut mich natürlich.

Zur Freude gibt's noch weitere Gründe: Mit Ihrem Sauvignon blanc landeten Sie erst kürzlich bundesweit auf dem ersten Platz.
Das war toll! Sauvignon halte ich für eine wichtige Sorte in Württemberg. Und da war ich jahrelang immer auf dem zweiten Platz, da wurd's auch mal Zeit. Noch mehr habe ich mich allerdings über den ersten Platz mit meinem Spätburgunder bei der Zeitschrift "Feinschmecker" gefreut. Weil sich hier ein Kreis schließt. Hier habe ich 2003 meinen ersten großen Wettbewerb gewonnen, und ich denke, das hat mir damals sehr geholfen. Grundsätzlich halte ich es für gar nicht wo wichtig, ob man bei so einem Wettbewerb nun auf dem ersten oder siebten Platz landet, weil in der Spitze letztlich nur Nuancen unterscheiden.

Spätburgunder, Sauvignon oder doch Trollinger und Lemberger? Für was wird Württemberg in der Zukunft stehen?
Das Profil ist sicherlich ein großes Problem für unser Anbaugebiet. Fürs Remstal sage ich jetzt, in Zukunft werden das der Lemberger und der Sauvignon blanc sein.

Antwortet der Norddeutsche hier nicht sofort mit Trollinger?
Vermutlich. Und Riesling und Trollinger werden auch immer wichtig bleiben. Aber wir zeigen, dass wir auch andere Sorten drauf haben. Wir trinken die richtig guten Weine in unserer Region einfach noch zu oft selbst! Das ist einerseits von Vorteil für die Wengerter, auf der anderen Seite wissen viele Weintrinker gar nicht, was in Württemberg in den vergangenen Jahren entstanden ist.

Aber Sie exportieren doch sogar in die Vereinigten Staaten?
Ach, das darf man nicht so betonen. Ich habe nur etwas gegen das typisch schwäbische Minderwertigkeitsgefühl. Und ich gehe deshalb gerne ins Ausland. Früher war das für mich Berlin und Hamburg. Jetzt ist auch ein bisschen USA dabei. Das mache ich allerdings nur, weil mir das riesig Spaß macht. Wenn ich dorthin gehe, verbessere ich nicht nur mein Englisch, sondern bin auch mit super Kollegen wie Rebholz, Becker, Heger oder Fürst unterwegs. Das lohnt sich allein deshalb.

Aber stolz sind Sie schon, wenn Ihr Name auf einer Speisekarte in New York steht?
Klar! Das ist eine schöne Sache! Aber wir sind doch viel zu klein für diesen Markt. Mein USA-Importeur wollte kürzlich Großes Gewächs bei mir bestellen, dem musste ich sagen, dass es einfach nichts mehr gibt. Dennoch gehe ich gerne ins Ausland, weil eine gute Reputation dort wichtig ist. Für unseren eigenen Kirchturm. Und der ist mir letztlich wichtig.

"Das ist eine Gewissensentscheidung"

 "Das ist eine Gewissensentscheidung"

Obwohl man sich darum ja wenig Sorgen machen muss, speziell um den Fellbacher Kirchturm, meine ich. Bei der Spätburgundervorentscheidung lag Markus Heid zwischen Ihren Weinen, direkt dahinter Gert Aldinger.
Das ist absolut faszinierend. Der Kappelberg ist offenbar super geeignet für Spätburgunder. Hohe Mostgewichte kriegt man da überall, aber einen feinen Spätburgunder zu machen, der Tiefe und Finesse hat, das ist gar nicht so einfach.

In diesem Jahr doch bestimmt?
Wie kommen Sie darauf?

Na, ich brauch' doch nur aus dem Fenster zu schauen, einen perfekteren Herbst gibt's doch gar nicht.
Ich weiß nicht. Ich hab's eigentlich gerne, wenn man beim Lesen richtig kalte Finger hat. Ich liebe die Wärme, aber beim Lesen ist mir die Kälte lieber. Das ist einfach ein komisches Gefühl, bei der Weinlese in der kurzen Hose im Weinberg zu stehen.

Das ist ein Luxusproblem . . .
Ja, klar. Aber es ist auch nicht einfach, in diesem Jahr den richtigen Lesezeitpunkt zu finden. Die Trauben hängen noch herrlich gesund an den Stöcken. Wann soll man lesen? Wir haben uns zuletzt sehr beeilt, um die Frische in den Weinen zu erhalten. Soll man warten? Oder die Trauben holen? Das ist eine Gewissensentscheidung. Das Schöne ist: Wir können beides machen! Auch hier muss man die Balance finden, wie beim Ertrag.

Erklären Sie mir das?
Na, ich war hier auch schon zu ehrgeizig. Die Winzer düngen die Reben, damit sie wachsen. Und dann schneiden sie die Trauben raus. Das ist wie Gasgeben und Bremsen zugleich. Wir haben ja geringe Erträge, ich habe aber gelernt, dass irgendwo bei 25Litern vom Ar eine Untergrenze erreicht ist. Und richtige Balance bedeutet, so zu arbeiten, als ob man fast nicht da ist.

Dann bleibt mehr Zeit für den Wengerter, auf dem Fellbacher Herbst zu feiern?
Wir sind da bisher gar nicht so sehr vertreten, also kann ich das ganz entspannt angehen. Aber vielleicht machen wir ja im nächsten Jahr was in unserem neuen Gewölbekeller, das muss ich sehen.

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