Sinkende Temperaturen? Kein Problem! Die Internetplattform Frostpendeln verbindet eine stetig wachsende Gruppe, die auch im Winter in die Pedale tritt. Ein Esslinger ist Mitbegründer.
Wenn die Tage kürzer werden und die Temperaturen fallen, sind die Radwege wie leergefegt. Regelmäßige, geführte Ausfahrten werden für Radgruppen ab Oktober in der Region Stuttgart nur noch vereinzelt angeboten. Erst im Frühjahr wird wieder angeradelt. Doch schlechtes Wetter, Schnee und Minusgrade halten einige Radfahrer nicht davon ab, auch im Winter in die Pedale zu treten. Sie trotzen den Elementen und haben sich dafür vernetzt.
Frostpendeln nennt sich die Internetplattform der Winterradler. Das Hobby-Projekt von Tobias Gratza, Thorsten Meyer und Alexander Hanisch ist seit dem Jahr 2020 unter diesem Namen aktiv. Ihre Mission: Aufzeigen, dass das Fahrrad, mit oder ohne E-Antrieb, auch in der kalten Jahreszeit ein verlässliches Fortbewegungsmittel ist. Im vergangenen Winter waren 3402 Radfahrer auf der Seite angemeldet. Der Großteil kommt aus Deutschland, doch auch in Finnland und den USA sind Mitglieder aktiv.
V on Anfang November 2024 bis Ende Februar 2025 wurden 122.488 Fahrten eingetragen und zusammen 2,4 Millionen Kilometer zurückgelegt. Tendenz steigend. Zum Vergleich: In der Saison 2023/24 waren es erstmals etwas mehr als eine Million Kilometer. Am 1. November startet nun das nächste Frostpendeln und das Trio ist optimistisch, dass die bisherigen Werte erneut übertroffen werden können. Nicht ohne Grund: Mehr als 5000 Teilnehmer lassen auf neue Höchstwerte hoffen, sagt der Esslinger Alexander Hanisch, der die Seite https://frostpendeln.de mitbetreibt.
Der 45-Jährige ist vor rund zehn Jahren auf das Pedelec umgestiegen. „Volle Straßen und viele S-Bahn-Störungen – der Verkehr in der Region Stuttgart hat mich wahnsinnig gemacht“, sagt er. Bei verschiedenen Fragen zum Thema Radfahren im Winter habe er sich damals immer wieder in Foren mit anderen Nutzern ausgetauscht. Welche Handschuhe helfen wirklich gegen kalte Finger? Welche Lampen sorgen für genügend Helligkeit? Und welche Reifen sind bei Glätte zu empfehlen? Im Netz traf er dann Tobias Gratza aus Waal in Bayern und Thorsten Meyer aus Duisburg. Weil die damals genutzten Plattformen nicht zufriedenstellend waren, wechselte man auf eine eigene. „Tobi kam auf die Idee“, sagt Hanisch, der sich nicht mit fremden Federn schmücken will. Gemeinsam mit Thorsten habe er aber die Infrastruktur bereitgestellt.
Team „Winterradeln auf den Fildern“ bundesweit auf Platz drei
Die Teilnahme am Frostpendeln ist kostenlos. Strecken, die mit der Lauf-, Radfahr- und Wander-App Strava aufgezeichnet werden, können übertragen werden. Man kann Erlebnisse, Erfahrungen und Fotos in Stories teilen, miteinander chatten und sich seit vergangenem Jahr auch in Teams zusammenschließen. Ein Beispiel: Die Gruppe „Winterradeln auf den Fildern“ belegte in der vergangenen Saison mit über 60.000 Kilometern den ersten Platz in Baden-Württemberg und den dritten Platz auf Bundesebene. „Gesammelt werden die Kilometer in den drei Fahrzeugkategorien Fahrrad, Pedelec und S-Pedelec, also schnellere E-Bikes mit Kennzeichen.“ Der Name Frostpendeln mag zwar an den Weg zur Arbeit denken lassen, doch die Teilnehmer erfassen ihre Fahrten auch in den Kategorien Besorgungsfahrt und Freizeit.
Finanziert wird das Online-Projekt durch den Verkauf von reflektierenden Stickern. Sie erinnern an TÜV-Plaketten. Am Rad angebracht dienen sie gleichzeitig als eine Art Trophäe. Zum Saisonabschluss können zudem T-Shirts erworben werden, auf denen neben dem Frostpendeln-Schriftzug und -Logo auch die Gesamtkilometer aller Teilnehmer stehen. „Ein wichtiger Punkt der Aktion ist die gegenseitige Motivation“, sagt Hanisch. Es gehe nicht darum, am Ende der vier Monate einem der Teilnehmer eine „frostige Krone“ aufzusetzen.
„ Im Vordergrund stehen ganz klar die Gemeinschaftsleistung und der Ansporn, mehr Kilometer zu sammeln als im Vorjahr.“ Allerdings nicht um jeden Preis. Bei Blitzeis sollte die Vernunft siegen und das Rad im Keller oder in der Garage bleiben. „ Keiner soll sich in Gefahr begeben, nur weil zum persönlichen Wochenziel noch die letzten fünf Kilometer fehlen. Aber am Ende jeder Frostpendeln-Saison zeigt sich, dass es erstaunlich viele Tage in den dunklen Monaten gibt, an denen man ohne erhöhtes Risiko mit dem Rad unterwegs sein kann “, so Hanisch.