Der Winterdienst in Stuttgart ist Pflicht, Salz darf aber nicht gestreut werden. Foto: Andreas Rosar Fotoagentur-Stuttg

Die Schattenseiten des Wintertraums: Welche Straßen werden von der Stadt geräumt und bis wann muss der Gehweg frei von Schnee und Eis sein? Warum ist Salz streuen verboten? Wir haben die wichtigsten Antworten.

Stuttgart - Der Winter hat den Südwesten derzeit fest im Griff. Doch nicht bei allen sorgt der Schnee für winterlich-romantische Gefühle - wer gerade Kehrwoche hat oder nicht im Homeoffice arbeitet, bei dem hält sich die Freude über die winterliche Pracht manchmal in Grenzen.

Wo der städtische Eigenbetrieb Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) für freie Straßen und Wege sorgt und wann die Bürger selbst zur Schneeschippe greifen müssen - das erfahren Sie hier.

Pflicht zum Winterdienst

Die Pflicht zum Winterdienst haben die Kommunen nur auf gefährlichen und verkehrswichtigen Straßenabschnitten und auch nur während der Hauptverkehrszeit.

Unabhängig davon ist der Winterdienst der AWS bei Bedarf im 24-Stunden-Betrieb im Einsatz, um schon vor Beginn des Berufsverkehrs die Hauptverkehrswege und gefährlichen Stellen im städtischen Straßennetz von Schnee zu räumen und gegen Glätte abzustreuen.

Insgesamt werden etwa 955 der 1450 Straßenkilometer in Stuttgart geräumt. Diese wiederum sind in drei Dringlichkeitsstufen eingeteilt und werden danach geräumt. Die restlichen etwa 380 Kilometer (ebene Wohnstraßen) werden nur vom Winterdienst betreut, wenn ein "polizeiliches Bedürfnis" vorliegt, informiert die Stadt Stuttgart - etwa bei hohem Schneefall oder Eisregen. Auch werden die Wohnstraßen auf gefährliche Straßen wie etwa Kurven oder Einmündungsbereiche kontrolliert.

Die AWS bittet darum, den Räum- und Streufahrzeugen freie Durchfahrt zu gewähren. Zudem sollten Autos so geparkt werden, dass die breiten Winterdienstfahrzeuge auch gut durch die Straßen kommen.

Wo Salz zum Einsatz kommen darf

Feuchtsalz gilt laut der Stadt Stuttgart als wirksamstes und wirtschaftlichstes Streumittel, um die Verkehrssicherheit aufrecht zu erhalten. Die Stadt betreibt allerdings einen umweltverträglichen Winterdienst.

Feuchtsalz wird deswegen nur auf den Hauptverkehrsstraßen, wichtigen Verbindungsstraßen sowie steilen Wohnstraßen mit einer Steigung ab fünf Prozent verwendet.

Die übrigen Straßen werden in der Regel nur geräumt und nur bei Eisregen auch bestreut. Solche Wintereinsätze können allerdings erst wahrgenommen werden, wenn sich die Hauptverkehrsstraßen, die Verbindungsstraßen und die steilen Wohnstraßen in einem verkehrssicheren Zustand befinden.

Wer als Privatmensch den Gehsteig vor seinem Haus eisfrei bekommen will, darf allerdings nicht zum Streusalz greifen - es droht ein Bußgeld.

Wie oft geräumt werden muss

Wann und wie oft die Gehwege von den Anwohnern geräumt werden müssen, hängt von der Wetterlage ab.

Vorgeschrieben ist folgendes: Bei Schnee- und Eisglätte müssen die Gehwege montags bis freitags bis 7 Uhr, samstags bis 8 Uhr, sonntags und feiertags bis 9 Uhr geräumt und gestreut werden. Kommt es tagsüber zu Schnee- und Eisglätte, ist unverzüglich - bei Bedarf auch wiederholt - zu räumen, und zwar bis 21 Uhr.

Dabei dürfen in Stuttgart weder Salze noch andere auftauende Stoffe verwendet werden. Salz schadet, so die Stadt, den Pflanzen und dem Grundwasser, Tiere bekommen davon wunde Pfoten und zudem greift das Salz Schuhe, Kleidung, Straßen- und Fußwegbeläge, Metall sowie Beton an und lässt die Blätter der Bäume im Sommer braun werden.

Das Streugut kann während des Winters auf dem Gehweg liegen bleiben - eine mehrmalige Verwendung spart erheblich Streugut. Deswegen sollte es auch am besten aufgekehrt und für den nächsten Winter aufbewahrt werden. In den normalen Müll sollte Streugut nicht entsorgt werden, es kann allerdings in den Kandel gekehrt werden.

Wer seinen Winterdienst vernachlässigt und nicht räumt, haftet übrigens im Schadensfall gegenüber dem Unfallopfer.

Was von der Stadt geräumt wird

Es gibt einige Gehwege, die von der AWS geräumt werden.

In den städtischen Grünanlagen werden nur die Hauptdurchgangswege geräumt und bestreut. Außerhalb der geschlossenen Ortslage werden nur wichtige Verbindungswege frei gemacht.

Innerhalb von Stuttgart sind die Anlieger bei entsprechender Schnee- und Eisglätte auch für die Radwege verantwortlich, wenn diese Bestandteil gemeinsamer Rad- und Fußwege sind.

Gerade ältere Menschen kommen bei Eis und Schnee leicht ins Rutschen. Wer schlecht zu Fuß ist, sollte vielleicht Verwandte, Freunde oder Haushaltshilfen um kleine Erledigungen bitten.

Geht man dann doch aus dem Haus, sollten feste Stiefel mit Gummiprofil angezogen werden - diese geben den richtigen Halt. Es gibt mittlerweile sogar Schneeketten oder Spikes, mit denen sich Schuhe nachrüsten lassen.

Wichtig ist es außerdem, Handschuhe anzuziehen. Denn wer seine Hände zum Wärmen in Mantel- oder Hosentaschen steckt, kann sich bei einem Sturz nicht rechtzeitig abfangen.

Und schließlich sollten Spaziergänger bei Winterwetter immer genug Zeit einrechnen, um nicht ins Hetzen zu kommen.

Wo bekomme ich mehr Infos?

Bei Fragen zur Räum- und Streupflicht für Gehwege kann man sich an das Amt für öffentliche Ordnung (Telefon: 216-91132 oder 216-91136) wenden. Infos zu geeignetem Streumaterial und zu Händlern von salzfreiem Streugut hat das Amt für Umweltschutz (Telefon: 216-88600). Wer etwas zur öffentlichen Straßenreinigung wissen will, wendet sich an die Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) (Telefon: 216-88700).

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