Mother’s Finest aus Atlanta: Rock, Funk und Soul mit voller Energie im Sommer in Winterbach. Foto: Motjer’s Finest

Die Besetzung der Classic Rock Night beim Zeltspektakel im Remstal am 31. Juli steht fest. Eine subjektive Würdigung der alten Damen und Herren der Rockgeschichte.

Was für ein Moment der Rockhistorie, was für ein Hammer-Song: „Baby Love“, so dröhnte es vor fast 48 Jahren hinaus in die alte Bundesrepublik. Zugegeben, es war ein Event, für das man schon wie unsereins der Generation Ü60 angehören muss, um es damals erlebt zu haben – zwar nicht wirklich live beim dröhnenden Spektakel in Essen, aber jedenfalls beim Genuss der Liveübertragung deutlich nach Mitternacht im Wohnzimmer vor dem Fernseher, die Eltern waren längst kopfschüttelnd Richtung Bett verschwunden.

 

Es war die zweite Rockpalast-Nacht, die der Westdeutsche Rundfunk für die ARD an jenem 3. März 1978 mitten im Ruhrpott in der Grugahalle veranstaltete – mit der Rock-Funk-Band Mother’s Finest, die mit diesem Auftritt ihre Bekanntheit in neue Dimensionen katapultierte.

Mit 78 Jahren noch auf der Rockbühne

Und nun ist die Band fast ein halbes Jahrhundert später tatsächlich im Rems-Murr-Kreis zu erleben – als Bestandteil der Classic Rock Nacht, die wiederum den achten Festivaltag des diesjährigen Winterbacher Zeltspektakels (24. Juli bis 1. August) bestückt. Ebenso zu Gast an jenem Freitag, 31. Juli 2026, sind zwei weitere renommierte Formationen: Uriah Heep und Wishbone Ash. Classic-Rock-Fan, was willst du mehr?

Mother’s Finest wurde 1970 in Atlanta, Georgia, vom Ehepaar Joyce „Baby Jean“ Kennedy und Glen „Doc“ Murdock gegründet. Sie waren eine der ersten Gruppen überhaupt, die den Crossover aus schwarzem Funk und weißem Rock zelebrierten. „Das Ergebnis war ein Urknall, der Wellen bis nach Europa schlagen sollte“, heißt es auf der WDR-Homepage zur Rockpalast-Geschichte.

Mother’s Finests Show im Frühling 1978 war, wie die Kulturinitiative Rock in Winterbach als Veranstalter des Zeltspektakels schreibt, „ein positives Schockerlebnis, welches die Musikwelt veränderte: Rock mit Funk-Elementen und unglaublicher Wucht und Präzision gespielt, sowas gab’s noch nie.“

Und, man will es kaum glauben: Die bald 78-jährige Sängerin Joyce Kennedy wird im Winterbacher Zelt ebenso auf der Bühne stehen wie Glen Murdock sowie weitere Musiker aus der Ur-Formation. Eine Kultband mithin, die man nicht verpassen sollte.

„She came to me one Morning“: Uriah Heep mit Gründungsmitglied Mick Box (Mitte) Foto: Richard Stowe cf

Umso mehr, als das gesamte Line-up für diesen Winterbacher Sommerabend vom Feinsten ist. Denn ein weiterer Kracher der Rock Night ist Uriah Heep. Was fällt einem zu dieser Combo als Erstes ein? Klar: „She came to me one morning, one lonely Sunday morning“ – ja, das sind die ersten Zeilen aus dem größten, bereits 1971 veröffentlichten Hit „Lady in Black“, eine Rockballade, gern gespielt auch als Stehblues-Einlage bei den Klassenfeiern in den späten 70ern.

Anlass genug, mal wieder die Best-of-Vinylscheibe von Uriah Heep aus dem Jahr 1975 aus dem Schrank zu fischen und auf den Plattenspieler zu legen. Da zeigt sich dann, dass die Band, deren einzig verbliebenes Gründungsmitglied Gitarrist Mick Box ist, ihre wahren Qualitäten eher in den starken Sounds und harten Riffs hat, deftig angewürzt durch Box’ Wah-Wah-Gitarre und die Hammond-Orgel.

Wishbone Ash beeindruckt seit jeher mit Gitarrenpower. Foto: Pauline Powell cf

Gerne hört man auch heute noch Songs wie „Easy Livin’“ und „Gypsy“ („I was only seventeen“), die ebenfalls zu ihren Klassikern zählen. Spätere Hits wie das unsägliche „Free me“ darf man getrost außen vor lassen. Die kurios anmutende Skizzierung von Uriah Heep als „Beach Boys des Heavy Metal“ rührt übrigens von ihren ausgefeilten Chor-Arrangements her.

Uriah Heep war übrigens bereits mehrfach auf Einladung der Kulturinitiative Rock im Remstal da: So am 14. Dezember 2007 in der Salierhalle in Winterbach; im Juli 2017 ebenfalls schon in der Classic Rock Night beim Zeltspektakel.

Breiter Sound mit doppelter Gitarrenstärke

Bleibt noch der dritte Act der klassischen Rocknacht: Wishbone Ash. Gegründet in London im Jahr 1969 – als Einziger von Anfang an mit dabei ist Gitarrist Andy Powell –, steht die Band für einen melodischen Rocksound, dessen charakteristisches Merkmal die beiden Leadgitarren sind.

Offen ist somit beim Zeltspektakel nur noch die Besetzung für Montag, 27. Juli. Der Vorverkauf für den Abend mit Wishbone Ash, Uriah Heep und Mother’s Finest startet nach Angaben der Kulturinitiative Rock Winterbach am Mittwoch, 21. Januar, um 10 Uhr bei den bekannten Agenturen sowie auf der speziellen Homepage: www.zeltspektakel.com.