Ein Fahrzeug vom Winterdienst steht im Stau auf der verschneiten Autobahn A8 bei Siegsdorf, wo Bäume am Straßenrand umgefallen sind. Foto: dpa

Es geht doch nichts über reichlich Schnee zur Winterszeit. Doch was passiert, wenn man wegen der Schneemassen nicht rechtzeitig aus dem Skiurlaub zur Arbeit erscheint? Hat das arbeitsrechtliche Konsequenzen?

Stuttgart - Müssen Arbeitnehmer, die wegen der Schneemassen in Bayern oder Österreich verspätet an ihren Arbeitsplatz zurückkehren, mit arbeitsrechtlichen Sanktionen rechnen? Grundsätzlich müssen Arbeitnehmer alles „in ihrer Macht stehende“, versuchen, um so schnell wie möglich nach Deutschland zurückzukehren. Beispielsweise müssen sie eine Alternativroute wählen, um aus dem Land zu kommen – selbst, wenn dafür zusätzliche Reisekosten entstehen.

Natürlich muss kein Privatjet geordert werden. Aber: Ist eine alternative Ausreise für einen Aufpreis von zum Beispiel mehreren Hundert Euro zu bekommen, so könnte diese Option gezogen werden. Natürlich kommt es dabei auch darauf an, welche „Hierarchiestufe“ der Mitarbeiter im Betrieb einnimmt, der gegebenenfalls per Hubschrauber die Heimreise antritt.

Weder Kündigung noch Abmahnung

Schafft es ein Arbeitnehmer (un-)wetterbedingt nicht, rechtzeitig zum Dienstbeginn am Arbeitsplatz zurück zu sein, so droht ihm weder eine Kündigung noch eine Abmahnung. Denn dieser spezielle Fall fällt unter „höhere Gewalt“. Davon ist auszugehen, wenn Touristen durch Naturkatastrophen an der Rückreise gehindert werden. Die Situation in den betroffenen Ländern erfüllt diesen Tatbestand. Den Arbeitnehmer trifft – arbeitsrechtlich gesehen – keine „Schuld“ an der Verspätung.

Einen etwaigen finanziellen Schaden hat der Arbeitgeber selbst zu tragen. Das ist sein unternehmerisches Risiko. Denn auch wenn ein Arbeitnehmer erkrankt, muss der Chef dafür sorgen, dass die Leistungen Dritten gegenüber erfüllt werden.

Lohn muss der Arbeitgeber seinem wegen der Verspätung fehlenden Mitarbeiter jedoch nicht bezahlen. Entgeltgeltfortzahlung bei nicht erbrachter Leistung sieht der Gesetzgeber (unter anderem) nur für den Krankheitsfall vor. Arbeitsrechtlich werden die Fehltage wie unbezahlte Urlaubstage verbucht. In Einzelfällen werden Arbeitnehmer die Fehlzeiten möglicherweise mit noch bestehenden Urlaubsansprüchen gegenrechnen können.

Keine höhere Gewalt

Anders sieht es aus, wenn ein Arbeitnehmer trotz der bestehenden Unwägbarkeiten in den nächsten Tagen in die Schneegebiete aufbricht und zu spät zurückkehrt. Dann ändert sich die Schuldfrage. Der Arbeitnehmer hat sich bewusst in eine möglicherweise kritische Situation begeben. Somit kann von höherer Gewalt keine Rede mehr sein. Es ist sogar möglich, dass er bei einer Verspätung unter diesen Umständen Ersatz für einen eingetretenen Schaden zu zahlen hat – den der Arbeitgeber allerdings nachweisen müsste (etwa einen verpassten Auftrag).

Ansonsten gilt auch im Arbeitsleben: Arbeitgeber und Arbeitnehmer haben einen „Vertrag“ geschlossen. Das schließt das „Vertragen“ ein.

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