Noch in der Vorsaison absolvierte der VfB die Winter-Vorbereitung in Belek. Foto: Baumann

Weil die politische Lage im Land zu unsicher erscheint, machen die Bundesliga-Clubs um die türkische Riviera einen Bogen. Im Vorjahr trainierten dort noch 18 Clubs. So wird Südspanien für die Liga zum beliebtesten Ziel.

Stuttgart - Tage voller Sonnenschein und nonstop Kurze-Hosen-Wetter durch mildes Mittelmeerklima darf im Badeort Belek nach dem Jahreswechsel niemand erwarten. Tatsächlich ist der Januar der regenreichste Monat an der türkischen Riviera. Weil sich im nahen Taurusgebirge regelmäßig die Gewitter verfangen, kann es am Himmel über der Küste auch mal kräftig scheppern.

Trotzdem sind sie alljährlich gerne wieder gekommen, die Stars, Trainer und Manager aus der Fußball-Bundesliga, um sich in und um Belek fit zu machen für Teil zwei der kräftezehrenden Saison. „Wir hatten dort stets erstklassige Bedingungen, gute Hotels und Plätze, kurze Wege und starke Testspielgegner“, sagt der Hertha-Manager Michael Preetz zu den Qualitäten eines Trainingslagers in der Türkei – den ein oder anderen Regenschauer nahm man da gerne in Kauf.

Der große Basar des Bundesliga-Fußballs

Und so öffnete der große Basar des Profifußballs in Belek alljährlich seine Pforten. Noch im Vorjahr zog es 18 deutsche Erst- und Zweitligisten zum Winter-Trainingslager dorthin, wo sich auch Teams aus der heimischen Süper Lig, aus Italien, den Niederlanden oder Belgien tummelten. Ein Muss war die Riviera auch für die Spielerberater, die einerseits ihrer kickenden Kundschaft gut zuredeten, oder mit den Managern der Clubs bei Apfeltee und Süßgebäck den ein oder anderen Transfer einfädelten.

Nur zwölf Monate später herrscht nun tote Hose am einstigen Hotspot für Wintercamps. „Wir fliegen nicht in die Türkei. Mit Erdogan will ich nichts zu tun haben“, erklärt etwa der resolute Bochumer Trainer Gertjan Verbeek den Grund dafür, dass in diesem Januar kein Club aus der ersten und zweiten Bundesliga seine Zelte in der Türkei aufschlagen wird. Die politischen Unruhen im Land sowie der autokratische Regierungsstil des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan haben den Tourismus im Land ohnehin bis ins Mark erschüttert. Um 40 Prozent sind die Buchungszahlen der Vier- bis Fünfsternehotels, der All-Inklusive-Tempel rund um den Zielflughafen Antalya bereits im Sommer zurück gegangen. Jetzt fällt auch das Wintergeschäft rund um das Millionen-Business Profifußball weg.

Lediglich der Drittligist Rot-Weiß Erfurt wird seine Kicker in Belek in Form bringen. „Aufgrund der Witterungsbedingungen in Thüringen haben wir kurzfristig umgeplant“, heißt es auf der Club-Homepage. Alle anderen schlagen derweil einen großen Bogen um die Region, in der sich der einstige Bremer Torhüter Dieter „Budde“ Burdenski mit seiner Firma „Burdenski-Events“ zwischen akkurat getrimmten Golf-Greens und Pinienwäldern mit Fachwissen, viel Liebe zum Detail und türkischen Sub-Unternehmern über die Jahre ein kleines Trainingslager-Imperium geschaffen hatte.

Die Bundesliga-Szene zeigt sich flexibel

Doch die Branche, in der nun vor allem die Firma Match IQ etwa als Partner des VfB Stuttgart, von Werder Bremen, Schalke 04 oder Borussia Mönchengladbach sowie einer Vielzahl weiterer Clubs als Organisator den Ton angibt, ist äußerst flexibel. Oberster Profiteur der Türkei-Flaute ist der Süden Spaniens, wo man sich zuletzt durch die höheren Preise sowie die häufig etwas in die Jahre gekommenen Infrastruktur mit der Rolle des zweiten Siegers hatte zufrieden geben müssen. So ist etwa das „Paradise of Football“ in Marbella, wo der VfB zuletzt 2004 unter der Führung des Trainers Matthias Sammer zu Gast war, wieder gut gebucht. Neben Gladbachern und Mainzern schlägt hier auch der Vizemeister Borussia Dortmund sein Camp auf.

Während es RB Leipzig vom 13. bis 20. Januar und auch den VfB Stuttgart (Zweitligastart ist am Sonntag, 29. Januar mit dem Gastspiel beim FC St. Pauli) ins portugiesische Lagos an die Algarve zieht, lassen vier Clubs Europa hinter sich: Traditionell reist der FC Bayern ins sonnendurchflutete Doha nach Katar, während der Hamburger SV wie Eintracht Frankfurt (Abu Dhabi) auf Einladung seines Hauptsponsors in den Emiraten (Dubai) trainiert. Bayer Leverkusen fliegt fast schon traditionell nach Orlando im US-Sonnenscheinstaat Florida. .

„Zum ersten Spiel nach der Winterpause hat man auch keine 28 Grad“, sagt dagegen Kölns Trainer Peter Stöger, ein kälte-erprobter Österreicher, der mit den Geißböcken wie die Teams von 1899 Hoffenheim und des FC Ingolstadt auf ein Trainingslager in der Fremde verzichtet. Dies dürfte im nächsten Winter ohnehin Usus werden: Denn durch den neuen TV-Vertrag hat die Deutsche Fußball-Liga die Winterpause gekappt. So rollt bereits am 12. Januar 2018 in der ersten Bundesliga wieder der Ball.

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