Von Karl Ulrich Nuss entworfene Skulptur auf dem Marktbrunnen: Der Minnesänger und das Winnender Mädle aus dem 13. Jahrhundert. Foto: Max Kovalenko

Bürger werden mit Skulptur auf Marktbrunnen nicht warm – Mädlesfest erinnert an Stadtgründung 1212.

Winnenden - Es war einmal ein Flecken, der vor gar nicht so langer Zeit entdeckt hat, dass er bereits 1212 von Heinrich von Neuffen die Markgerechtigkeit (wird tatsächlich ohne „t“ geschrieben) verliehen bekam und somit zur Stadt erhoben wurde. Winnenden also kann auf 800 Jahre zurückblicken. „Wir sind damit die älteste Stadt im Rems-Murr-Kreis“, sagt der heutige Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth – Backnang folgte einige Jahre später, so zwischen 1220 und 1230.

Anlass genug, das Jubiläum ausgiebig zu würdigen. Etwa durch eine neue Figur auf dem Marktbrunnen. Das Vorgängermodell aus Crailsheimer Muschelkalk stellte die Justitia mit Schwert, Waage und Augenbinde dar. Doch dieser Göttin der Gerechtigkeit war kein ewiges Leben beschieden: Das Werk zerbröselte zusehends und musste 2009 demontiert werden. Als Nachfolge sollte jedoch nicht eine restaurierte Justitia auf den Sockel gestellt werden. Vielmehr erkannte man die Chance zur Umsetzung einer historischen Begebenheit.

Gemeinderat entschied sich gegen die Meinung von 70 Prozent der Bürger

Fünf Bildhauer wurden mit dem Entwurf eines Paars, bestehend aus Minnesänger und Jungfrau, beauftragt. Hintergrund: Gottfried von Neuffen, Sohn des Stadtgründers, war damals einer der berühmtesten Minnesänger und hat im sogenannten Winnender Lied seine Liebe zu einer Winnenderin, einer Garnspinnerin, beschrieben. Der Text ist in der berühmten Manesse-Handschrift zu finden und gehört deshalb zur Weltliteratur.

Doch welcher Künstler sollte zum Zug kommen? Bei einer Abstimmung in der Lokalzeitung favorisierten 70 Prozent der 1220 Teilnehmer das Modell des Winnender Künstlers Martin Kirstein. Der Gemeinderat jedoch entschied sich im vergangenen Oktober mehrheitlich für das eng umschlungene Paar des Weinstädters Karl Ulrich Nuss. Es folgten empörte Leserbriefe. Nuss’ Werk zeige „den Höhepunkt von Gottfrieds Mädchenvernaschung“. Eine Winnenderin wettert über die „Verschandelung“ des altertümlichen Stadtzentrums: „Solange ich lebe, setze ich keinen Fuß mehr auf diesen verhunzten Marktplatz.“ Andere allerdings mahnen zu mehr Gelassenheit und ermuntern die Kritiker, diese sollten sich „ebenfalls mal kräftig um den Hals fallen, dann ein Lied singen und a Viertele schlotza“.

Winnender Mädlesfest beginnt am Samstag

Derlei Scharmützel sollen an diesem Wochenende der Vergangenheit angehören. Denn zum Höhepunkt der Jubiläumsfeiern steigt das Winnender Mädlesfest, eben in Erinnerung an die besungene Schönheit aus dem 13. Jahrhundert. „Die Besucher können in der gesamten Kernstadt eintauchen in die Welt des Mittelalters, wir werden die Zuschauer mit einem Spektakel in diese mystische Welt entführen“, verspricht Holzwarth. Zum Beginn ziehen am Samstag um 11.30 Uhr Stadterbauer Heinrich von Neuffen und seine Gattin Adelheid von Winnenden hoch zu Ross durch den Torturm ein, wo sie vom Stadtschultheiß (also Holzwarth) und dem kürzlich gewählten Winnender Mädle Janina Bäder empfangen werden. Nach dieser Zeremonie können die Besucher bei freiem Eintritt („bei uns gibt’s keinen Wegzoll“, so der Schultes) am Samstag bis Mitternacht und am Sonntag von 11 bis 18 Uhr durch die Gassen flanieren, Handwerker beobachten oder den Akteuren des „Winnespiels“ , eines Mitmachparcours wie vor 800 Jahren mit insgesamt zwölf Stationen, zuschauen. Am Samstagabend treten zudem mit den Geyers und der Gruppe Attonitus zwei bundesweit bekannte Mittelaltergruppen auf.

Am Wochenende feiert die Region

Am Wochenende feiert die Region

Böblingen: Das Stadtfest ist die größte Open-Air-Veranstaltung in Böblingen. In der Regel lassen sich etwa 100.000 Menschen das Spektakel im Zentrum der 47.000-Einwohner-Stadt nicht entgehen. Das Fest beginnt an diesem Freitag um 19 Uhr. In der Altstadt, auf dem Marktplatz und im Pestalozzihof spielen bis Mitternacht Bands. Zahlreiche Auftritte von Vereinen sowie Krämer- und Flohmarkt gibt es am Samstag (11–24 Uhr) und Sonntag (11–22 Uhr). Die Böblinger Festmeile zieht sich vom Marktplatz über den Elbenplatz bis in die Bahnhofstraße hin.

Musikfeuerwerk im Blühenden Barock in Ludwigsburg

Ludwigsburg: Fast acht Kilometer Kabel sind im Blühenden Barock für das große Musikfeuerwerk am Samstag verlegt worden – zu den Klängen von Ravels „Boléro“ wird ein 20-minütiges Spektakel den Himmel über dem Südgarten erhellen. Für die Pyrotechnik mit unzähligen Raketen und exakt zur Musik gezündeten Leuchteffekten sind einmal mehr die Feuerwerker der Bielefelder Firma Flash-Art verantwortlich. Das musikalische Rahmenprogramm beginnt bereits um 19 Uhr mit einer Pop-Band, bei Einbruch der Dämmerung wird die Gartenschau mit zehntausend Lampions, Flammschalen und Lichtfiguren illuminiert. Der Eintritt kostet zehn Euro für Erwachsene.

Marktplatzfest in Murrhardt

Murrhardt: Das Marktplatzfest an diesem Wochenende in der Stadt im nordöstlichen Rems-Murr-Kreis beginnt am Freitagabend mit einen Konzert der Cover-Band Smiling Faces. Der Samstag bietet griechische Tänze und türkische Folklore, abends gastiert die Partyband Music Tramps. Am Sonntagnachmittag spielen die Gastgeber vom Musikverein Stadtkapelle Murrhardt.

Murr-Regatta in Backnang

Backnang: Wer statt Festtrubel ein Spektakel der besonderen Art bevorzugt, ist am Samstag, 7. Juli, bei der Murr-Regatta des Jugendzentrums Backnang richtig. Von 13 Uhr an werden sich nahe der Startwiese in Oppenweiler-Zell kostümierte Paddler auf geschmückten Booten in die Fluten stürzen – und hoffentlich ohne zu kentern das Ziel in Backnang erreichen

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