Winnenden hat zwar ein Feuerwehr-, aber kein Stadtmuseum. Foto: Gottfried Stoppel

Winnenden hat noch kein richtiges Stadtmuseum. Doch jetzt keimt Hoffnung auf: In der Digitalisierungs-Strategie der Stadt taucht ein Online-Stadtmuseum auf. Erste Ideen, was dort gezeigt werden könnte, gibt es bereits.

Winnenden - Werner Heincke hat als CDU-Stadtrat viele Jahre für ein Stadtmuseum in Winnenden gekämpft. Zwar ist der Fotograf bei der letzten Kommunalwahl nicht mehr angetreten, das Projekt hat er aber nicht zu den Akten gelegt. Zusammen mit anderen Enthusiasten hat er in einem freien Ladenlokal im Rathaus ein Fotomuseum ins Leben gerufen, aber ein richtiges Stadtmuseum fehlt nach wie vor. „Jetzt hoffen wir auf die Digitalisierungsstrategie der Stadt“, sagte Heincke am Dienstag, als er zusammen mit anderen Museumsfreunden die Gemeinderatssitzung als Zuhörer besuchte.

Der Gemeinderat Winnenden ist von der Idee eines digitalen Stadtmuseums angetan

Doch was hat die Digitalisierung der Stadt mit einem Museum zu tun? Des Rätsels Lösung: in dem Papier wird unter anderem ein digitales Stadtmuseum vorgeschlagen. Konkrete Pläne dazu gibt es zwar noch nicht, doch zeigten sich in der Debatte zu dem Tagesordnungspunkt Stadträte der unterschiedlichen Fraktionen von der Idee angetan. Ein Schelm, der jetzt anmerkt, bald stünden ja die nächsten Kommunalwahlen an.

Bisher gibt es in Winnenden lediglich ein kleines Heimatmuseum im Torturm, das der Historische Verein in den 70er- und 80er-Jahren aufgebaut hat. In den vier Turmstuben gibt es eine kleine Dokumentation zur Stadtgeschichte. Nicht zu vergessen das Feuerwehrmuseum am Bahnhof, das sich – wie der Name sagt – mit der Geschichte der Brandbekämpfung, aber nicht mit der Stadtgeschichte beschäftigt.

In dem Internetmuseum werden digitalisierte Exponate gezeigt

Das Stadtarchiv, das kürzlich von der Altstadt nach Birkmannsweiler umgezogen ist, hat genügend Stücke, die als Exponate eines Stadtmuseums in Frage kämen. „Im Magazin sind unter anderem einige Gemälde von Julius Kornbeck“, sagte die Stadtarchivarin Michaela Couzinet-Weber. Werke des Winnender Malers, der von 1839 bis 1920 gelebt hat, sind unter anderem auch im Rathaus zu sehen.

In einem Internetmuseum werden digitalisierte Ausstellungstücke gezeigt. „Was wäre denn auf diese Weise bereits möglich“, wollte der CDU-Stadtrat Richard Fischer von der Stadtarchivarin wissen. Rund 10 000 Fotos seien bereits eingescannt, sagte Michaela Couzinet-Weber, darunter auch etliche alte Postkarten. „Schriftstücke sind noch nicht so viele digitalisiert.“ Dabei müsse man auch berücksichtigen, was man elektronisch umsetzen wolle. Dokumente aus vergangenen Jahrhunderten seien fragil und man müsse sich vor Augen führen, für welche Dokumente sich die Besucher eines digitalen Stadtmuseums auch interessierten.

Jetzt soll ein konkreteres Konzept her

Darüber hinaus sei bei dem Stadtbrand im Jahr 1693 das Archiv der Stadt in Flammen aufgegangen. So sind Zeugnisse aus der Zeit davor nicht mehr vorhanden und höchstens in Landesarchiven zu finden.

„Wichtig beim Aufbau eines Museums ist ein Konzept, das am Anfangg steht. Sonst zeigt man Kraut und Rüben“, warf der Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth ein. Das sei auch bei einem digitalen Museum der Fall. Holzwarth hat Erfahrungen in seiner früheren Wirkungsstätte Creglingen gesammelt hat. Dort wurde 2004 das Jüdische Museum eröffnet.

Das Strategiepapier zur Digitalisierung der Stadt wurde schließlich einstimmig verabschiedet. „Mit der erfolgreichen Teilnahme am Landeswettbewerb ,Digitale Zukunftskommune@BW’ und der damit verbundenen Förderung durch das Land waren gute Rahmenbedingungen für die Entwicklung der Digitalisierungsstrategie gegeben“, so Holzwarth.

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