Großer Schritt: Gemeinsam mit den Stadtwerken Stuttgart soll die städtische Tochter den Zuschlag für die Windräder bei Böblingen erhalten. Die Räte von Böblingen, Ehningen und Holzgerlingen beraten das kommende Woche.
Das Verfahren für den Bau des interkommunalen Windparks auf der Vorrangfläche BB-14 zwischen Böblingen, Holzgerlingen und Mauren geht einen Schritt weiter: In der kommenden Woche sollen die Gemeinderäte in Ehningen und Böblingen die Aufnahme von Vertragsverhandlungen mit einem Bieterkonsortium beschließen. Es besteht aus den Stadtwerken von Böblingen (SWBB) und Stuttgart (SWS) sowie dem Projektentwickler Sowitec aus Sonnenbühl im Kreis Reutlingen. Aller Wahrscheinlichkeit nach soll der Beschluss auch in Holzgerlingen fallen, doch die Tagesordnung der Gemeinderatssitzung ist noch nicht öffentlich.
Insgesamt haben sich in dem Interessenbekundungsverfahren sieben Bieter um den Windpark beworben. Ziel dieses Verfahrens sei es gewesen, einen geeigneten Projektentwickler auszuwählen, „der die Ziele der Kommunen bei der Projektierung und dem Bau eines zukünftigen Windparks auf den Gemarkungen der Kommunen angemessen berücksichtigt“, heißt es in der Vorlage des Ehninger Rats. Aufgrund eines zuvor festgelegten Kriterienkatalogs habe eine Vergabegruppe mit Vertretern aus allen drei Kommunen das jetzige Konsortium ausgewählt und empfiehlt es den Gemeinderäten.
Im Rahmen dieser Bietergespräche hätten die eingeladenen Unternehmen die Möglichkeit gehabt, ihre Angebotspräsentation mit Schwerpunkt auf die Wirtschaftlichkeit, das Windparklayout sowie den finanziellen Beteiligungsmöglichkeiten persönlich und in Präsenz vorzustellen sowie auf Nachfragen der Vergabegruppe einzugehen. Warum fiel die Wahl auf das Konsortium aus den Böblinger und Stuttgarter Werken?
Windpark als guter Kompromiss
Dazu heißt es in der Drucksache: „Das Pachtangebot der Sowitec in Kooperation mit den Stadtwerken zählt zu den zwei höchsten Pachtangeboten.“ Außerdem erscheine das vorgestellte, vorläufige Windparklayout der Sowitec, SWS und SWBB realistisch und bilde „einen guten Kompromiss aus Wirtschaftlichkeit und Berücksichtigung ökologischer Aspekte, unter anderem des Schallschutzes für die umliegenden Wohngebiete“, geht aus der Vorlage hervor.
Beide Stadtwerke zielten außerdem nicht auf einen hohen Verkaufspreis des Windparks an einen anderen Investor ab, sondern möchten den Windpark als Erzeugungsanlage für regenerativen Strom selbst nutzen und damit Kunden beliefern, heißt es weiter. Der Projektentwickler Sowitec hat kein Interesse an einer langfristigen Beteiligung am Betrieb des Parks, weshalb deren Anteile an der Gesellschaft nach Abschluss der Projektentwicklung veräußert werden sollen.
Diese können entweder an die Kommunen gehen oder sogar im Rahmen eines finanziellen Beteiligungsmodells an Bürgerinnen und Bürger. Dies sei allerdings noch Gegenstand rechtlicher Prüfungen, so die Kommunen. Ein weiterer Grund dafür, SWS/SWBB vorzuschlagen, sei, dass diese lokale Akteure seien, „mit guten Kenntnissen und Erfahrungen in der Region und mit einem hohen Eigeninteresse an einer positiven Projektentwicklung“.
Um den interkommunalen Windpark ist in den anliegenden Kommunen eine zum Teil hitzig geführte Debatte entbrannt. Hier wie dort gibt es kritische Stimmen aus der Bürgerschaft, denen sowohl der Eingriff in das Landschaftsbild zu massiv ausfällt als auch die Beeinträchtigung des dortigen Waldes als Naherholungsgebiet in der Region. Für einige der vorgebrachten Gegenargumente wie etwa schädlichen Infraschall, Eisschlag, Vogelschlag oder Wasserverunreinigung gibt es jedoch keine belastbare wissenschaftliche Grundlage.
Nach einem Jahr energetisch amortisiert
Die Kommunen Böblingen, Ehningen und Holzgerlingen begründen das Projekt mit der hohen Klimarelevanz: „Durch den Bau eines modernen Windrades können circa 11000 bis 17500 Megawattstunden Strom pro Jahr produziert werden und somit 7000 bis 11 000 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden.“ Die sogenannte „ökologische Amortisation“ könne bereits nach acht bis elf Monaten erreicht werden, sprich: die eingesetzte Energie für Herstellung, Transport und Errichtung könne nach etwa dieser Zeit zurückgewonnen werden.
Folgen die drei Gemeinderäte in Ehningen, Böblingen und Holzgerlingen der Empfehlung der jeweiligen Verwaltung, entsenden diese eine interkommunale Verhandlungsgruppe, um mit dem Betreiberkonsortium in Vertragsverhandlungen zu treten. Diese Gruppe besteht aus der Böblinger Baubürgermeisterin Christine Kraayvanger, dem Ehninger Bürgermeister Lukas Rosengrün und dem Holzgerlinger Bürgermeister Ioannis Delakos. Daraus hervorgehen soll ein Nutzungsvertrag für den Windpark, der den Gemeinderäten im kommenden Jahr zum Beschluss vorgelegt werden soll.