Windräder bei Adelberg Verschandelung vorgeworfen

Von Oliver Hillinger 

Carmen Marquard sorgt sich um das Ortsbild der Gemeinde Adelberg. Foto: privat
Carmen Marquard sorgt sich um das Ortsbild der Gemeinde Adelberg. Foto: privat

Wie passen Windräder und das Kloster zusammen?, fragt die Adelberger Bürgermeisterin Carmen Marquard und will darum streiten.

Adelberg - Rund 17 Stunden haben am Dienstag und Mittwoch Windkraftplaner und -gegner in der Schurwaldhalle in Oberberken (Rems-Murr-Kreis) über Pläne für Windkraftanlagen debattiert. Die vier bis zu 200 Meter hohen Rotoren sollen in einem Waldgebiet zwischen Schorndorf-Unterberken und Wangen stehen. Die umfangreiche Erörterung des Antrags war in ihrer Form einzigartig, es wird wohl wenig andere Verfahren im Rems-Murr-Kreis gegeben haben, bei denen das Landratsamt rund 1000 schriftliche Einwendungen zu berücksichtigen hatte.

Adelberger Bürgermeisterin sorgt sich um das Ortsbild

Ein größerer Streit könnte mit der Gemeinde Adelberg entstehen. Deren Bürgermeister Carmen Marquardt hatte am ersten Tag der Verhandlung denkmalpflegerische Bedenken geäußert, weil die vier Rotoren von der Höhe eines Fernsehturms im Wald hinter dem Kloster Adelberg stehen sollen und damit das Gesamtbild der Anlage verschandeln könnten. „Im Kloster darf man ohne Genehmigung nicht einmal Fenster oder Zäune umbauen, aber dann knallt man solche Anlagen dahinter in den Wald“, sagt Marquardt verärgert. Ähnlich wie beim Standort GP01, der durch Gutachten, welche die Gemeinde und der Verein Mensch-Natur in Auftrag gegeben hatten, verhindert wurde, habe sie auch bei GP03 die Rückendeckung ihres Gemeinderats. Sie sei erleichtert, dass man ihre Einwendung als für das Verfahren relevant deklariert habe, sagt die Adelberger Rathauschefin. Der Streitpunkt sei nun, in welchem Maße die Ansicht des Klosters beeinträchtigt werde, sagt Carmen Marquardt – und ob dies „erheblich“ sei.

Genehmige das Landratsamt die Windkraftanlagen, so müsse über eine Klage entschieden werden, führt sie weiter aus. Die Gemeinde habe eine örtliche Bürgerinitiative, welche Anwälte in der Sache beauftragt habe, mit 4000 Euro unterstützt. Sie sei nicht grundsätzlich gegen Windkraft, „aber wir ziehen am gleichen Strang“.

Faire Verhandlungsführung bescheinigt

Peter Zaar, der als Dezernent des Waiblinger Landratsamts die Veranstaltung moderierte, zeigte sich trotz aller Kritik am Mittwoch mit dem Gang der Dinge zufrieden. Am zweiten Tag der Anhörung, an dem unter anderem über die Wirtschaftlichkeit des Standorts und das Windaufkommen diskutiert wurde, sei man rasch vorangekommen, sagte Zaar. Dass man am ersten Tag viel über formale Fragen diskutiert und sich „beschnuppert“ habe, nennt er ganz üblich. Gegner wie Befürworter bescheinigten Zaar eine faire Verhandlungsführung.

Den Vorwurf, zu dem Termin sei zu spät eingeladen worden, kontert Zaar mit einem Gegenvorwurf. Die Anwälte der Bürgerinitiative Lebensraum Östlicher Schurwald hätten mit einem Schreiben versucht, den Termin zu verschieben. Die Juristen des Landratsamts hätten dies prüfen müssen, erst am 6. März sei beschlossen worden, an dem Termin festzuhalten. Die Bürgerinitiative hält dagegen, den ausgelegten Antragsunterlagen hätten die Stellungnahmen zahlreicher Behörden gefehlt. Über die Anwälte habe man mehrfach nachfassen müssen und deswegen einen Antrag auf eine neue Verschiebung gestellt.

War der Gutachter überhaupt vor Ort?

Er sei froh, dass es nicht zu persönlichen Anfeindungen gekommen sei, sagt Gerhard Ammon, der als Chef der Fellbacher Stadtwerke auch die Firma Energiedienstleistungen Remstal vertritt, welche das Projekt vorantreibt. Mit erheblichen Widerständen habe man schon gerechnet. Man sei allerdings nicht davon ausgegangen, die Gegner überzeugen zu können.

Aus den Reihen der Initiative heißt es, man sei gespannt auf die Protokolle, welche das Vorkommen des Greifvogels Roter Milan über dem geplanten Standort dokumentierten. Ein Gutachter eines Esslinger Fachbüros hatte angegeben, das geschützte Tier dort nie gesehen zu haben. Die Bürgerinitiative behauptet dagegen, den Gutachter selbst nie vor Ort gesehen zu haben. Er hätte an seinem offiziellen Beobachtungsposten den zahlreichen Spaziergängern eigentlich auffallen müssen, so die Begründung.

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