Von seinem Fuß bis zur Spitze der Rotoren misst das Windrad in Ingersheim im Kreis Ludwigsburg 180 Meter. Foto: Peter-Michael Petsch

Gegen den Widerstand von Teilen der Bürger versucht Grün-Rot Bau von Windkraft-Anlagen zu forcieren.

Ingersheim - Nach jahrelangen Planungen und Rechtsstreitigkeiten hat die Energiegenossenschaft Ingersheim und Umgebung vor wenigen Wochen ihre Windkraftanlage in Betrieb nehmen können. Die 350 Mitglieder der Genossenschaft haben für das 180 Meter hoch aufragende Windrad zusammen rund 3,6 Millionen Euro aufgebracht. Wenn diese Windkraftanlage wie errechnet zwischen 3,5 und 4 Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr erzeugt, gibt es das eingesetzte Kapital in Form von Dividenden und Rückzahlungen bald zurück. Der produzierte Strom deckt den Jahresbedarf an Energie von rund 1200 Haushalten.

Der Probelauf des windbetriebenen Stromerzeugers hat für den Vorstand der Genossenschaft, Dieter Hallmann, die Berechnungen bestätigt. In insgesamt 400 Betriebsstunden habe die Anlage 350.000 Kilowattstunden Strom produziert. Die Leistung, so Hallmann, könne nicht hoch genug eingeschätzt werden, weil das Windrad während des Probebetriebs für Wartungsarbeiten immer wieder abgeschaltet worden oder nicht mit ganzer Kraft gelaufen sei.

In ungefähr 600 Meter Entfernung vom Windrad gibt es eine Menge Leute, die Hallmann diese positiven Zahlen nicht abnehmen. Es handelt sich dabei um die Mitglieder der Initiative Gegenwind Husarenhof – benannt nach dem gleichnamigen Örtchen im Schatten der Anlage auf der Ingersheimer Höhe im Kreis Ludwigsburg. Die Initiative mit ihren rund 100 Mitgliedern hat von Anfang an Front gegen diese Art der Stromgewinnung gemacht. Zuletzt haben die Gegner im vergangenen Herbst durch Eilanträge beim Verwaltungsgericht und später beim Verwaltungsgerichtshof versucht, einen Baustopp zu erzwingen. Beide Gerichte ­haben die Initiative abblitzen lassen.

Vom Windrad geht ein Dauerbrummton aus

Noch nicht verhandelt sind die beiden Klagen, die die Windkraftgegner gegen die Genehmigung der Anlage durch das Landratsamt Ludwigsburg und das Stuttgarter Regierungspräsidium angestrengt haben. Dass sie nicht zurückgenommen werden, gleicht angesichts der Fakten und der bereits getroffenen Gerichtsentscheidungen dem vielzitierten Kampf gegen Windmühlenflügel. Für die Mitglieder von Gegenwind und ihren Vorsitzenden Peter Hitzker ist das Festhalten an den Klagen so etwas wie der letzte Strohhalm, um in den Betrieb des Windrads eingreifen zu können. „Wir wollen zumindest nachts wieder unsere Ruhe haben“, beschreibt Hitzkers Frau Martina die Erwartungen an die Richter.

Neben der optischen Erscheinung stört viele Bewohner des Husarenhofs, dass von dem Windrad ein Dauerbrummton ausgeht. „Es hört sich an, als würde ein Flugzeug ums Eck kommen“, sagt Martina Hitzker. Der Ton sei nachts sogar durch die geschlossenen Fenster zu hören. Tagsüber sei die Belästigung wegen anderer Lärmquellen wie Straßenverkehr oder Vogelgezwitscher erträglich. Für Dieter Hallmann steht dagegen fest, dass die Mitglieder der Initiative die Windradgeräusche nur deshalb als Belästigung empfinden, weil sie negativ gegen diese Technik eingestellt seien. Zum Beleg seiner These verweist er auf Meinungsäußerungen in anderen Medien, in denen das Ingersheimer Windrad bereits als Wahrzeichen des Ortes gefeiert wird.

„Die Windräder auf der Alb gehören uns, und wir behalten sie auch“

Die Gegenwind-Aktivisten beteuern in ihren Mitteilungen immer wieder, dass sie nicht grundsätzlich gegen diese Art der Energiegewinnung eingestellt sind. In windschwachen Gegenden wie dem Kreis Ludwigsburg und der Region Stuttgart halten sie Windräder allerdings nicht für wirtschaftlich. Diese Erfahrung, so die Initiative in ihrem Internetauftritt, hätten beispielsweise die Stadtwerke Fellbach machen müssen. Das Unternehmen, so wird behauptet, habe sich von seinen Windrädern auf der Schwäbischen Alb verabschiedet, weil diese nicht den erwarteten Ertrag gebracht hätten. Stattdessen würden die Fellbacher jetzt in Windparks auf dem Meer investieren.

Konfrontiert mit dieser Nachricht, fällt Thomas Mahlbacher, Leiter der Fellbacher Stadtwerke, fast von seinem Bürostuhl. „Die Windräder auf der Alb gehören uns, und wir behalten sie auch“, weist er die Initiative zurecht. Er bestätigt aber, dass die vier bereits im Jahr 2000 errichteten Räder über die Jahre nicht den erwarteten Gewinn abgeworfen haben. Dennoch seien die Stadtwerke zu weiteren Engagements in Windkraftanlagen in der Region entschlossen. Mittlerweile sei die Technik der Rotoren und der stromerzeugenden Motoren weiterentwickelt. Moderne Windräder würden auch bei nicht stabilen und niederen Windgeschwindigkeiten effektive Ergebnisse erzielen. Und der Fellbacher Stadtwerkechef ist davon überzeugt, dass die Technik immer weiter verbessert wird.

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