Ulrich Tammler vom Nabu blickt vom Grünen Heiner aus auf den Tauschwald. Dort ziehen viele Vögel über den Bergrücken. Foto: Schüler

Der Naturschutzbund hat Bedenken, dass Brutvögel verdrängt werden könnten. Zwischen 100 000 und 500 000 Vögel, für die eine Windkraftanlage eine Gefahr darstellen könnte, würden Jahr für Jahr über Stuttgart hinwegziehen.

Stuttgarter Norden - Die Landesregierung möchte den Ausbau erneuerbarer Energien vorantreiben: Bis 2020 soll zehn Prozent der Stromversorgung mit Windkraft erzeugt werden. Auf der Suche nach Standorten für Windräder wurde auch der Tauschwald ins Visier genommen. Diese Woche errichten die Stadtwerke Stuttgart dort einen Windmessmast. Er zeichnet über den Zeitraum von einem Jahr auf, wie stark in verschiedenen Höhen der Wind weht. „Erst dann kann man sagen, welcher Anlagentyp dort eingesetzt werden könnte“, sagt der Sprecher der Stadtwerke Markus Vogt. Erste Planungen würden vorsehen, dort zwei Windräder mit einer Nabenhöhe von jeweils 140 Metern zu errichten. „Diese könnten rechnerisch gesehen 4000 Haushalte in Stuttgart mit Strom versorgen“, sagt Vogt.

Windkraftanlagen stellen eine Gefahr für die Vögel dar

Dem Naturschutzbund Stuttgart missfällt das Vorhaben. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Afterwork Birding“ informierte am Mittwochabend Ulrich Tammler über den Zusammenhang von Windkraft und Vogelzug. „Wir lehnen den Standort Tauschwald komplett ab“, sagte der Hobby-Ornithologe. Zwischen 100 000 und 500 000 Vögel würden Jahr für Jahr über Stuttgart hinwegziehen. „Insbesondere Kleinvögel orientieren sich stark an dem Bergrücken, wo die zwei Windkraftanlagen angedacht sind.“ Die Rotorenblätter könnten die Flugtiere erfassen oder auch allein durch den enormen Luftdruck, den sie erzeugen, deren innere Organe schädigen.

Artenschutzgutachten bereits in Auftrag gegeben

Noch größere Bedenken hat Tammler jedoch wegen der Brutvögel, die sich in dem Gebiet zur Aufzucht ihrer Jungen niederlassen. Im Tauschwald kommen die vier besonders geschützten Arten Schwarz-, Mittel- und Grauspecht sowie der Halsbandschnäpper vor. „Wir wissen über die Wirkung von Windkraftanlagen auf Brutvögel so gut wie nichts“, gab Tammler zu bedenken. Aber auch an die mögliche Verdrängung von Fledermäusen oder Amphibien erinnerte das Nabu-Mitglied. Nicht nur der Betrieb der Windräder, sondern bereits die Bauarbeiten könnten die Tiere stören und sie aus ihrem Lebensraum verdrängen. Seitens der Stadtwerke wurden Artenschutzgutachten in Auftrag gegeben, in denen untersucht wird, welchen Tierbestand es im Tauschwald gibt. „Wenn herauskommt, dass zum Beispiel Vögel gestört werden, müssen wir schauen, welche Maßnahmen es gibt, um dies zu verhindern“, sagt der Sprecher Markus Vogt.

Was das Windrad auf dem Grünen Heiner betrifft, gibt es laut dem Geschäftsführer der Betreibergesellschaft Gedea, Dieter Schäfer, derzeit kein Bestreben, die Anlage durch eine größere zu ersetzen. Dies ist ganz im Sinne des Naturschutzbundes, der bei einem höheren Windrad eine Gefahr vor allem für Greifvögel, aber auch für Kleinvögel wie Schwalben oder umherstreifende Brutvögel wie Turmfalken und Mäusebussarde sehen würde. „Im Moment überfliegen sie die Windkraftanlage“, erklärte Tammler. Mit der aktuellen Nabenhöhe von 46 Metern werde das Windrad seitens des Nabus daher als unproblematisch eingestuft.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: