Rund 280 Meter hoch: Bei Münchingen drehen sich in wenigen Jahren drei Windräder. Hinter dem Projekt steckt der Autozulieferer Bosch. Foto: wpd

Wo könnten bald Windräder entstehen? Eine aktualisierte Planung hat der Verband Region Stuttgart jüngst in der Regionalversammlung vorgestellt. Auch rund um Leonberg hat sich einiges verändert, manche Flächen fallen weg – und andere sind hinzugekommen.

Es ist ein ambitionierter Zeitplan: Bis Ende September sollen die zwölf Regionalverbände des Landes festgezurrt haben, welche Gebiete auf dem Papier weiter als Windvorranggebiete gehandelt werden. Zur Ausweisung dieser Gebiete ist das Land gesetzlich verpflichtet: Im Klimaschutzgesetz ist festgeschrieben, dass 1,8 Prozent der Landesfläche künftig für den Bau von Windrädern ausgeschrieben werden müssen.

 

Der Verband Region Stuttgart (VRS) startet also bald in die zweite Offenlegung der Pläne, dann können Kommunen, Umweltschutzverbände und Bürger noch einmal Stellung zu den einzelnen Vorranggebieten nehmen. In einer ersten Offenlegungsphase, die bis Februar 2024 lief, gingen bereits 6500 Anmerkungen ein. Der daraufhin überarbeitete Planungsentwurf wurde am Mittwoch mit wenigen Änderungen von der Regionalversammlung beschlossen.

Von ursprünglich 106 Windvorranggebieten in der Region Stuttgart sind noch 87 übrig. Die meisten davon mussten etwa wegen Belangen der Flugsicherung, Wohnbebauung oder Wasserschutzgebieten weichen. Viele hat man aber auch aus Überlastungsschutz gestrichen, um Kommunen davor zu bewahren, von Windrädern umzingelt zu sein. Zahlreiche Gebiete wurden zudem kleiner. Das 1,8-Prozent-Flächenziel hat man damit gerade so erreicht.

Im Kreis Ludwigsburg fallen vier Flächen weg

Im Kreis Ludwigsburg ist die Zahl der Standorte von 24 auf 20 gesunken. Einige Flächen sollen schrumpfen. Gut eine Handvoll Vorranggebiete sind im Strohgäu. Die Fläche mit dem Namen LB-15 in Schwieberdingen ist wie erwartet gewachsen: Um das Gewann Ried/See zwischen Schwieberdingen und Münchingen, wo der Autozulieferer Bosch zwei Windräder errichten lassen will. Sie sollen je etwa 280 Meter hoch sein und das Forschungs- und Entwicklungszentrum mit Ökostrom versorgen. Sie bringen eine Energieautarkie von 30 Prozent. Eine dritte Anlage ist als Bürgerwindrad vorgesehen.

Lorenz Häfele, Projektleiter bei der Bremer wpd, hat in Korntal-Münchingen die Pläne vorgestellt. Wenn Ende des Jahres das Genehmigungsverfahren beginnt, könnten die Windräder 2027 gebaut werden. Drehen würden sie sich dann im Herbst. „Zuversicht ist angesagt“, so Häfele. Er meint damit, dass es mancherorts nur drei Monate statt einem Jahr dauerte, bis die Genehmigung vorliegt.

Hier Könnten in den Kreisen Ludwigsburg und Böblingen einmal Windräder stehen. Foto: Verband Region Stuttgart/Manfred Zapletal

Unter anderem ist die Windmessung beendet. Die Gutachten zum Artenschutz sind laut Häfele in der finalen Prüfung. „Restriktionen mit relevanten Auflagen“ gebe es keine. Nichtsdestotrotz, die Sorgen von Naturschützern bleiben, vor allem wegen der Vögel und Fledermäuse.

Bei Münchingen baut der Autozulieferer Bosch Windräder

Was wpd noch fehlt, sind die Grundstücke Korntal-Münchingens. Dort zeigte man sich stets offen für die Windräder. Finanziell profitiert die Kommune auch. Jedes Jahr erfolgt eine Pacht von gut 3150 Euro. Hinzu kommt eine freiwillige Kommunalabgabe von 0,2 Cent pro Kilowattstunde – unterm Strich 25 000 bis 30 000 Euro pro Anlage. Korntal-Münchingen erhält einen Anteil von 36 Prozent. Jedes Windrad erbringt eine Leistung von 14 Millionen Kilowattstunden pro Jahr. Das wäre Strom für 12 000 Haushalte. Offen ist noch, wie viel Gewerbesteuer abfällt.

Weiter im Rennen ist auch der Regenpfeiferacker in Hemmingen Richtung Hochdorf und Schwieberdingen. Dieses Gebiet ist umstritten, auch, weil sich dort der seltene Goldregenpfeifer aufhält. In der Regionalversammlung mahnte Leo Buchholz (Grüne) an, insgesamt den Artenschutz stärker zu berücksichtigen. Besonders kritisch sei das Gebiet LB-08, das als Zugvogelgebiet von überregionaler Bedeutung bekannt sei. Vom Tisch ist dagegen ein südlich der Solitude gelegenes Vorranggebiet auf Gerlinger Gemarkung (LB-01). Es hätte die historische Sichtachse zwischen Schloss Solitude und Schloss Ludwigsburg gestört, so die Begründung.

Kein Einfluss auf laufendes Verfahren in Weil der Stadt

Von der Verkleinerung von Gebieten ist etwa Weil der Stadt betroffen. Insbesondere zwei der Flächen, die zum Teil auf Weil der Städter Gemarkung liegen, hatte man seitens der Verwaltung bereits für potenzielle Windräder ins Auge gefasst: BB-02 und BB-27. Ein entsprechendes Interessenbekundungsverfahren, mit dem man Projektierer für die Windräder finden will, läuft derzeit. Beide Gebiete mussten im Zuge der Überarbeitung der Regionalplanung an Fläche einbüßen, insbesondere BB-02, das zwischen dem Teilort Merklingen und Heimsheim liegt und wegen einer Pufferzone zum Flugplatz in Malmsheim von 310 auf 172 Hektar geschrumpft ist.

Auf das laufende Verfahren habe das voraussichtlich „keine oder höchstens geringe Auswirkungen“, sagt Bürgermeister Christian Walter. Für Zündstoff hatte die Fläche BB-27 in der Vergangenheit mehrfach gesorgt, weil hier schon einmal Windkraft geplant war – dieses Vorhaben aber unter anderem nach großem Protest aus dem benachbarten Heimsheim wieder verworfen wurde. Die Stadt hat sich in der ersten Offenlegung wieder schriftlich gegen das Windvorranggebiet ausgeschlossen, weil sie den betreffenden Wald als wichtiges Naherholungsgebiet wertet.

Weissach ist nach der Änderung weniger umzingelt

Auch für Weissach hat sich nun einiges getan: In den Plänen von 2023 war die kleine Gemeinde in fast jeder Richtung von potenziellen Windvorranggebieten umgeben. Um eben diese Umzingelung zu vermeiden, hat der VRS nun ein Gebiet südlich von Weissach, das auch auf Rutesheimer Gemarkung liegt, aus den Plänen gestrichen. Ein weiteres Gebiet im Osten (BB-31) wurde um gute 70 Hektar kleiner, der Teil zu Weissach hin fällt weg. Dass die Flächen rund um Weissach geschrumpft sind, war auch im Interesse der Verwaltung, entsprechende Wünsche hatte man in einer Stellungnahme geäußert. Das größte Vorranggebiet auf Weissacher Gemarkung, BB-32 im Westen der Gemeinde, bleibt größtenteils unverändert. Hier hat man aber ohnehin einen gemeinsamen Windpark mit Heimsheim ins Auge gefasst.

Für Renningen und Rutesheim ändern sich wenig: Die verhältnismäßig kleinen Gebiete rund um die Städte bleiben auch in den überarbeiteten Plänen weitestgehend unverändert. Auch für Leonberg hat sich nicht viel getan. Die Stadtverwaltung hatte den beiden Vorranggebieten BB-23 (östlich der A 81) und BB-28 (beim Rübenloch) in einer Stellungnahme zugestimmt. Dem Wunsch, die Teilflächen des Gebiets BB-24 auf Magstadter Gemarkung zu streichen, weil diese wegen „der topografischen Gegebenheiten eine erdrückende Wirkung“ hätten, ist der VRS erst einmal nicht nachgekommen.

Zum überarbeiteten Windkraftpaket soll die Bevölkerung ab Juni noch einmal Stellung nehmen können. In der ersten Sitzung nach der Sommerpause geht es dann ein letztes Mal in die Regionalversammlung.