Windkraft Naturschützer fordern Prüfstelle für Gutachten

Von Sascha Maier 

Ein  Windrads im Windpark Braunsbach. Foto: dpa
Ein Windrads im Windpark Braunsbach. Foto: dpa

Eine Studie stellt Windkraft-Gutachten miserable Zeugnisse aus. Der Schutz von Vögeln und Fledermäusen werde bei vielen Windkraft-Projekten kaum beachtet.

Stuttgart - Naturschutzverbände in Baden-Württemberg haben Gutachten geprüft, die die Verträglichkeit von Windkraftwerken und Naturschutz gewährleisten sollten – und dabei eklatante Mängel festgestellt. „Nach einer Welle von neuen Projekten Ende letzten Jahres sind deren Gutachten bei einer von uns durchgeführten Studie größtenteils durchgefallen“, sagte Johannes Enssle, der Nabu-Vorsitzende Baden-Württemberg am Donnerstag vor Journalisten. Der Naturschutzbund präsentierte die Studienergebnisse zusammen mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und dem Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg (LNV). Gemeinsam fordern die Umweltverbände von der Landesregierung eine unabhängige Prüfstelle für Windkraft-Gutachten.

Die Naturschützer untersuchten in ihrer Studie acht Gutachten im Land, die von verschiedenen Landratsämtern abgenommen worden waren. Nur in zwei Fällen wurde mehr als die Hälfte der Prüfkriterien der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) erfüllt. Die Naturschützer fürchten beim Bau von Windkraftwerken besonders Bedrohungen für Vogel- und Fledermauspopulationen.

Einige Gutachter seien „Hanswürste“

Das Thema hat nach einer Antragswelle für Windkraft-Projekte im November und Dezember 2016 an Brisanz gewonnen. „Wir zählten 33 genehmigte Verfahren“, sagte Enssle vom Nabu – Verfahren für Projekte, deren Rechtmäßigkeit laut den Naturschützern zumindest nicht geklärt ist.

Um gerichtlichen Auseinandersetzungen vorzubeugen, plädieren die Verbände für eine staatliche Prüfstelle und ein Mustergutachten, das Orientierung liefern soll. „Wir befürworten Windkraft“, stellte Brigitte Dahlbender vom BUND klar – nur eben nicht zulasten der Tiere.

Gleichzeitig appelliert sie an Windkraftbetreiber, nicht an Gutachten zu sparen: „Theoretisch könnten wir juristisch alles, was in den Gutachten fehlt, nachfordern.“ Auch wenn sich viele Betreiber um Rechtssicherheit bemühten und kompetente Gutachter beauftragten, gebe es dennoch schwarze Schafe. „Jeder Hanswurst kann eine Homepage bauen und seine Dienste als Gutachter anbieten“, bemängelte der Nabu-Landeschef Johannes Enssle.

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