Windrad in der Abenddämmerung – wie gut sind die Anlagen ausgelastet? Foto: dpa

Eine neue Studie kommt zu dem Schluss, dass Deutschland kein idealer Standort für Windanlagen ist. Es gibt einfach zu wenig Wind. Durch gute Anlagen wird das aber ausgeglichen.

Eine neue Studie kommt zu dem Schluss, dass Deutschland kein idealer Standort für Windanlagen ist. Es gibt einfach zu wenig Wind. Durch gute Anlagen wird das aber ausgeglichen. Das macht hiesige Anlagenbauer zu den besten der Welt.

Hannover - Gemäß der Studie, die vom Bundesverband Windenergie auf der Hannover-Messe vorgestellt wurde, weist Deutschland unter mehreren Ländern weltweit das niedrigste Windpotenzial auf.

Während an guten Standorten in Schottland oder im US-Staat Wyoming Brutto-Kapazitätsfaktoren von über 40 Prozent erreicht würden, würden in Deutschland selbst an Küstenstandorten nur Faktoren von knapp 28 Prozent erreicht, schreiben die Autoren in ihrer Untersuchung. In der Windenergiebranche ist der Brutto-Kapazitätsfaktor ein Maß, die Auslastung einer Anlage zu messen. Hohe Prozentwerte entsprechen einer hohen Auslastung. Deutsche Standorte im Binnenland seien mit einem Wert von 17,6 Prozent „weit abgeschlagen“, so die Studie. Sie verglich insgesamt acht Regionen in den USA, Großbritannien und Dänemark mit den deutschen Gegebenheiten. „Auch in großer Messhöhe“ lägen die durchschnittlichen Windgeschwindigkeiten in großen Teilen Deutschlands „noch deutlich unter denen der Vergleichsländer“.

Wenige windreiche Gebiete nicht unbedingt nachteilig

Dass windhöffige – also windreiche – Gebiete in der Bundesrepublik eher Mangelware sind, wertet die Studie, an der neben dem BWE auch der Maschinenbauerverband VDMA-Power-Systems mitgearbeitet hat, aber nicht unbedingt als Nachteil. Die eher schwierigen Bedingungen im Heimatmarkt machten die deutschen Anlagenbauer vielmehr zu „Technologievorreitern“, die besonders fortschrittliche Systeme einsetzten, um den Wind einzufangen. Kennzeichen seien unter anderem große Nabenhöhen und Rotordurchmesser sowie effiziente Technik.

Tatsächlich werden sich Investoren wohl mit immer windschwächeren Standorten für Windanlagen anfreunden müssen. Der aktuelle Ausbau finde in Gebieten mit unterdurchschnittlichen Winderträgen statt, sagte BWE-Präsidentin Sylvia Pilarsky-Grosch am Dienstag in Hannover. Die Hersteller bemühen sich denn auch, die Anlagen besser zu machen. Marktführer Enercon aus Aurich stellt derzeit in Hannover eine neue Windanlage vor, die für windschwächere Binnenstandorte optimiert ist und über eine Leistung von drei Megawatt verfügt. Andere Hersteller wie die Hamburger Firma Nordex haben ähnliche, für schlechtere Lagen optimierte Systeme im Programm. Mit diesen Anlagen wolle man mittellukrative Standorte weiter nach vorne bringen, sagte Enercon-Chef Hans-Dieter Kettwig.

Schleppende Baugenehmigungen sind ein Hindernis

Das könnte auch Baden-Württemberg zugutekommen. Die Landesregierung will die Windenergie massiv ausbauen, hinkt ihren Zielen aber noch weit hinterher. Mehrfach hatten Regierungsvertreter die an diesem Dienstag im Bundeskabinett verabschiedete Ökostrom-Reform kritisiert und vor einem Abwürgen des Neubaus von Windanlagen im Südwesten gewarnt – unter anderem wegen mangelnder Vergütungen für Anlagen an Schwachwindstandorten.

BWE-Chefin Pilarsky-Grosch sagte dagegen, die Vergütungen seien in Baden-Württemberg „nicht das Problem“. Vielmehr würden die nötigen Baugenehmigungen zu schleppend erteilt.

Auch andere Experten sehen hierfür einen der Haupthemmschuhe für mehr Anlagen im Land. Jahrelang lag die Genehmigungshoheit bei den windkraftkritischen Regionalverbänden. Mittlerweile ist sie an die Kommunen übergegangen. Diese seien mit den Verfahren aber nicht selten überfordert, sagen Fachleute. 2013 sind in Baden-Württemberg zwölf Windkraftanlagen mit einer Leistung von insgesamt 34,5 Megawatt in Betrieb genommen worden. Im Bund wurden 2013 gut 1100 Anlagen neu gebaut.

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