So könnten die Windräder bei Jettingen den Stadtwerken zufolge aussehen. Im Vordergrund ist das Umspannwerk zu sehen. Foto: Stadtwerke Stuttgart

Die Vorranggebiete sind ausgewiesen, erste Genehmigungsanträge liegen vor. Aber wie lange dauert es, bis tatsächlich ein Windrad steht?

Die Planungen für Windkraft im Kreis Böblingen schreiten voran. Bereits drei Genehmigungsanträge liegen dem Landratsamt vor – für Windräder bei Jettingen, für den Windpark „Sindelfinger Wald“ nördlich der ehemaligen Mülldeponie Dachsklinge sowie für einen Windpark bei Rutesheim-Perouse. Jüngst hat die Regionalversammlung die Vorranggebiete für Windkraft ausgewiesen.

 

Drehen sich also demnächst die ersten Windräder im Kreis? So schnell geht es nicht. Die Stadtwerke Stuttgart (SWS), die den Windpark bei Jettinen planen, nennen unter den Projektierern aktuell das früheste Datum: Sie gehen demnach davon aus, dass sie den Windpark Ende 2027 in Betrieb nehmen können.

Mit Windmessungen zufrieden

Der Prozess, bis es so weit sein könnte, steht stellvertretend auch für andere Projektierer: In den vergangenen Monaten haben die SWS Gutachten erstellen lassen – etwa zu den Themen Schall, Schattenwurf und Hydrologie. Auch die Windstärke haben sie über ein Jahr hinweg gemessen, denn immer wieder werden Zweifel laut, ob in der Region überhaupt genug Wind für den Betrieb von Windkraftanlagen weht. Die SWS waren mit dem Ergebnis aber offenbar zufrieden. „Wir haben durch unsere Windmessung unsere Plangröße von 5,86 Metern pro Sekunde auf Nabenhöhe von 175 Metern bestätigen können“, teilt SWS-Sprecher Stephan Stegmann auf Nachfrage mit.

Zur Einordnung: Der bayerische Energieatlas beispielsweise geht davon aus, dass mit der heutigen Anlagentechnologie ab einer mittleren Windgeschwindigkeit von 5,5 Metern pro Sekunde ein Windrad wirtschaftlich betrieben werden kann. Die Gutachten haben die SWS dann zusammen mit dem Genehmigungsantrag im Sommer eingereicht.

Wie lange dauert es dann noch, bis eine Genehmigung erteilt werden könnte? „Tatsächlich ist die Hürde zunächst die Vollständigkeit der Unterlagen, denn nur, wenn alles vollständig ist, kann umfassend geprüft werden“, teilt Landratsamtssprecherin Simone Hotz mit. In der Praxis habe sich gezeigt, dass bereits das ein langwieriger Prozess sei.

Flugsicherung könnte Strich durch die Rechnung machen

Sind alle Unterlagen da, werte das Landratsamt als Genehmigungsbehörde diese aus und schaue, ob alle beteiligten Fachbehörden Gelegenheit zur Stellungnahme hatten. Haben Fachbehörden Einwände, so muss abgewogen werden, welches Interesse Vorrang habe, erklärt Hotz weiter – der Ausbau der erneuerbaren Energien oder der vorgebrachte Einwand. Bei Bedarf mache das Landratsamt dem Projektierer bestimmte Auflagen. „Es gibt aber auch Einwendungen, die das Vorhaben am konkreten Standort verhindern“, sagt Hotz. Diese würden dann dazu führen, dass ein Windrad nicht an der geplanten Stelle gebaut werden könne. Dazu würde etwa eine negative Stellungnahme der Flugsicherung zählen. Das könnte vor allem beim geplanten Windpark „Sindelfinger Wald“, den die Stadtwerke Sindelfingen planen, ins Gewicht fallen. Die Flugsicherung hatte sich in der Vergangenheit bereits gegen diesen Standort ausgesprochen.

Eineinhalb Jahre von der Genehmigung bis zum fertigen Windpark

Konkret zu sagen, wie lange der Genehmigungsprozess dauert, erweist sich als schwierig. In jedem Fall muss das Landratsamt noch mindestens bis Anfang März 2026 warten, bevor es Anträge genehmigen darf. Denn formal gesehen sind die Vorranggebiete noch nicht endgültig ausgewiesen. Das baden-württembergische Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen hat noch drei Monate Zeit, Einwände zu erheben.

Erst nach Ablauf dieser Frist gelten die Gebiete offiziell als ausgewiesen. Dann darf das Landratsamt anfangen, Genehmigungen zu erteilen, erklärt Simone Hotz. Liegt die Genehmigung vor, dauert es voraussichtlich weitere rund eineinhalb Jahre, bis ein Windpark fertig ist – so zumindest die Rechnung der Stadtwerke Stuttgart.