Wincent Weiss zeigt sich nahbar, leidenschaftlich und fröhlich. Foto: Lichtgut/Ferdinando Iannone

Deutschpop-Star Wincent Weiss hat in der Schleyerhalle 12 000 Fans bespaßt. Dazu braucht er nicht einmal immer seine Hits. Mal nutzt er Pyrotechnik, mal Familienfotos.

Stuttgart - Keine Frage: Wincent Weiss brennt für sein Leben als Popstar. Wer sein Publikum innerhalb von drei Jahren verhundertfacht, muss schließlich einiges richtig machen. Vor einhundertzwanzig Besuchern ist der Sänger aus Bad Oldesloe noch 2016 im Stuttgarter Keller Klub aufgetreten, am Samstagabend bejubeln ihn nun rund 12 000 Fans in der ausverkauften Schleyerhalle.

Nach etwa einer halben Stunde brennt der 26-Jährige dann ganz real: Eine Pyrotechnik-Jacke hat Wincent Weiss dafür angelegt, einige Sekunden lang umzüngeln ihn nun echte Flammen aus den Ärmeln und dem Rückenteil. Auch diverse Konfettikanonen, einen weit in den Innenraum hineinragenden Laufsteg und ein gutes Dutzend Flammenwerfer umfasst die bislang größte Tournee in Weiss’ noch junger Karriere. Doch die baut nicht zuerst auf Special Effects.

Nahbarkeit als Businessplan

Viel mehr als vom überdurchschnittlich hohen Materialeinsatz lebt Weiss von sich selbst. Wie die meisten Vertreter der aktuellen Deutsch-Pop-Szene kreist auch er konsequent um das eigene Ego und individuelle Befindlichkeiten. Dass ihm dafür die Herzen seines überwiegend weiblichen Publikums zufliegen, ist gut nachvollziehbar: Weiss verkörpert jenen unbeschwerten, aber nicht zu oberflächlichen Jungmänner-Typ, mit dem es sich sorglos traurig und fröhlich und glücklich sein lässt.

Viel Persönliches von sich preiszugeben und auch physisch immer schön nahbar zu sein, ist da unbedingter Bestandteil des Businessplans. Mit jeder Menge Fotos aus dem Familienalbum füttert Weiss seine Fans in der Schleyerhalle, und immer wieder zieht es ihn mitten unter sie, Anfassen ausdrücklich erlaubt. Eine Armada an recht willkürlich geschalteten Scheinwerfern sorgt dazu für eine Optik wie bei einem indischen Holi-Festival: Hauptsache, alles ist schön bunt und sieht gut aus. Die Musik drum herum bleibt bei alledem eher Nebensache.

Ausufernde Plaudereien

Eine vierköpfige Band spielt einen meist tanzbar getakteten Mix aus Saiten- und Tastenklängen, der im Idealfall Melancholie und Partyatmosphäre in ein gemeinsames Arrangement presst, oft aber auch nur gefällige Harmonien und Riffs repetitiv vor sich herschiebt. Dazu gibt es einen Schuss Akustisches, ein bisschen Disco-Pop und natürlich alle Hits von „Musik sein“ bis „Feuerwerk“. Und dass dieses knapp zweistündige Set durch ausufernde Plaudereien und allerlei Mitmachspielchen ziemlich aufgebläht daherkommt? Stört in Stuttgart niemanden: Die Fans von Wincent Weiss amüsieren sich auch prächtig, wenn der Sänger nur redet und sie Zeit mit ihm verbringen.

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