Wer wohl künftig im Sitzungssaal im Rathaus sitzen wird? Foto: Gorr/Archiv

Die Bürger haben am 25. Mai erstmals die Wahl zwischen vier Listen – zwei sind gegen die neue Firma.

Wimsheim - Es war einfach nur wahnsinnig anstrengend und nervenaufreibend“, antwortet ein Wimsheimer Bürger, als er nach den vergangenen anderthalb Jahren gefragt wird. Die Menschen in der beschaulichen Enzkreisgemeinde haben unruhige Zeiten hinter sich. Über die mögliche Ansiedlung der Pforzheimer Goldscheideanstalt Hafner ist ein heftiger Streit entbrannt, der Ort ist gespalten. Nicht die besten Voraussetzung für die Kommunalwahl in einer Woche.

Anders als in den vergangenen Monaten, in denen die Hafner-Gegner zu Demos aufriefen, Flugblätter verteilten und zahlreiche Dienstaufsichtbeschwerden gegen den Bürgermeister Mario Weisbrich bemühten, scheint es in den Tagen vor der Wahl aber ruhig im Ort zu sein. „Zu ruhig, wenn Sie mich fragen“, sagt eben jener Bürger, dem es nach eigener Aussage egal gewesen sei, ob Hafner nach Wimsheim kommt oder nicht. „Aber dass erwachsene Menschen sich deswegen so angehen, kann ich einfach nicht fassen.“

Die Stimmung in der kleinen Enzkreisgemeinde ist angespannt. Welche Konsequenzen ziehen die Bürger aus den Ereignissen der vergangenen Monate? Wer lenkt in den kommenden fünf Jahren die kommunalpolitischen Geschicke? Und welche Fraktionen oder Gruppen sind künftig im Gemeinderat vertreten? Hatten die Wimsheimer in der Vergangenheit nur die Wahl zwischen den Freien Wählern (FWV) und den Bürgern für Wimsheim (BfW), stehen dieses Mal noch die Liste Bürgerinitiative (BI) und Wimsheim Miteinander (WM) auf dem Zettel, die sich aus Hafner-Gegnern zusammensetzen.

Die Freien Wähler wollen es noch einmal wissen, alle derzeit acht Gemeinderäte treten zur Wiederwahl an. Darunter auch Peter Boßert, der seit 30 Jahren im Gremium sitzt. „Wir möchten das geordnete Finanzsystem und die vorhandene Infrastruktur auf diesem hohen Niveau erhalten“, erklärt Boßert. Denn in den nächsten Jahren stehen Projekte wie der Hochwasserschutz oder die Breitbandversorgung an. „Und dafür brauchen wir Geld“, macht Peter Boßert unmissverständlich klar.

Die BfW will das Gemeindeschiff weiterhin schuldenfrei gesteuert sehen. Die derzeit vier Gemeinderäte treten ebenfalls wieder an, auf der Liste stehen noch acht neue Kandidaten. „Wir wollen die Belebung der Ortsmitte in den nächsten fünf Jahren abschließen“, erklärt Axel Heinstein das Hauptziel. Auch seine Fraktion will alle Haushalte ans schnelle Internet bringen und „das, was wir haben, erhalten“. Dass der Gemeinderat sich für die Hafner-Ansiedlung entschieden hat, hält Heinstein nach wie vor für richtig.

Nicht so die BI. Dennoch, so ihre Sprecherin Sandra Beck-Lankocz, gehe es um mehr als um Hafner. Man wolle Wimsheim für alle Generationen lebens- und liebenswert erhalten. Dazu gehörten neben einer bezahlbaren Ganztagesbetreuung für alle Altersgruppen und barrierefreien Straßenübergängen an allen Gehwegen auch der Erhalt der medizinischen Grundversorgung. Für „frischen Wind“ im neuen Gremium will die hafner-kritische Liste Wimsheim Miteinander sorgen. „Wir möchten einen respektvollen Umgang und Transparenz bei kommunalpolitischen Entscheidungen“, erklärt Rita Boller. Eine Bürgerwerkstatt und ein Jugendgemeinderat sollen dazu beitragen, die Entscheidungen künftig auf „breite Schultern“ zu stellen.

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