Hier auf der grünen Wiese soll die neue Mensa gebaut werden. Doch braucht es die überhaupt noch? Foto: Hans Jörg Ernst

Im September ist die Gemeinschaftsschule Heckengäu in Mönsheim gestartet. Doch jetzt überlegt die Nachbargemeinde plötzlich, wieder einen Rückzieher zu machen. Und zwar auf Kosten der anderen beteiligten Kommunen.

Wimsheim - Es brodelt hinter den Kulissen der Gemeinschaftsschule Heckengäu. Konkret geht es um den Standort in Mönsheim, an dem sich neben Mönsheim und Wimsheim auch Friolzheim finanziell beteiligt. Die Frage ist, wie lange noch. Denn der Friolzheimer Bürgermeister Michael Seiß hatte seinen Kollegen unlängst mitgeteilt, dass seine Gemeinde die Beteiligung an der Gemeinschaftsschule (GMS) grundsätzlich prüfe. Im Klartext: Friolzheim überlegt, aus dem Schulverbund auszusteigen. Eine endgültige Entscheidung steht zwar noch aus. Doch in Wimsheim stehen die Zeichen auf Alarm.

Der Bürgermeister Mario Weisbrich bleibt sachlich, als er den Gemeinderat am Dienstagabend über den aktuellen Stand der Dinge informiert. Doch hier und da wird deutlich, dass er für die Ambitionen der Nachbargemeinde kein Verständnis hat. Denn sollte Friolzheim tatsächlich nicht mehr kooperieren, hätte das für seine Gemeinde weitreichende finanzielle Folgen. „Denn dann werden die Investitionskosten auf Mönsheim und uns verteilt“, erklärt der Schultes. Und dann müsste Wimsheim im schlechtesten Fall knapp 700 000 in den geplanten Umbau am Schulstandort in Mönsheim stecken.

Bedenken wegen der hohen Kosten

Doch warum spielt Friolzheim überhaupt mit dem Gedanken, aus der Gemeinschaftsschule, die erst diesen September gestartet ist, auszusteigen? Mario Weisbrich kann nur die Informationen des Kollegen Seiß wiedergeben. Demnach habe Friolzheim Bedenken bezüglich der Schulart und der hohen Investitionskosten für den Umbau. Weiterhin sei die Gemeinde anfangs nicht beteiligt gewesen, als der Schulträger, der Schulverband Platte und die Gemeinde Mönsheim, den Antrag auf Gemeinschaftsschule auf den Weg gebracht habe. All das kann und will Weisbrich aber nicht gelten lassen. Denn: „All diese Gründe wären auch für unsere Gemeinde voll zutreffend.“

Doch der Wimsheimer Schultes betont, dass beide Gemeinden seit anderthalb Jahren in den ganzen Entwicklungsprozess um die neue Schulart eingebunden seien. Die beteiligten Kommunen hätten die Gemeinschaftsschule zusammen auf den Weg gebracht, die Kosten werden entsprechend der jeweiligen Schülerzahlen aufgeteilt. Derzeit besuchen sechs Kinder aus Wimsheim die GMS, aus Mönsheim nur eines. Aus Friolzheim kommen laut Weisbrich sogar neun Kinder.

„Das ist sehr schlechter Stil“

Und genau das macht die Wimsheimer Gemeinderäte sauer. „Die scheren aus dem Solidarpakt aus, obwohl sie am meisten profitieren“, schimpft der Freie Wähler Frank Widmann. Und das erst jetzt, nachdem das Ganze schon gestartet ist. „Das ist sehr schlechter Stil“, findet Widmann.

Wie es weitergeht, ist noch völlig offen. Der Friolzheimer Rathauschef Michael Seiß konnte kein Licht ins Dunkel bringen, bis Redaktionsschluss am Mittwochabend war er für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Wie Mönsheim und auch Wurmberg dazu stehen, zeigt sich heute Abend. Denn in beiden Gemeinderatssitzungen steht das Thema auf der Agenda. Die Wimsheimer haben jedenfalls ein deutliches Signal gesendet. „Wir beteiligen uns weiterhin am Solidarpakt Heckengäu“, erklärt Axel Heinstein von den Bürgern für Wimsheim. Sollte Friolzheim aussteigen, müsse man aber prüfen, ob es sich überhaupt noch lohnt, den Standort Mönsheim zu erhalten.

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