Interessiert schauen sich die Wimsheimer die Modelle an – so könnte die neue Ortsmitte einmal aussehen Foto: Gorr,

Die Bebauung des Dorfzentrums ist Inhalt einer Ratssitzung mit Frage- und Antwort-Runde in der Hagenschießhalle. Das Interesse ist immens. Damit der Dialog professionell abläuft, hat der Bürgermeister eine Kommunikationsexpertin eingeladen.

Wimsheim - Es ist kurz vor 19 Uhr. Vor den Schautafeln in der Hagenschießhalle drängen sich die Menschen. Sie schauen sich an, wie die Ortsmitte früher ausgesehen hat. Den heutigen Zustand kennt jeder Wimsheimer: Es ist eine Brache im Wartezustand. Anlieger fahren mit den Fingern die Konturen auf den Plänen entlang und finden ihr Eigentum: „Ha ja, des isch ja mein Haus.“ Die Stadtverwaltung hat auch die Modelle des städtebaulichen Wettbewerbs von 2006 aufgebaut. Dazwischen steht Bürgermeister Mario Weisbrich im Gespräch mit Bürgern. Als die Veranstaltung schließlich losgeht, sind die meisten der rund 200 Stühle besetzt. Die Wimsheimer wollen wissen, wie es mit der Ortsmitte weitergeht.

Seit vielen Jahren schon wird in der Gemeinde über die Gestaltung der Fläche zwischen Kirche und Rathaus diskutiert. Pläne wurden erstellt und verworfen, das Denkmalamt funkte dazwischen, schließlich wurde der Bebauungsplan geändert. Aktueller Stand: es gibt konkrete Pläne des Weissacher Architekten Hansulrich Benz für ein Gebäude, das aus zwei Teilen besteht, zwischen 10 und 14 barrierefreie Wohnungen enthalten soll, sowie Platz für Läden und vielleicht eine Bank und 28 Stellplätze, davon 14 öffentliche. Auf der Fläche davor möchte die Gemeinde einen gut 500 Quadratmeter großen Platz anlegen. Und es gibt Investoren, nämlich die Pforzheimer Architekten Walter und Sima Zeitler. Sie stellen sich ebenso den Fragen der Wimsheimer Bürger wie Martin Keller von der Stadtentwicklung GmbH, Steg.

Sitzordnung wird im Vorfeld festgelegt

Nicht nur Fachleute und Verwaltung sitzen quasi auf dem Podium, sondern auch die Gemeinderäte – rechts vom Publikum die Bürger für Wimsheim und die Freien Wähler. Weit weg auf der anderen Seite die Neuen von der Liste Bürgerinitiative (BI) und Wimsheim.Miteinander (WM). Weisbrich betont: „Über die Sitzordnung haben wir uns im Vorfeld geeinigt.“ Dann kommt die Kommunikationsexpertin Gerhild Albes ins Spiel. „Dass ich engagiert wurde, ist nicht selbstverständlich, sondern auch Wertschätzung Ihnen gegenüber,“ sagt sie in Richtung Zuhörer.

Tatsächlich führt sie gekonnt durch Fragen und Antworten. Trotz einiger hochschwappender Emotionen und deutlich spürbarer Fronten zwischen Gegnern und Befürwortern der vorliegenden Pläne bleibt die Atmosphäre sachlich, denn die meisten haben wohl das Gefühl, ausreichend zu Wort zu kommen. Wer eine Frage hat, meldet sich und entscheidet auch, wer diese beantworten soll. Albes sorgt dafür, dass das funktioniert und ermuntert auch die Zuhörer: „Leute, heute ist Ihre Chance, demnächst muss der Gemeinderat entscheiden.“ Nur einmal funkt der Bürgermeister dazwischen, als es um die Frage geht, ob und welche Bank möglicherweise in das neue Gebäude einzieht. „Wir sind in Vorverhandlungen, nennen jetzt aber keine Namen.“ Punktum.

Martin Keller von der Steg macht deutlich, dass die restlichen Fördermittel aus dem Landessanierungsprogramm von 400 000 Euro wohl verfallen, wenn bis Mitte 2015 nicht mit dem Bau begonnen wird. Ein neuer Antrag müsse gestellt werden, was zu jahrelangen Verzögerungen führte. Architekt Walter Zeitler sagt auf Nachfrage: „Dieses Objekt würden wir nur machen, wenn so gebaut wird, wie jetzt dargestellt.“ Ob er denn realistische Chancen sehe, die Gewerbeeinheiten an den Mann zu bringen? „Wir würden es nicht angehen, wenn wir keine reellen Chancen sehen würden. Aber in die Zukunft können wir auch nicht schauen. Ich bin kein Wahrsager“, so seine Antwort. Viele Fragen und Meinungsbeiträge stellen die Architektur des Gebäudes auf den Prüfstand: Das Pultdach sei ein Stilbruch und passe nicht in den Ortskern, das Gebäude sei mit 14 Metern zu hoch gegenüber der angrenzenden Bebauung. Die Kirche werde zugebaut.

Stimmungsbild per Handzeichen

Schließlich fordert Zuhörer Bernhard Jentner die Moderatorin auf, von den anwesenden Bürgern per Handzeichen ein Stimmungsbild zu erstellen. Gerhild Albes geht darauf ein, obwohl manche protestieren. Eine knappe Mehrheit pro Bebauung wie vorgeschlagen zeichnet sich ab, wie Bernhard Jentner selbst verkünden muss. Zuvor hatte er an den Gemeinderat appelliert, sich zu fragen, ob die jetzige Lösung für Gemeinde und Bürger in zehn Jahren noch sinnvoll sei.

Architekt Hansulrich Benz zeigt sich zum Ende der Veranstaltung frustriert: „Ich hab in meinem Leben noch nie so viel Kritik gehört wie heute. Das macht mir auch Sorge“, sagt er. „Die Frage ist, wie man mit so einem Prozess überhaupt noch bauen kann.“ Man müsse sich auf seine Ansprechpartner verlassen und das sei in diesem Fall der Gemeinderat. Etwas versöhnlicher fügt er hinzu: „Diese tieferliegende Fläche mit der alten Kirchenmauer gibt einen superschönen Platz.“

Gemeinderat Günter Stallecker, FWV, spricht für diejenigen, die schon lange an dem Thema dran sind. „Wir beschäftigen uns seit zehn Jahren mit dem Projekt. Wir sind jetzt in einer Phase, wo wir es endgültig verabschieden müssen.“ Gemeinderatsneuling Stefan Döttling, BI, leistet schließlich Schützenhilfe: „Von uns hat niemand behauptet, dass der bisherige Gemeinderat nur Mist gemacht hat. Wir wollten eine solche Veranstaltung, damit die Bürger umfassend informiert werden.“ Und Rätin Rita Boller (WM) ergänzt: „Uns ging es darum, die Meinung der Bürger einzuholen.“

Als Moderatorin Gerhild Albes nach drei Stunden die Fragerunde beendet, sind einige gelöste Mienen zu sehen, bei Bürgermeister Weisbrich, der geradezu fröhlich wirkt und zum bereitstehenden Imbiss einlädt, aber auch bei den Kritikern.

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