Mario Weisbrich möchte die Bürger noch besser informieren. Foto: Andreas Gorr

Seit zwei Jahren führt der Bürgermeister Mario Weisbrich im Wimsheimer Rathaus das Regiment. Seither hat er zusammen mit seinen Mitarbeitern schon einiges bewegt. An die neue Ortsmitte möchte der Schultes im kommenden Jahr einen Knopf dran machen.

Auf den ersten Blick mag die Heckengäugemeinde recht beschaulich wirken. Der Ausbau der Kinderbetreuung, die zügige Erschließung des Neubaugebietes oder die Sanierung der Ortsdurchfahrt – das Programm, dass der Wimsheimer Bürgermeister Mario Weisbrich fährt, ist tatsächlich aber durchaus ambitioniert. Im Sommerdialog mit der Leonberger Kreiszeitung spricht er unter anderem über Sorgenkinder, aktuelle Projekte und warum er sich um die demografische Entwicklung in seiner Gemeinde in naher Zukunft keine Sorgen macht.
Herr Weisbrich, in den vergangenen zwei Jahren haben Sie gemeinsam mit der Verwaltung viel angepackt, einige Projekte auch bereits zu Ende gebracht. Die neue Ortsmitte gehört aber nicht dazu. . .
An dieser Sache ist die Gemeinde schon seit 2003 dran, das stimmt. Wir haben in der Vergangenheit viel umgesetzt, beispielsweise die Erschließung des Baugebietes Frischegrund, den Neubau der Kinderkrippe oder den Austausch der Straßenbeleuchtung in energiesparende LED-Leuchten. Dadurch war die neue Ortsmitte in der Öffentlichkeit weniger präsent. Untätig sind wir aber nicht gewesen. Wir haben die Gebäude, die auf dem Gelände standen, aufgekauft und abgerissen. Dass sich seither augenscheinlich nicht mehr viel getan hat, ist richtig. Aber wir sind im Gespräch mit möglichen Investoren für das an die Ortsmitte angrenzende Wohn- und Geschäftsgebäude.

Wann ist mit dem Baubeginn zu rechnen?
Die neue Ortsmitte ist ein Projekt für 2013. Auch deshalb, weil wir sonst die Zuschüsse über das Landessanierungsprogramm nicht mehr bekommen. Es wäre schön, die Ortsmitte endlich fertigstellen zu können, da die Wimsheimer schon lange darauf warten.

Seit einigen Wochen ist ja das Neubaugebiet Frischegrund erschlossen. Tut sich dort schon was?
Und ob. Es ging schon wenige Tage später los. Die ersten beiden Baugruben wurden schon ausgehoben, und das erste Wohnhaus im Rohbau steht bereits.

Wer baut denn dort?
Zum einen natürlich Wimsheimer. Aber auch Menschen aus den Einzugsgebieten Stuttgart oder Karlsruhe. Bei uns können sie noch zu ganz anderen und vor allem günstigeren Bedingungen bauen. Zudem ist die Lage optimal, wir haben in der Nähe zwei Autobahnanschlussstellen. Hinzu kommt, dass wir eine breit aufgestellte Infrastruktur haben und gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden sind. Und obendrein sind unsere Beiträge für die Kinderbetreuung bezahlbar, und wir haben ein gutes Betreuungsangebot.

Rund fünf Hektar hat die EnBW im Frischegrund erschlossen. Wie geht es weiter, wenn das Bauland voll ist?
Dann wird wohl ein zweiter Bauabschnitt erschlossen werden. Ich denke, bis dahin werden aber noch etwa drei bis fünf Jahre vergehen.

Porsche erweitert sein Entwicklungszentrum bis auf die Gemarkung Mönsheim aus, Bosch ist in Malmsheim kräftig am Bauen – im Heckengäu und in der Umgebung tut sich einiges. Profitiert Wimsheim davon?
Auf jeden Fall. Den einen oder anderen Mitarbeiter von Porsche und Bosch zieht es mit seiner Familie hierher. Die Gründe habe ich ja eben bereits erwähnt. Und ich gehe davon aus, dass sich hier in den kommenden Jahren noch einiges tut.

In der Vergangenheit hat es immer wieder Diskussionen um den Bauwagen der Jugendlichen und Beschwerden wegen Lärm gegeben. Wie stehen die Dinge in dieser Angelegenheit?
Den Bauwagen als solchen gibt es ja nicht mehr. Auf der Suche nach einem geeigneten Standort sind wir nicht weiter gekommen. Und wir können ihn ja schließlich nicht einfach irgendwo hinstellen. Dann hat niemand mehr einen Blick drauf und keiner hat einen Einblick, was die Jugendlichen dort eigentlich machen.

Und wo können die jungen Leute jetzt hin?
In den Jugendraum im Alten Schulhaus. Wir haben uns mit den Jugendlichen auf einen festen Tag in der Woche geeinigt, an dem sie sich dort treffen können und das ist der Freitag. Sie nehmen den Jugendraum als Aufenthaltsort gut an, es ist eigentlich immer etwas los. Es kommen auch ab und an Jugendliche aus den Nachbargemeinden hierher zu uns.

Wer kümmert sich darum, dass dort alles glatt läuft?
Die Jugendlichen selbst, sie haben den Schlüssel für den Raum. Sie sind dafür verantwortlich, dass nichts passiert und dass der Jugendraum wieder sauber verlassen wird. Ihre Aufgabe ist es auch, dass es draußen rund um den Kirchplatz ordentlich aussieht.

Funktioniert das denn?
Soweit schon. Es gibt ein paar, die sich engagieren und sauber machen. Allerdings lässt das Engagement zeitweise etwas nach. Momentan fehlt so ein bisschen der direkte Kontakt zwischen der Gemeindeverwaltung und den Jugendlichen. Bislang war unser Jugendpfleger Nils Latschinske das Bindeglied. Seit er nicht mehr da ist, bekommen wir vom Kreisjugendreferent Guido Seitz Unterstützung. Uns ist halt wichtig, dass die Jugendlichen keinen harten Alkohol trinken und nicht randalieren.

Wer überprüft das?
Wie eben erwähnt, wir selbst und auch der Kreisjugendreferent. Außerdem gibt es ja die Citystreife, die auch bei uns in der Gemeinde nach dem Rechten sieht. Mittels einer Hausordnung hat diese im Jugendraum Hausrecht und kann davon auch Gebrauch machen. Eltern von Jugendlichen, die bei der Citystreife auffällig geworden sind, schreiben wir einen Brief. Darin erläutern wir den Sachverhalt und bitten sie, mit ihren Kindern über die Situation zu sprechen.

Die Gemeinde hat das Betreuungsangebot für Kinder kräftig aufgestockt. Dabei haben Sie dann auch die Beiträge erhöht, was einige empörte Eltern auf den Plan gerufen hat?
Das stimmt, da hat es einige Proteste gegeben. Ich kann die Eltern auch irgendwo verstehen. Ihnen wurde von Bundes- und Landespolitik lange was von toller Kinderbetreuung quasi zum Nulltarif erzählt. Allerdings ist das Angebot in den vergangenen Jahren erweitert worden. Die Anforderungen an die Einrichtungen sind gestiegen. Die Kinder brauchen mehr Platz, in den Einrichtungen müssen weitere Räume zur Verfügung stehen. Wir haben dafür eine neue Kinderkrippe gebaut. Und bei all dem lautet die Empfehlung der beteiligten Verbände: 20 Prozent der Kosten sollen durch die Elternbeiträge getragen werden, den Rest zahlt die Gemeinde. Uns ist nichts anderes übrig geblieben, als die Elternbeiträge zu erhöhen.

Nutzen denn die Wimsheimer Eltern das Betreuungsangebot für die Kinder unter drei Jahren?
Auf jeden Fall. Bis Mai 2013 sind alle zehn Krippenplätze belegt. Wir hätten auch noch mehr Kapazitäten. Aber da der alte Kindergarten saniert werden muss, ziehen die Kindergartengruppen vorerst in die freien Räume in der Kinderkrippe um.

Kommen wir, im wahrsten Sinne des Wortes, zu einer Baustelle, der Ortsdurchfahrt. Durch Wimsheim zu fahren ist derzeit gar nicht so einfach. Wie gehen denn die Arbeiten voran?
Gut. Die Friolzheimer Straße ist inzwischen fertig. Ich muss sagen, es ist gut geworden. Gerade an den Stellen, wo immer die Pfützen standen. Hier kann jetzt das Wasser ablaufen. In drei, vier Wochen ist dann auch die Ortsdurchfahrt nach Wurmberg fertig. In der Wurmberger Straße müssen noch die Pflasterstreifen gemacht werden. Hier sind die Arbeiten wesentlich aufwendiger, die Straße war in einem schlechten Zustand.

Ist dann Schluss mit der Buckelpiste durch den Ort?
Zumindest an diesen Stellen.

Nach den Unwettern Anfang Juli hat sich in der Kanalstraße und in der Mönsheimer Straße die Fahrbahn gehoben. Wissen Sie mittlerweile, warum?
Ehrlich gesagt wissen wir immer noch nicht, was passiert ist. Wir haben unser Regenrückhaltebecken untersucht, es funktioniert ordnungsgemäß. Das war also nicht die Ursache. Und auch die Kanäle im Frischegrund sind in Ordnung. Wir werden nach den Ferien ein Ingenieurbüro beauftragen, das der Ursache auf den Grund geht und die Regenüberlaufbecken, die in diesem Bereich ihren Dienst tun sollen, überprüfen.

Wer trägt die Kosten hierfür und vor allem dann für die Reparaturen?
Das ist noch nicht raus. Das hängt davon ab, wo die Schadensursache letzten Endes tatsächlich liegt. Wir haben die Straße erst einmal provisorisch gerichtet, und dann werden wir weitersehen.

Momentan boomt der Immobilienmarkt. Die Menschen investieren und bauen, bevor sie ihr Geld in Aktien oder Wertpapieren anlegen. Auch hier?
Ja. Ich denke, dass die demografischen Entwicklungen Wimsheim später treffen werden, weil in den nächsten Jahren noch mehr Menschen hierher ziehen werden. Darunter werden mit Sicherheit auch Porsche- und Boschmitarbeiter sein. Aber auch junge Familien aus dem Umland. Denn wie vorher schon erwähnt: hier in Wimsheim stimmt das Preisniveau, wir haben eine hervorragende Kinderbetreuung und eine gute Infrastruktur. Außerdem birgt gerade die Ortsmitte viel Potenzial. Ich denke da beispielsweise an die alten Fachwerkhäuser an der Durchgangsstraße. Auf den ersten Blick wird diese Lage allerdings nicht als attraktiv angesehen.

Warum sollten die Leute dann investieren?
Zum einen, weil es drinnen in den Häusern meist schon ganz anders aussieht. Außerdem haben viele der Häuser große Grundstücke mit schönen Gärten abseits der Durchgangsstraße. Zudem gibt es für die Sanierung solcher Altbauten Förderungen über das Landessanierungsprogramm.

Seit gut zwei Jahren sind Sie der Chef im Wimsheimer Rathaus. Macht die Arbeit immer noch Spaß?
Ja. Die öffentliche Verwaltung ist wirklich ein schönes Geschäft. Und das Team im Rathaus ist toll. Jeder Tag ist anders, die Aufgabenbereiche sind vielfältig und unterschiedlich. Ich finde es schön, den direkten Kontakt zu den Bürgern zu haben und spannend, die Rahmenbedingungen der Gemeinde mitzugestalten. Klar ist es nicht immer einfach. In einer Gemeinde gibt es viele verschiedene Interessen, die es auszugleichen gilt.

Welche Pläne haben Sie für die kommenden sechs Jahre?
Allen voran die Ortsmitte unter Dach und Fach zu bekommen. Dann aber auch ganz profane Dinge wie die Erhaltung der Substanz. Die Unterhaltung der Infrastruktur wird in der Öffentlichkeit zwar nicht immer wahrgenommen, wird zukünftig aber unseren Haushalt wesentlich bestimmen. Unsere öffentlichen Gebäude wie das Rathaus, die Schule, die Hagenschießhalle oder auch irgendwann einmal die Kinderkrippe müssen unterhalten und an der einen oder anderen Stelle sicherlich saniert werden. Das Geschäft wird uns nicht ausgehen. Eine Gemeinde ist ein dynamischer Prozess. Außerdem möchten wir in Zukunft versuchen, die Bürger noch besser über die laufenden Geschehnisse im Ort, wie Bauprojekte oder Sanierungen, zu informieren.
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