Damen unter sich: Baumfachwart Springer zeigt ihnen den richtigen Schnitt.F Foto: Andreas Gorr

Der Baumfachwart Werner Springer zeigt einer munteren Damenrunde, wie man Bäume und Sträucher richtet beschneidet. Dieses Angebot nur für Frauen macht der Obst- und Gartenbauverein Wimsheim-Friolzheim bereits seit zehn Jahren.

Wimsheim - Jetzt hab ich wenigstens mal gesehen, wie so etwas aussieht. Nun schau ich mal bei mir daheim“, sagt eine der elf Frauen, als bei Früchtebrot und Glühwein der Damenschnittkurs zu Ende geht. Fast drei Stunden lang haben sich die Gartenbesitzerinnen aus Wimsheim und Umgebung auf Renate Baehrs Grundstück am Ortsrand demonstrieren lassen, wie sie ihren Büschen und Bäumen den richtigen Schnitt verpassen können.

Das Wetter könnte nicht besser sein für die fröhliche Gärtnerinnen-Runde, die sich bei strahlendem Sonnenschein und milden Temperaturen trifft. Eingeladen hatte der Obst- und Gartenbauverein Wimsheim/Friolzheim. Dessen Vorsitzende Luise Pachaly ist mit von der Partie, als Baumfachwart Werner Springer zur Schere greift. „Er weiß viel und kann es auch noch gut erklären“, sagt Pachaly, die studierte Landwirtin ist und beim Landkreis Ludwigsburg den Fachbereich Landwirtschaft leitet.

Seit zehn Jahren Kurs nur für Frauen

Seit rund zehn Jahren gibt es diesen Schnittkurs speziell für Frauen. „Die Damen kommen bei jedem Wetter“, sagt Luise Pachaly. „Und sie halten selbst bei Kälte und Regen lange durch. Und“, so ergänzt sie, „sie stellen auch viel mehr Fragen“ – als Männer, schwingt unterschwellig mit. Eine Teilnehmerin ruft in die Runde: „Männer wissen doch eh alles!“ Ein mehrstimmiges Lachen ist die Antwort. Werner Springer weiß, was Frauen wollen – Fliederblüten an langen Zweigen für die Bodenvase etwa. Zum Fliederbusch im Garten von Renate Baehr sagt er: „Das ist alles viel zu viel. Hier gehört kräftig rausgeputzt.“ Spricht’s und greift zur Schere. „Immer einen schrägen Schnitt machen, damit das Wasser ablaufen kann“, rät Springer, der bis zur Rente als Werkzeugmachermeister arbeitete. Man könne Flieder bis auf 80 Zentimeter runterschneiden. Licht sei das A und O, damit der Busch von unten nachwachse. Auch sollten die Blütenstände nach dem Verblühen abgeschnitten werden. „Fang ruhig an“, sagt Renate Baehr und holt einen Behälter für den Schnitt.

„Am Flieder dürft ihr keine Angst haben, aber an anderem Zeug auch nicht.“ Das demonstriert Springer noch an einem Schmetterlingsflieder, einer Weigelie und einem Bartblumenstrauch. Gastgeberin Baehr strahlt zufrieden: „Für die Büsche bin nämlich ich zuständig.“ Ihr Mann kümmere sich um die Bäume – eine Arbeitsteilung, wie sie wohl in vielen Gärten vorkommt, stimmen die Teilnehmerinnen zu.

„Wo ich deutlich mehr wegschneide als bei den anderen Büschen, ist bei den Rosen“, sagt eine Hobbygärtnerin. Dies führt in der Runde zu der Frage, wann denn der richtige Zeitpunkt für das gärtnerische Wirken mit Schere und Säge ist. „Rosen kann man schneiden, wenn die Forsythien blühen“, sagt Landwirtschaftsexpertin Pachaly. Sie hat nicht nur ein Gespür für die Flora, sondern auch für die Fauna. Denn ihr Hobby ist es, in der Mönsheimer Schäfereigemeinschaft einige Dutzend Schafe zu halten. „Wenn ihr nicht so viel zu schneiden habt, dann macht es in Richtung Frühjahr“, fügt Werner Springer hinzu. Dann seien die Pflanzen schon besser im Saft und der Schnitt verheile besser. Grundsätzlich aber solle man nichts schieben, meint er, sondern „mit dem Wetter gehen“.

Der Weg zur Drei-Ast-Krone

Also auch an diesem milden Tag am Jahresende, an dem jetzt die Beerensträucher dran sind. „Am besten ist die Drei-Ast-Krone“, sagt Springer und demonstriert, was er damit meint. „Wenn ihr im Sommer seht, dass die Zweige zu dicht stehen, schneidet sie weg“, empfiehlt er den Damen. „Ihr verkratzt euch beim Ernten sonst nur die Hände.“ Ganz tiefe Triebe sollten ebenfalls frühzeitig beseitigt werden. „Ihr müsst sonst auf dem Boden liegen, um die Beeren zu ernten.“

Inzwischen hat sich die Sonne verabschiedet. Doch bevor es zum wärmenden Glühwein geht, zeigt Springer der Gastgeberin noch, wie die Zwetschgen- und Apfelbäume so geschnitten werden, dass sie „eine schöne Saftwaage haben“.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: