Bei der Neubürger-Begrüßung im Stuttgarter Süden zeigte das Improvisationstheater Die Maßschneiderei“unter anderem, was es mit der Kehrwoche auf sich hat. Foto: Sascha Schmierer

Der Bezirk will eine neue Willkommenskultur etablieren und zelebrierte diese erstmals am Wochenende. Auf dem Marienplatz fand am Samstag zum ersten Mal ein Fest für alle Neubürger im Süden statt, am Sonntag im Alten Feuerwehrhaus für die Flüchtlinge.

S-Süd - Verwendet wird das schöne Wort von der Willkommenskultur in jüngster Zeit vor allem als Appell an die Bürger, den vor Krieg, Hunger und Not nach Deutschland fliehenden Menschen einen warmherzigen Empfang zu bieten. Der Freundeskreis Flüchtlinge hat in diesem Sinne am Sonntag im alten Feuerwehrhaus am Erwin-Schoettle-Platz eine Feier für im Stuttgarter Süden untergebrachte Asylbewerber ausgerichtet. Ein Projektchor stimmte dazu passend den Benefiz-Klassiker „We are the world“ an.

Willkommen sind alle im Süden

Breiter gefasst war die Zielgruppe bei einer Veranstaltung, bei der am Samstag ebenfalls von einer herzlichen Willkommenskultur die Rede war – und die sich nicht nur an Flüchtlinge, sondern an alle neuen Bürger des Stadtbezirks richtete. „Wir heißen Sie willkommen und wollen, dass Sie sich bei uns wohlfühlen – egal, ob Sie nun aus Hamburg, aus Hedelfingen oder Hydarabad kommen“, rief der Bezirksvorsteher Raiko Grieb auf dem Marienplatz den Neuankömmlingen zu.

Für den im vergangenen Jahr gewählten Sozialdemokraten geben die frisch nach Heslach oder Kaltental, nach Südheim oder die Stadtteile Bopser, Weinsteige, Lehen und Karlshöhe ziehenden Menschen dem Stadtbezirk im Süden erst seinen unverwechselbaren und lebendigen Charakter. Aus seiner Sicht sollen sich Neubürger schnell wohlfühlen und sich in lebendigen Nachbarschaften wiederfinden. Die ehrenamtlichen Helfer im Quartiersprojekt „Heslach im Blick“ rannten bei Grieb deshalb auch offene Türen ein, als sie mit der Idee der Neubürgerbegrüßung beim Bezirksvorsteher anklopften.

Ungewöhnliche Idee im Süden

Dabei ist diese Art der Willkommenskultur für Stuttgart eher ungewöhnlich. Auch für den Süden war es die erste Feier dieser Art – obwohl nicht zuletzt wegen vieler im Stadtbezirk wohnender Studenten ein reges Kommen und Gehen herrscht. Mehr als 8000 Menschen ziehen jährlich neu in den Süden, das sind bei einer Bevölkerung von 43 000 fast 20 Prozent. „Wir wollen, dass die Leute länger bleiben“, sagte Grieb und wies auf eine druckfrische Broschüre hin, in der sich der Stadtbezirk mit den Begriffen „urban, lebenswert und naturnah“ vorstellt. Umrahmt wurde die an den Martinimarkt angedockte Bürgerbegrüßung, an der auch Bürgermeister Werner Wölfle (Grüne) teilnahm, unter anderem von der Kindertanzgruppe des deutsch-albanischen Vereins Pavaresia und Pantomimen-Tanz. Außerdem traten Underground Soul Cypher mit Breakdance auf, das Improvisationstheater Die Maßschneiderei klärte auf Zuruf der Gäste nicht nur über die Kehrwoche auf, sondern griff auch das Thema neue Downhillstrecke für Mountainbiker auf. Im Gepäck hatte Grieb auch eine „Willkommenstasche“, in der ein Flyer mit den wichtigsten Adressen und gelbe Säcke zu finden waren. „Das braucht einfach jeder – und zwar sofort“, sagte der Bezirksvorsteher.

Willkommen mit Musik und Essen aus aller Welt

Den nächsten Auftritt bei einer Willkommensfeier hatte Raiko Grieb nur einen Tag später: Beim Fest des Freundeskreises Flüchtlinge im alten Feuerwehrhaus ließ sich der Bezirksvorsteher eine persönliche Ansprache nicht nehmen. Ans Mikrofon traten auch junge Bewohner des Flüchtlingsheims, um von ihrer oft abenteuerlichen Flucht zu berichten. Auf der Bühne gab es außerdem Musik aus Eritrea und den Wortkünstler Timo Brunke zu hören, die Musiker der Band Kuballa packten ihre Gitarren aus. Während der Freundeskreis auf der Empore eine Kinderbetreuung organisiert hatte, wurden an der Kuchenausgabe auch gleich Unterschriften für einen Abschiebestopp über die Wintermonate gesammelt. Auch ans Abendessen war gedacht – neben typischen Spezialitäten aus Afrika und dem Nahen Osten wurden Käsespätzle serviert.

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