William Shakespeare ist weltweit einer der bekanntesten Poeten. Doch offenbar hat er nicht alle seine Werke alleine geschrieben. Foto: imago stock&people

William Shakespeare hat wohl nicht alle seine Werke alleine verfasst. Ein tschechischer Forscher hat mit Hilfe von künstlicher Intelligenz herausgefunden, dass der Poet bei mindestens einem Stück einen Ghostwriter hatte.

Stuttgart - Mit seinen Dramen prägte William Shakespeare die Weltliteratur. Bis heute werden Klassiker wie „Romeo und Julia“, „Macbeth“ und „Hamlet“ in Theatern aufgeführt, fürs Kino verfilmt und im Schulunterricht behandelt. Doch offenbar gebührt der Ruhm nicht Shakespeare alleine: Bei mindestens einem Stück hatte der berühmte Dichter die Hilfe eines Co-Autors. Das zumindest behauptet der tschechische Wissenschaftler Petr Plechac.

Mit einer Texterkennungssoftware auf Basis künstlicher Intelligenz (KI) hatte der Forscher das Drama „Heinrich VIII.“ durchforstet, das auf dem Leben des gleichnamigen englischen Königs basiert und Shakespeare als Autor zugeordnet wird. Dabei kam heraus, dass lediglich etwa die Hälfte des Stücks aus der Feder von Shakespeare stammt. Der andere Teil soll vom heute weniger bekannten Dramatiker John Fletcher verfasst worden sein.

Co-Autor wird schon seit 19. Jahrhundert vermutet

Schon seit dem 19. Jahrhundert versuchen Literaturwissenschaftler nachzuweisen, dass Fletcher als Ghostwriter bei „Heinrich VIII.“ mitgeholfen hat. Petr Plechac will nun den endgültigen Beleg mit seiner Recherche gefunden haben . Er schreibt im Fazit seines Berichts: „Wir können also mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass H8 ein Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen William Shakespeare und John Fletcher ist.“

Die KI-Software ordnete Shakespeare sieben Szenen zu, während Fletcher fünf Szenen verfasst haben soll. Die beiden Schriftsteller sollen sich nach jeweils ein paar Szenen abgewechselt haben mit dem Schreiben.

Petr Plechac geht davon aus, dass seine Software eine Genauigkeit von 99,77 Prozent erreicht. Um zu überprüfen, ob seine Software funktioniert, hatte der Forscher zunächst vier Shakespeare-Werke überprüft wie „Coriolanus“ und „Das Wintermärchen“, die eindeutig Shakespeare zugeordnet wurden. Auch vier Werke von Fletcher hatte die Software gescannt und festgestellt, dass Fletcher der alleinige Autor ist.

Die Analyse basierte auf insgesamt 30 Prüfmodellen, mit denen die Software trainiert worden war. Die KI durchsuchte den Text unter anderem nach häufig benutzten Wörtern, typischen Satzlängen und beliebten Rhythmikmustern der beiden Poeten.

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