Gedenken an die Opfer des Flugs MH17: Máxima und Willem-Alexander der Niederlande. Foto: dpa

Vor knapp vier Monaten stürzte die Malaysia-Airlines-Maschine MH17 über der Ukraine ab. Vermutlich wurde das Flugzeug von einer Rakete getroffen. Jetzt gedachte die niederländische Königsfamilie zusammen mit den Hinterbliebenen der Opfer.

Amsterdam - Mit einer emotionalen Gedenkfeier haben die Niederlande der 298 Opfer des Anschlages auf die malaysische Passagiermaschine MH17 in der Ostukraine gedacht. Im Beisein der königlichen Familie und von Mitgliedern der Regierung erinnerten am Montag in Amsterdam rund 1600 Hinterbliebene an die Toten und ehrten sie mit einer Schweigeminute.

An der Feier nahmen auch Angehörige aus anderen Herkunftsländern der Opfer sowie Botschafter teil. Die Maschine der Malaysia Airlines war am 17. Juli auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur vermutlich von einer Rakete abgeschossen worden. Die meisten Opfer kamen aus den Niederlanden.

Zum ersten Mal seit der Tragödie sprachen Angehörige öffentlich von ihrem Verlust und erinnerten in kurzen Reden und Gedichten an ihre Liebsten. In der live im niederländischen Fernsehen ausgestrahlten Feier im Amsterdamer Kongresszentrum Rai verlasen sie die Namen und das Alter aller Opfer, darunter viele Kinder. Ganze Familien waren mit dem Flug MH17 in die Ferien aufgebrochen.

„Aus einem sorglosen Aufwiedersehen wurde ein abrupter Abschied für immer“, sagte Ministerpräsident Mark Rutte. Er sprach den Angehörigen im Namen des Landes sein Mitgefühl aus. „Gemeinsam sind wir entsetzt, gemeinsam sind wir wütend, gemeinsam sind wir still.“ Im ganzen Land waren die Flaggen auf halbmast gesenkt worden.

Anton Kotte sprach über den Verlust seines Sohnes Oscar, seiner Schwiegertochter Miranda und seines Enkels Remko. „Wir fühlen uns amputiert.“ Die Hinterbliebenen seien in einem „Horror-Szenario voll Ohnmacht, Wut und Unverständnis gelandet.“ Bis heute seien ihre Fragen über Ursachen und Schuldige nicht beantwortet, sagte Kotte.

Unklar ist, ob alle Opfer geborgen wurden

„Warum?“ hieß das Gedicht, das Paul Marckelbach geschrieben hatte. Er hatte seine Mutter, Schwester und deren Kinder verloren. Die 17-jährige Suze Ann dankte allen Hilfskräften und der Bevölkerung in den Dörfern bei der Absturzstelle, die Leichen und persönliches Eigentum geborgen hatten. „Dabei waren sie auch traumatisiert“, sagte das Mädchen, dessen Mutter und Vater getötet worden waren.

Die 13-jährige Gita Wiegel beschrieb ihre Trauer um ihre Mutter. „Im Innern bin ich kaputt, doch ich lebe weiter, weil sie das gewollt hätte.“ Sie verlas auch die letzte SMS ihrer Mutter aus dem Flugzeug: „Bis in vier Wochen, Schätzchen. Pass gut auf dich auf.“

Angehörige trugen weisse Armbänder mit der Aufschrift „Ich werde dich nie vergessen“. In der Mitte der Halle hatten sie für jedes Opfer eine Kerze angezündet. Kinder legten Blumen nieder. Bekannte niederländische Musiker sangen und spielten Trauermusik. An einer Wand wurden Fotos projiziert.

König Willem-Alexander und seine Frau Máxima hatten mitten im Saal zwischen den Familien Platz genommen und waren sichtlich von den persönlichen Berichten gerührt. Sie kamen anschließend mit den Hinterbliebenen zu persönlichen Gesprächen zusammen. 9 der 298 Opfer konnten noch nicht identifiziert werden. Erst am Samstag waren erneut fünf Särge mit menschlichen Überresten aus der Ukraine ins niederländische Eindhoven ausgeflogen worden. Unklar ist, ob alle Opfer geborgen wurden.

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