Die Bahnsteige sollen Richtung Eisenbahnbrücke verlängert werden. Foto: Annina Baur

In einigen Monaten sollen am BAd Cannstatter Wilhelmsplatz 80 Meter lange Stadtbahnen halten können. Dies ist zunächst vor allem eine Sicherheitsmaßnahme für Veranstaltungen auf dem Wasen – langfristig sollen aber auch die regulären Stadtbahnlinien mit längeren Zügen fahren.

Bad Cannstatt - Der Wilhelmsplatz ist den meisten Cannstattern ob seines Aussehens ein Dorn im Auge. Allerdings ist und bleibt er der wohl wichtigste Verkehrsknoten im Stadtbezirk, nicht nur für Autofahrer und Fußgänger, sondern auch für alle Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs. Stadtbahnen und Busse treffen hier aufeinander, auch zur S-Bahn kann man umsteigen. Vor allem die Stadtbahnlinien, die dort verkehren, sind mehr als ausgelastet: Zwischen Oktober und April verkehrte zusätzlich die U 19 zwischen Neugereut und Neckarpark, um die U 2 (Neugereut–Botnang) zu entlasten. Zwar ist wegen Personalmangels vorerst Schluss, doch von Oktober an soll die U 19 wieder fahren.

Über zu den Hauptverkehrszeiten chronisch überfüllte Bahnen klagen allerdings auch Fahrgäste der Linie U 1 zwischen Fellbach und Vaihingen. Hier ist vorerst keine Abhilfe in Sicht – langfristig allerdings schon. Die Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) wollen auf dieser Linie lange Züge verkehren lassen, „allerdings erst nach 2020“, sagt Hans-Joachim Knupfer.

Fahrspuren werden gesperrt

Zunächst müssen dafür nämlich sämtliche Haltestellen so umgebaut werden, dass 80 statt bisher 40 Meter lange Züge halten können, und das ist an einigen Stellen ein kniffliges und kostspieliges Unterfangen. Der Wilhelmsplatz in Bad Cannstatt ist eine der ersten Haltestellen entlang der Strecke, die vergrößert wird. Grund für den Umbau ist zunächst vor allem die Sicherheit. Im Ernstfall sollen Besucher vom Wasen schneller abtransportiert werden können, weil nach einem entsprechenden Umbau 80 Meter lange Züge der Stadtbahnlinie U 11 auch über Bad Cannstatt und nicht nur in Richtung Innenstadt Menschen transportieren können. Nicht zuletzt gibt es bei der SSB den Wunsch, die Linie U 19 bei Veranstaltungen mit langen Zügen fahren zu lassen. Am 22. Mai beginnen die notwendigen Bauarbeiten. „Zunächst wird an den Gleisen und Weichen gearbeitet“, sagt Knupfer. Diese werden erneuert.

Das werden auch die Autofahrer zu spüren bekommen: Immer auf der Seite, auf der gearbeitet wird, muss eine Fahrspur gesperrt werden. „Anfang Juni beginnen dann die Arbeiten zur Verlängerung des Bahnsteigs“, erklärt Knupfer. Die Bahnsteige an der Haltestelle Wilhelmsplatz werden in Richtung Eisenbahnbrücke verlängert, sodass künftig auch 80-Meter-Züge halten können. Dafür muss unter anderem der Fußgängerüberweg an der Eisenbahnstraße verlegt werden, was den Grünen, der SPD und der Fraktionsgemeinschaft SÖS-Linke-Plus im Gemeinderat gar nicht gefällt: „Die Planungen sehen vor, beim Bahnsteig stadteinwärts die behindertengerechte Rampe in Richtung Eisenbahnstraße abzubauen und stattdessen den Bahnsteig auf einer Höhe weiter zuführen und mit einem Treppenabgang zu versehen. Die Situation der Fußgänger verschlechtert sich dadurch massiv, da der barrierefreie Übergang zur Eisenbahnstraße entfällt“, kritisieren sie und fordern: „Alternativ zur bisherigen Planung möchten wir einen fahrgastfreundlichen Umbau des Bahnsteigs stadteinwärts untersucht haben.“

Umbau kostet 1,5 Millionen Euro

Der Antrag wird allerdings ins Leere laufen: „Die Pläne waren bereits öffentlich ausgelegt und haben die öffentlichen Gremien durchlaufen, in denen ihnen zugestimmt wurde“, sagt Knupfer. Die Aufträge seien vergeben und der Baubeginn definitiv für den 22. Mai geplant. Um Platz für die Verlängerung der Bahnsteige zu schaffen, sollen die Rampen in Richtung Stuttgarter Innenstadt durch Treppen ersetzt werden, die Z-Überwege für Fußgänger in dieser Richtung werden leicht versetzt und etwas schmaler. Rund 1,5 Millionen soll der Umbau kosten und nach den Sommerferien fertig werden – denn dann steht nicht nur das Cannstatter Volksfest bevor, sondern von Oktober an soll auch die U 19 wieder zwischen Neugereut und Neckarpark fahren. „Je mehr Bahnen die Haltestelle anfahren, umso schwieriger sind Bauarbeiten durchzuführen“, erklärt Joachim Knupfer.

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