Die ungewöhnliche Führung ging mitten durch den Orchestergraben. Foto: Annina Baur

In die Katakomben des Wilhelma-Theaters konnten die Teilnehmer einer besonderen Führung hinabsteigen und haben dabei allerlei Interessantes über die wechselvolle Geschichte von Stuttgarts ältestem erhaltenem Theater erfahren.

Bad Cannstatt - Als Mike Mack die große Spiegeltür im Foyer des Wilhelma-Theaters öffnete, staunten seine Zuhörer nicht schlecht. Kaum einer hätte dahinter die moderne Anlage vermutet, mit der die Licht- und Tontechnik gesteuert wird. Heutzutage ist die gut versteckte Kabine, die dennoch optimale Sicht auf die Bühne bietet, aber nicht mehr zwangsläufig nötig: „Im Zeitalter von Tablet-PCs kann dies auch mitten im Zuschauerraum unauffällig erledigt werden“, sagte Mack. Er führte am vergangenen Freitag gut zwei Dutzend Interessierte durch Stuttgarts ältestes erhaltenes Theater. Zu der Führung hinter die Kulissen hatte der SPD-Ortsverein Bad Cannstatt eingeladen.

Viel mehr Teilnehmer hätten es auch nicht sein dürfen: In den Gängen unter der Bühne, den Lagerräumen, Umkleiden und dem Orchestergraben geht es eng zu. „Das Wilhelma-Theater hatte ursprünglich nur Sammelumkleiden“, erzählte Mack. Erst seit kurzem gibt es neben den Büroräumen hinter der Königsloge eine kleine VIP-Umkleide, in der Stars ein wenig Raum für sich und eine eigene Dusche haben.

Bühne für die Stars von morgen

Meistens treten im Wilhelma-Theater jedoch sowieso die Stars von morgen auf: Das Theater ist das Lehr- und Lerntheater der Staatlichen Hochschule für Musik und Bildende Kunst, regelmäßig sind aber zum Beispiel auch Backblech oder Richy Müller zu Gast in Bad Cannstatt, im vergangenen Jahr hatte Ingrid van Bergen einige Auftritte am Neckar.

Dass dies überhaupt noch möglich ist, ist keinesfalls selbstverständlich: „In den 70er Jahren wurde immer wieder überlegt, das Gebäude abzureißen.“ Einst als Sommertheater von König Wilhelm I für sich und die Bürger erbaut, hatte das Wilhelma-Theater überhaupt eine wechselvolle Geschichte: „Im Ersten Weltkrieg wurde es als Waffen- und Munitionslager genutzt und 1949 richteten die Amerikaner in dem Gebäude ein Kino ein“, sagte Mack. Bis 1962 bestand das Kino am Neckar, nach seiner Schließung wurden Fenster und Türen zugemauert, um Vagabunden fernzuhalten. Erst Ende der 80er Jahre wurde das Wilhelma-Theater für 22 Millionen Euro saniert und wieder als Theater genutzt.

Unterirdische Gänge führen in die Wilhelma

350 Sitzplätze gibt es heute, die fast alle eine gute Sicht auf die Bühne bieten, auf der die Teilnehmer der Führung natürlich auch ein paar Schritte wagen durften. „Diese Klappe zum Beispiel“, zeigte Mack eine in den Boden eingelassene Luke, „führt in die Herrensammelumkleide. Aus diesen unterirdischen Katakomben wiederum könnte man theoretisch ohne ans Tageslicht zu gehen sogar bis in den Bierkeller der Wilhelma laufen. „Früher einmal soll es sogar einen Gang ins Krokodilhaus gegeben haben“, sagte Mack schmunzelnd.

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