Schabrackentapir-Mutter Maya hat den Tod ihres Kalbs verkraftet. Jetzt gibt es Hoffnung auf eine erneute Schwangerschaft. Foto: Lichtgut/Zophia Ewska

Nach dem Tod des Schabrackentapir-Kalbes Mahsuri Ende Juli schöpft der Wilhelma-Direktor Thomas Kölpin Hoffnung, dass Mutter Maya wieder schwanger ist.

Ende Juli ist das Schabrackentapir-Kalb Mahsuri in der Wilhelma gestorben. Seit 1979 war es das erste Jungtier dieser Art in dem Zoo, deshalb ist die Trauer groß, auch bei Kurator und Zoodirektor Thomas Kölpin. Doch er hofft auf weiteren Nachwuchs bei den Tapiren. Die Tierart ist ihm wichtig, weil sie sehr bedroht ist. Kölpin hatte 2018/19 die Schabrackentapire Penang und May von Zoos aus Rotterdam und Schottland in die Wilhelma geholt. Sie sind die Eltern von Mahsuri, die am 1. August 2022 in dem Stuttgarter Zoo geboren worden war.

 

Weil Schabrackentapire eine sehr bedrohte Tierart sind, sind sie Teil des Europäischen Zuchtprogramms (EEP), das der Zoo Nürnberg koordiniert. „Zurzeit leben rund 50 Tiere in Europa“, sagt Kölpin. Ursprünglich stammen die Schabrackentapire aus Malaysia und Thailand und von den indonesischen Inseln. Sie leben in Regenwald-Gebieten. Durch die Zerstörung der Regenwälder gebe es allerdings immer weniger zusammenhängende Gebiete. „Umso wichtiger ist deshalb heute die Nachzucht“, sagt Kölpin.

Mahsuri sollte an einen Zoo nach Paris gehen

Mit Mahsuri, deren Name soviel bedeutet wie „Große Königin“, habe es leider nicht geklappt. „Sie sollte eigentlich an einen Zoo nach Paris gehen“, sagt Kölpin. Doch sie ist vor fast vier Wochen an einer Lungenentzündung gestorben. Und die zog sie sich in Folge einer Fußverletzung zu. „Sie hatte einen Bruch im Zeh“, erklärt der Kurator. Das sei tragisch gewesen, denn sie habe auch einen Bruch im anderen Bein gehabt. Im gebrochenen Knochen habe es eine Entzündung gegeben, die sich wie eine Blutvergiftung auch auf andere Organe ausgewirkt habe. Drei Wochen habe das Tier ums Überleben gekämpft.

Das Schwierige bei Wildtieren sei, dass sie nicht richtig zeigten, wenn es ihnen schlecht gehe. Denn in freier Wildbahn werden sie möglicherweise sonst von einem Raubtier gefressen: Leoparden oder Tiger. „Deshalb versuchen sie ihre Probleme zu verstecken.“ Dies sei auch bei anderen Wildtieren so. Mutter Maya habe den Tod ihres Kalbes soweit gut verkraftet, berichtet der Wilhelma-Direktor. Den Tod habe sie mitbekommen, denn ihr Kalb war über Nacht im gemeinsamen Gehege gestorben. Die ersten Tage sei sie „durch den Wind“ gewesen, habe sich anders verhalten als sonst, nicht gefressen, sei suchend und nervös gewesen. Nach ein, zwei Tagen sei es vorbei gewesen. „Tapire trauern nicht so lange, weil sie sonst in freier Wildbahn bedroht wären. Ihre Feinde sind Leoparden, Hyänen oder Tiger“, erklärt Kölpin.

Penang hat Maya schon wieder gedeckt

Mahsuri war das erste Jungtier des Tapir-Paars in der Wilhelma. Vater Penang sei etwa sieben Jahre alt, Mutter Maya etwa fünf Jahre. Tapire können 25 bis 30 Jahre alt werden. Maya sei eine junge Mutter gewesen. „Jetzt hat sie gelernt, ein Junges aufzuziehen“, sagt Kölpin. Im Alter von zwei Jahren werden die Tiere geschlechtsreif. Maya und Penang verstehen sich gut. Wenn sie einander zurufen, werden sie zusammengebracht, sonst befinden sie sich in getrennten Gehegen. In der Natur sind Tapire Einzelgänger.

Kölpin ist guter Dinge, dass die Zucht in der Wilhelma weitergeht. Denn Penang habe Maya schon wieder gedeckt. So gebe es die Hoffnung auf weiteren Nachwuchs vielleicht in 13 Monaten. So lange ist die Tragezeit.

Tapire sind Unpaarhufer mit drei Zehen

Tapire seien faszinierend, findet Kurator Kölpin. Nicht nur, weil sie mit ihren drei Zehen zu den Unpaarhufern gehören. Ihr Rüssel sei ein komplexes Organ – ein Tast-, Greif- und Riechorgan zugleich. Die Tiere seien Relikte aus einer früheren Säugetierepoche und waren ursprünglich in Mittel-, Südamerika und Südostasien verbreitet.

Die hiesigen Tapire sind tropisch beheimatet, sie mögen Wasser. Kölpin sagt: „Penang schwimmt gerne im Pool bei den Temperaturen.“ So bleibt die Hoffnung, dass sich die Tiere wohl fühlen, gesund bleiben und wieder freudige Zeiten kommen – vielleicht mit einem Jungtier in gut einem Jahr.

Tapire und ihre Eigenarten

Tapir-Arten
Es gibt mehrere Arten von Tapiren: Flachland-Tapire, Berg- respektive Woll-Tapire, Baird-Tapire (das mittelamerikanische Tapir) und südostasiatische Tapire/Schabrackentapire.

Namensherkunft
Schabrackentapir heißen die Tiere, weil die Jungtiere nach der Geburt wie eine gemusterte Decke (eine Satteldecke) eine gefleckte Färbung in ihrem Rückenfell tragen, die sie nach drei Monaten verlieren. Auch die Erwachsenen haben wie eine übergelegte Satteldecke zwei Fellbarben. Tapire fressen Heu, Gemüse, Obst und Gras, „gemischte vegane Kost“.

Ökologische Nische
Für die Natur sind Tapire bedeutsam weil sie Pflanzen fressen, die von anderen Tieren nicht angerührt werden und damit eine ökologische Nische belegen. Außerdem fressen sie eine Menge Früchte und verbreiten deren Samen durch ihre Ausscheidungen. Tapire verdauen schlecht, aber sie düngen mit ihrem Kot den Regenwald. Und sie sind Futter für die großen Raubtiere wie Leopard und Tiger.