Neben den Raubtierhäusern und Affenanlagen ist auch die Elefantenanlage der Stuttgarter Wilhelma in die Jahre gekommen. Quelle: Unbekannt

Nils Schmid hält es für „unverzichtbar, für das Wappentier der Wilhelma eine entsprechend moderne Anlage zu verwirklichen“. Doch das werde weit in die nächste Legislaturperiode hineinreichen.

Nils Schmid hält es für „unverzichtbar, für das Wappentier der Wilhelma eine entsprechend moderne Anlage zu verwirklichen“. Doch das werde weit in die nächste Legislaturperiode hineinreichen.

Stuttgart - Das Leistenkrokodil liegt träge im Wasser und blinzelt nicht mal. Dabei spielt sich auf dem Steg in der Krokodilhalle Symbolhaftes ab. Ja, Löwen wieder in der Wilhelma zu haben sei eine schöne Idee, sagt der neue Chef Thomas Kölpin in das Mikro eines Reporters. Derweil schiebt Dieter Jauch, bis vor kurzem noch Direktor des Stuttgarter Zoos, seinen Vorgänger Wilbert Neugebauer im Rollstuhl zum Ausgang. Nach einem Gruppenbild des Neuen mit den zwei Männern, die jeder für sich eine Ära geprägt haben, beginnt im Stuttgarter Zoo endgültig die Zukunft.

Es ist Dieter Jauchs offizieller Abschied, sein Tag. Wohl deshalb fasst sich Nachfolger Kölpin in seiner Rede kurz. Es sei „eine sehr große Ehre, in die großen Fußstapfen zu treten, die Professor Jauch hinterlässt“.

Was soll er auch sagen. Eine Stunde lang haben sechs Redner vom Minister bis zum Präsidenten des Weltzooverbands den scheidenden Wilhelma-Chef mit Lob überhäuft. So hat ihm Nils Schmid , als baden-württembergischer Wirtschafts- und Finanzminister Jauchs oberster Dienstherr, eine „hohe Identifikation mit der Wilhelma“ bescheinigt. Für die Stadt Stuttgart bemüht deren Erster Bürgermeister Michael Föll die Bibel. Jauchs Amtszeit sei vergleichbar mit „dem Paradies ohne Sündenfall“. Georg Fundel, Vorsitzender des Wilhelma-Fördervereins, erklärt, Dieter Jauch sei ihm über die Jahre zu einem Freund geworden.

Doch keine Rede ohne Zwischentöne. Beispiel eins: Minister Nils Schmid bezeichnet die Begriffe Wirtschaften und Wirtschaftlichkeit als verbindende Elemente zwischen ihm und dem neuen Chef Thomas Kölpin. Anders ausgedrückt: Schmid hegt nach dem Stabwechsel die Hoffnung, dass das Defizit im Etat des Landesbetriebs nicht weiter steigt. Die Bilanz für 2013 liegt noch nicht vor, doch die Zahlen dürften sich auf ähnlichem Niveau wie 2012 bewegen. Von den rund 20 Millionen Euro laufender Ausgaben waren nur etwas mehr als 60 Prozent durch Einnahmen gedeckt, wobei Großinvestitionen wie die 22 Millionen Euro für das neue Menschenaffenhaus nicht aus dem Etat bestritten werden.

Beispiel zwei: das Verhältnis des zoologisch-botanischen Gartens zur Stadt Stuttgart. Schmids Hinweis auf die Wilhelma „als kostenloses Aushängeschild für die Landeshauptstadt“ kontert Bürgermeister Michael Föll mit diesem Satz: Damit, dass „das Paradies in den fürsorglichen Händen des Landes Baden-Württemberg liegt, sei das denkbar Beste erreicht“. Soll heißen: Die Stadt denkt nicht daran, sich – wie oft diskutiert – finanziell an einem seiner größten Imageträger zu beteiligen. Deutlicher wird der Präsident des Verbands Deutscher Zoodirektoren: Theo Pagel mahnt „ein wenig mehr Unterstützung der Stadt“ an.

„Bau eines neuen Elefantenhauses erlaubt keinen Aufschub“

Beispiel drei: der Hinweis auf Kölpins bisherige Arbeitsstätte, den Zoopark in der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt. Der Neue wechsle von den neuen Bundesländern in ein altes, und hier „gibt es viel zu tun“, stellt Wilhelma-Förderer Georg Fundel fest. Das Monitum geht weniger an Kölpin, der in Erfurt mehrere Projekte angeschoben hat, zuletzt den Bau einer Elefantenanlage. Angesprochen fühlen darf sich das Land, entsprechend zu investieren. Elefantenanlage, Raubtierhäuser, Affenanlagen – all das ist in die Jahre gekommen. Deutlich wird Dieter Jauch: „Der Bau eines neuen Elefantenhauses erlaubt keinen Aufschub.“

Der neue Chef wird sich aber wohl noch gedulden müssen. Zwar hält es Nils Schmid jenseits offizieller Reden für „unverzichtbar, für das Wappentier der Wilhelma eine entsprechend moderne Anlage zu verwirklichen“. Doch das werde weit in die nächste Legislaturperiode hineinreichen. Genauer: bis 2019. Dann soll der Rosensteintunnel in Betrieb gehen. Stets hieß es, erst dann könne mit dem Bau einer Elefantenanlage begonnen werden, da die beiden Röhren das künftige Gehege unterfahren.

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