Das ganze Jahr über stehen mittwochs und samstags die Gärtner der Wilhelma bereit, um in der Pflanzensprechstunde Fragen zu beantworten. Und sie haben jede Menge Tipps auf Lager, wie ein Besuch im historischen Gewächshaus zeigt.
Die Welt der Pflanzen ist groß und vielfältig – auch in der Wilhelma: Dort wachsen mehr als 8500 verschiedene Pflanzenarten und -sorten, darunter Orchideen, Azaleen, Kamelien, Bromelien, Fuchsien und Kakteen und andere Sukkulenten. Sie sind in den Schauhäusern, aber auch in Gewächs- und Anzuchthäusern zu sehen. Im Winter rücken Zimmerpflanzen stärker in den Blickpunkt, auch zu Hause. Deshalb hält Gärtner Thomas Gengenbacher bei einer seiner regelmäßigen Pflanzensprechstunden, die zweimal pro Woche in der Wilhelma angeboten werden, auch eine kleine Auswahl an Zimmerpflanzen bereit, um mit Besuchern darüber zu sprechen.
Eine Besucherin zeigt dem Gärtner ihre Sorgenpflanze auf einem Handybild, ein Drachenbaum mit braunen Blättern. Gengenbacher vermutet, dass er möglicherweise zu wenig Luftfeuchtigkeit hat, und rät, die Pflanze im Winter mit der Sprühflasche feucht zu halten. Das betreffe insbesondere Pflanzen auf dem Fensterbrett. Und er erinnert die Besucher daran, Pflanzen in den Sommermonaten mit Zimmerpflanzendünger zu gießen, zwischen Mai und September einmal im Monat. Ein Besucher fragt, ob man vertrocknete Blätter einfach abzupfen soll. „Wenn sie über die Hälfte nicht mehr schön sind“, rät der Gärtner.
Beliebteste Zimmerpflanzen mit dabei
Gengenbacher ist im Revier eins der Wilhelma für die Beet- und Balkonpflanzen zuständig, für die tropischen Kübel- und die Zimmerpflanzen für die Gehege sowie für das Schmetterlingshaus, für die Fress- und Blühpflanzen dort. Der Gärtner ist seit 1988 in der Wilhelma in dem Bereich tätig und bringt viel Erfahrung mit. Seine Ausbildung hat der heute 57-Jährige im Botanischen Garten Freiburg gemacht. Der Experte hat nun erstmals im historischen Gewächshaus der Wilhelma über Zimmerpflanzen im Winter informiert. Auf einem kleinen Wagen zeigt er einige beliebte Exemplare, die in vielen Haushalten zu finden sind.
Einblatt soll eher warm stehen und trocken
Dazu gehört das Einblatt (Spathiphyllum), das eher halbschattig stehen und nur mäßig gegossen werden sollte. „Es blüht im Frühjahr weiß“, sagt Gengenbacher. Ein Fehler sei, dass es oft zu feucht und zu hell gehalten werde. Es soll eher warm stehen bei Temperaturen von etwa 20 bis 22 Grad. Vermehrt wird die Pflanze ganz einfach durch Trennung der Wurzeln samt Blättern. Die Efeutute (Epipremnum pinnatum) sei ebenfalls sehr beliebt, berichtet der Gärtner. „Es ist eine schöne Rankpflanze, die auch die Luft reinigt.“ Die Vermehrung geschieht über das Abschneiden von einer Ranke.
Grünlilie liefert Sauerstoff und reinigt die Luft
Auch die Grünlilie (Clorophytum comosum) mag hohe Luftfeuchtigkeit. „Sie wird gerne im Bad aufgehängt“, sagt Gengenbacher. Sie muss nicht viel gegossen werden, im Winter nur ein- bis zweimal kurz in der Woche. Sie blüht weiß mit kleinen Sternenblüten. Ableger lassen sich ganz leicht gewinnen durch Abtrennen der Pflanzen, die an einem langen Stängel wachsen. Wenn diese schon Wurzeln haben, können sie direkt in die Erde gesetzt werden, wenn nicht, dann können sie im Wasser Wurzeln ziehen, bevor sie in die Erde gesetzt werden. Auch diese Pflanze soll die Luft von Schadstoffen reinigen und zugleich Sauerstoff und Luftfeuchtigkeit liefern.
Mitgebracht hat der Gärtner auch den Wunderstrauch (Kroton). „Er heißt so wegen der Farbgebung.“ Die giftige Zierpflanze schmückt das Zuhause durch die farbenprächtigen Blätter. Gengenbachers Exemplar hat grüne Blätter mit gelben Sprenkeln. Es gibt sie aber auch, je nach Sorte, mit roten, gelben oder beigefarbenen Sprenkeln. Auch der Wunderstrauch ist genügsam und braucht nur ein- bis zweimal in der Woche Wasser.
Im Winter Zimmerpflanzen nicht zu viel gießen
Generell empfiehlt er, Zimmerpflanzen im Winter nicht zu viel zu gießen, gegen Trockenheit zu schützen und auf Schädlinge zu achten. Das können beispielsweise Wollläuse sein oder Schildläuse. Da weiß der Experte Abhilfe: Man sollte die Pflanze mit einer Mischung aus Spülmittel und Wasser besprühen, im Verhältnis 2:1 und sie nicht in die Sonne stellen, sonst bekomme sie Verbrennungen. Der Horror der Gärtner ist die Rote Spinne, ein winziges Milbentierchen, das sich beispielsweise unter dem Einblatt tummeln kann. Für diesen Fall empfiehlt er, die Pflanze abzuwaschen und danach ausreichend zu besprühen. Die Pflanzensprechstunden, in denen die Gärtner der Wilhelma aus ihren Bereichen berichten und Fragen beantworten, finden ganzjährig jeweils mittwochs und samstags um 14 Uhr im historischen Gewächshaus statt.
Weitere Infos finden Sie unter: www.wilhelma.de/entdecken/pflanzen/pflanzenvielfalt.