Wilhelma richtet sich neu aus Heimische Tiere müssen Exoten weichen

Von Thomas Braun 

Die Besucher des zoologisch-botanischen Gartens müssen künftig auf den Schaubauernhof verzichten. Als Ersatz ist ein Streichelgehege geplant. Der Grund: das bisherige Areal wird anderweitig gebraucht für Elefanten, Flusspferde, Orang Utans und Co.

Stuttgart - Die Stuttgarter Wilhelma steht vor einem Umbruch. Die Wilhelma setzt voll auf ihr Wappentier und Asien: In einer „Elefantenwelt“ für bis zu 14 Tiere will der Stuttgarter Zoo in einigen Jahren eine asiatische Zuchtherde halten. Voraussichtlich kann aber erst in der zweiten Jahreshälfte 2020 mit dem Bau begonnen werden, wie Finanzministerin Edith Sitzmann (Grüne) am Montag sagte. Zunächst solle ein Gehege für asiatische Huftiere und ein asiatisches Dorf mit Haustierarten gebaut werden. In die Asienanlage sollen auch Nachttiere, Reptilien und Vögel einziehen. Die ersten Elefanten könnten 2024 einziehen. Weichen muss für diesen Schwerpunkt der Schaubauernhof mit teils bedrohten Nutztierarten. Der Streichelzoo soll in das asiatische Dorf integriert werden.

Masterplan für die Zukunft des Zoos

Die Wilhelma hat aufgrund ihrer Lage zwischen Neckar, Pragstraße und Rosensteinpark vor allem ein Platzproblem: Große Erweiterungsflächen stehen nicht zur Verfügung. Und auch bei den historischen Bauten im Zoo setzt der Denkmalschutz jedweden Umbauplänen enge Grenzen. Seit seinem Amtsantritt 2014 hat Wilhelma-Chef Kölpin an einem Masterplangebastelt, um den Zoo fit für die Zukunft zu machen. Im Sommer 2015 hat Kölpin sein Konzept für eine Neuausrichtung des Zoos beim zuständigen Finanzministerium zur Prüfung eingereicht. Schon damals zeichnete sich ab, dass die Wunschliste des Zoodirektors umfangreich ausfallen dürfte. Welche Ergebnisse im Einzelnen die Prüfung ergeben hat, darüber hüllen sich momentan noch alle Beteiligten in Stillschweigen.

Dass der von den Besuchern sehr gut angenommene Schaubauernhof den Plänen zum Opfer fällt, mögen viele Wilhelma-Fans zwar bedauern. Andererseits hat der Zoo, bei Lichte betrachtet, ansonsten wenig Optionen, neue Flächen für die Haltung exotischer Tiere zu generieren. Und deren Wohlergehen hat sich die Wilhelma vor allem unter Thomas Kölpin in erster Linie verschrieben. In den vergangenen Jahren hat sich – auch schon unter Kölpins Vorgänger Dieter Jauch – einiges getan; im Jahr 2000 entstand mit finanzieller Hilfe des Fördervereins das Amazonienhaus, 2002 das Insektarium und die Schmetterlingshalle und 2013 die neue Anlage für Afrikanische Menschenaffen. Letztere war allerdings mit erheblichen baulichen Mängeln behaftet und musste entsprechend nachgebessert werden. Derzeit wird eine neue Außenanlage für die Schneeleoparden gebaut, und auch die Nilpferde sollen ihrveraltetes Reviermöglicherweise gegen eine neue Anlage außerhalb des Wilhelma-Geländes in der Nähe des Neckarufers tauschen. Für die im alten Menschenaffenhaus verbliebenen Orang-Utans und die erst seit Kurzem wieder ins Raubtierhaus eingezogenen Löwen schweben Kölpin ebenfalls Neubauten vor.

Neue Anlage für die Elefanten

Den größten Bedarf an einem neuen Gehege haben wohl die Elefanten. Die neue Anlage soll ein Aushängeschild für den Stuttgarter Zoo werden – ähnlich wie die Anlagen in Köln, Erfurt oder Zürich. Ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag dürfte dafür wohl notwendig sein. Bisher hatte es geheißen, das neue Elefantengehege werde zwischen Menschenaffenhaus und Schaubauernhof entstehen. Dass dieser nun ganz aufgegeben wird, lässt darauf schließen, dass innerhalb des Bestands der Gehege eine größere Rochade geplant ist – oder dass das neue Areal für die Dickhäuter deutlich größer ausfällt als bisher geplant.

Was mit den heimischen Tierarten, die den Schaubauernhof derzeit noch bevölkern, geschieht, darüber soll es am Montag Aufschluss geben. Wenn alles glatt läuft, könnten 2018 dann die ersten Spatenstiche für neue Gehege und Anlagen in der Wilhelma vollzogen werden.

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