Das namenlos gebliebene Okapi-Baby mit seiner Mutter Nyota. Foto: Wilhelma

Freud und Leid liegen eng beieinander – auch im Tierreich. Diese Erfahrung mussten jetzt die Wilhelma-Mitarbeiter machen. Das am 3. Oktober geborene Okapi-Baby ist tot.

Stuttgart - Voller Freude über den Nachwuchs hatte die Wilhelma einen Namensaufruf gestartet: Leserinnen und Leser unserer Zeitung konnten seit Samstag darüber abstimmen, wie das am 3. Oktober geborene Okapi-Baby heißen sollte. 60 Vorschläge waren bereits eingegangen. Gestern dann die traurige Nachricht: Die kleine, noch namenlose Waldgiraffe ist gestorben. Eine Bein-Fehlstellung hatte kurzfristig eine Operation notwendig gemacht. Den Eingriff hat das Okapi nicht überlebt. Während der Narkose erlitt es nach Auskunft des Stuttgarter Zoos einen Kreislaufzusammenbruch. Bei den Pflegern herrschte Betroffenheit über den Tod des Jungtieres. „Das hat uns alle sehr mitgenommen“, sagte ein Wilhelma-Sprecher am Dienstagabend.

„Der Kreislaufkollaps kam überraschend“

Für die Mutter, das Okapiweibchen Nyota, war es der erste Nachwuchs. Sie kümmerte sich laut Wilhelma „zwar liebevoll um ihren Sohn, ließ ihn allerdings nicht an ihrem Euter trinken. Auch die extrem wichtige Erstlingsmilch, die Neugeborene direkt nach der Geburt mit Antikörpern zum Aufbau des Immunsystems versorgt, hat Nyota ihrem Kalb verweigert“. Der kleine Bulle wurde ersatzweise mit Erstlingsmilch einer Kuh gefüttert. Anschließend zogen die Tierpfleger das Jungtier mit der Flasche auf. Am Ende der ersten Lebenswoche bemerkten die Wilhelma-Mitarbeiter dann ein leichtes Hinken in Kombination mit einer Fehlstellung der Vorderbeine. In den folgenden Tagen habe das Kalb immer mehr gelahmt. Auch die Fehlstellung habe zugenommen, teilte der Zoo mit. Um die Entwicklung des Okapikalbs nicht zu gefährden, habe sich Wilhelma-Tierarzt Dr. Tobias Knauf-Witzens entschieden, in Zusammenarbeit mit einem Spezialisten, am Dienstag einen Eingriff durchzuführen. „Alle Schritte waren auch unter Einbindung der Pfleger gut vorbereitet, die Operation verlief nach Plan“, erklärte Knauf-Witzens. „Der Kreislaufkollaps zum Ende der OP kam überraschend.“ Möglicherweise war das Immunsystem des Jungtiers aufgrund der fehlenden Erstmilch geschwächt.

Nyota kann wieder Mutter werden

„Der Tod des kleinen Okapis ist für die Wilhelma und für die europäische Erhaltungszucht ein großer Verlust“, sagte eine Sprecherin. Die im Kongo beheimateten Waldgiraffen gelten als stark gefährdet. Die Wilhelma hofft indes auf weiteren Nachwuchs: „Okapiweibchen Nyota ist mit ihren sechs Jahren noch sehr jung und kann nach reichlich Erholungszeit wieder Mutter werden“, betonte die Sprecherin. Die Wilhelma hält noch zwei weitere Okapikühe sowie zwei Bullen, die im wieder geöffneten Giraffenhaus und auf den Außenanlagen zu sehen sind.

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