So scharlachrot wie ihre Eltern werden die Ibis-Küken später Foto: Wilhelma

Der Rote Ibis ist ein echtes Urgestein in der Wilhelma. Jetzt hat die farbenprächtige Kolonie Zuwachs bekommen. Die Jungtiere tragen zunächst ein schwarzes Daunenkleid; erst im zweiten Lebensjahr bekommen sie ihr rotes Gefieder.

Bad Cannstatt - Für die frisch geschlüpften Jungtiere ist es momentan noch ganz schön kuschelig in der Voliere der Roten Ibisse in der Wilhelma. Sie warten in ihrem Nest in den Weidenbüschen darauf, gefüttert zu werden. Für die Eltern bedeutet der Nachwuchs dagegen doppelt Stress, denn die Sprösslinge haben ordentlich Kohldampf. Ihre Leibspeise: ein Gemisch aus Hackfleisch, Insekten-Fertigfutter, Garnelen und kleinen Fischchen.

Auch wenn es in der Vogelvoliere mit jetzt insgesamt 17 Tieren ziemlich voll ist, sind die kleinen Ibisse gut zu erkennen. Ihr Fell ist im Gegensatz zu den ausgewachsenen Vögeln nicht leuchtend rot, sondern grauschwarz. Die markante Rotfärbung entwickelt sich erst ab dem zweiten Lebensjahr.

Verantwortlich für diese Farbenpracht ist der Speiseplan der Ibisse. Sie leben in den Mangrovenwäldern und Sümpfen des nördlichen Südamerikas. Bei Ebbe durchforsten sie mit ihrem Schnabel die offen gelegten Schlickflächen nach Krebsen, Muscheln, Schnecken, Würmern und kleinen Fischen. Die Krebse sind dabei die ausschlaggebenden Farblieferanten. Damit die Vögel in der Wilhelma ihr farbenprächtiges Gefieder beibehalten, bekommen sie zusätzlich zum normalen Futter ein synthetisches Carotinoidpräparat.

Zur Nistzeit sammeln sich in den Mangroven Südamerikas riesige Vogelkolonien. Zu Tausenden brüten dort Ibisse, Reiher, Löffler und Kormorane gemeinsam in den Baumwipfeln. In der Wilhelma kann man im Frühsommer einen kleinen Eindruck von diesem beeindruckenden Naturschauspiel bekommen. Dann beziehen die Vögel ihre Nistplätze in den von Schlinggewächsen umrankten Weidenbüschen in der Voliere.

Nach knapp drei Wochen Brutzeit schlüpfen die kleinen Ibis-Küken. Nach ungefähr sechs Wochen werden sie nestflüchtig. Für Futter sorgen aber nach wie vor die Vogel­eltern.

Die Ibis-Kolonie hat in der Wilhelma einen Stammplatz. 1954 – ein Jahr nach der Eröffnung der zoologischen Anlagen – bezogen die Vögel ihr Gehege. Die Nachzucht ist aber nicht immer gleich erfolgreich. Neben Jahren, in denen viele Jungtiere geboren werden, gibt es immer wieder Jahre ohne Nachwuchs. Die jetzt geborenen Ibisse bleiben vorläufig in der Wilhelma. Erst wenn die Kolonie zu groß werden sollte, müssten sie in andere Zoos abgegeben werden.

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