Der Christmas Garden in der Wilhelma – auch der Mammutbaumwald wird dabei beleuchtet. Foto: Lichtgut/ Christoph Schmidt

Der Christmas Garden bringt acht Wochen Beleuchtung. Ob das Licht die Bäume in der Wilhelma beeinträchtigt? Nachfrage bei der Wilhelma, dem Veranstalter und Biologen.

Vor allem die Mammutbäume werden während des Christmas Garden in der Wilhelma abends von bunten Lichtern angestrahlt. Das freut viele Menschen. Manche der Bäume leiden unter Klimawandel, Pilzbefall und dem Borkenkäfer. Das treibt auch Besucher um, sie beschäftigen sich mit der Frage, ob die Bäume auch unter dem künstlichen Licht leiden.

 

Ebenso wie der Stuttgarter Matthias Engel, Initiator des ehrenamtlichen Projekts „Sternenpark Schwäbische Alb“. Er verweist darauf, dass Kunstlicht auf Tiere und Pflanzen Auswirkungen haben könne. Er fragt sich, warum man solch ein Lichtspektakel ausgerechnet in einem zoologisch-botanischen Garten durchführen müsse und der ökonomische Aspekt über dem Artenschutz stehe. Die Wilhelma, insbesondere die Parkpflege, hat eigenen Angaben zufolge keine Bedenken wegen der Beleuchtung. Wilhelma-Chef Thomas Kölpin hatte bei der Eröffnung gesagt, dass der Christmas Garden dem Zoo finanziell nutze und darauf hingewiesen, dass er auch neue Besucher anspreche, die sonst nicht kämen.

Der Mammutbaumwald in der Wilhelma. Foto: Iris Frey

Mammutbäume in der Wilhelma – Dauerbeleuchtung findet nicht statt

Der örtliche Veranstalter von Christmas Garden, C2 Concerts, verweist auf die Zeitbeschränkung des Lichts. Sprecherin Katharina Eitel, erklärt, dass die Beleuchtung auf ein enges Zeitfenster von 16.30 Uhr bis 21.30 Uhr über etwa acht Wochen beschränkt sei. Eine Dauerbeleuchtung finde nicht statt.

Bei fünf Stunden Einwirkzeit je Abend mit LED-Technik sei zudem eine thermische Schädigung des Baums ausgeschlossen, so Eitel. Die Lux-Werte der Installation (6 bis13 Lux) entsprächen etwa einer bewölkten Dämmerung und somit nicht Tageslicht. Zum Vergleich: Die Lichtwerte von Weihnachtsmärkten oder Veranstaltungen in der Stadt lägen bei 100 bis 800 Lux. Die Sprecherin betont: „Man muss dabei berücksichtigen, dass der Christmas Garden jeden Abend um 21.30 Uhr endet und danach wieder völlige Dunkelheit eintritt, da die Wilhelma nachts unbeleuchtet ist.“

Christmas Garden: Parkpflege der Wilhelma sieht keine negativen Auswirkungen

Die Parkpflege der Wilhelma sieht keine negativen Auswirkungen der Beleuchtung von Christmas Garden „weder auf unsere Mammutbäume noch auf andere Baumarten in unseren Anlagen.“ Der Biologe Gerhard Pfeifer vom BUND Regionalverband Stuttgart hat über das Thema Lichtverschmutzung bei Nadelbäumen noch nichts gehört. Aber: „Auch Nadelbäume haben einen Winter- und Sommerrhythmus.“ Im Frühjahr treiben sie ja auch aus. Es sei nicht auszuschließen, dass die Bäume in ihrem Rhythmus unter dem Einfluss von künstlichem Licht gestört würden.

Biologe: Mammutbäume in ganz Stuttgart sterben wegen Klimawandel

Der Biologe ist auch im Waldbeirat und hat zudem festgestellt, dass in Stuttgart sehr viele Mammutbäume in den letzten Jahren absterben. Nicht nur in der Wilhelma, auch in Hohenheim, Fasanengarten, Weilimdorf, bei der Solitude, im Westen und im Norden. Er vermutet auch Pilze und die extrem wechselhafte Witterung. Der Grund: Klimawandel. Pfeifer mahnt zugleich, keine Solarleuchten im Garten aufzustellen. Das stresse die Insekten. „Die Tierwelt hat ein Recht auf Dunkelheit“, so Pfeifer.

Leiter der Hohenheimer Gärten hat keine Bedenken

Der Leiter der Hohenheimer Gärten der Universität Hohenheim, Helmut Dalitz, erklärt auf Nachfrage, dass man die Auswirkung des Lichts auf die Nadelbäume nicht genau wisse. Die Bäume seien besonders herausgefordert durch die Trockenphasen. Darunter leide die Vitalität. Und weil sie nicht ganz gesund seien, hätten sie nicht mehr so viel Kraft, sich gegen Pilze durchzusetzen. „Das Licht schädigt die Bäume glaube ich nicht“, so Dalitz. Der Effekt der etwa dreistündigen Beleuchtung, sei relativ gering. Die Hohenheimer Gärten hätten sich überlegt, im kommenden Jahr ebenfalls einen Christmas Garden zu veranstalten, mit Blick auf das 250-Jahr-Jubiläum. Doch: „Wir würden nicht so lange beleuchten“. Aber sie hätten angesichts des hohen Aufwandes von den Plänen abgesehen.

Der Forscher weiß: Bei Bäumen spiele die Wellenlänge des Lichts eine Rolle. So hätte Rot eine längere Wellenlänge als Blau. Grün sei dazwischen und weißes Licht eine Mischung aus allem. Was bei Christmas Garden als Licht verwendet werde, sei „ein bisschen mehr als Mondlicht“, so Dalitz. Das habe nur einen ganz geringen Anteil auf die Reaktion der Gehölze.

Christmas Garden: Biologin rät zu möglichst geringer Beleuchtungsstärke

Die Biologin Brigitte Heinz vom BUND Heidelberg erklärt, wenn die Beleuchtung nur vorübergehend und nur für wenige Stunden eingeschaltet sei, sollte es eigentlich vertretbar sein. Die Bäume sollten in einem achtwöchigen Zeitraum wohl nicht geschädigt werden, wenn fünf Stunden nur der untere Bereich beleuchtet werde und die Kronen nicht angestrahlt werden. Sechs bis 13 Lux seien allerdings sehr viel Licht, so Heinz. Zum Vergleich, der Vollmond habe maximal 0,3 Lux, mäßig beleuchtete Straßenlaternen in Wohnbereichen 3 Lux, hell beleuchtete Durchgangsstraßen 15 Lux.

Heinz rät, allein wegen der gemütlichen Atmosphäre sollte die Beleuchtungsstärke möglichst gering sein. Außerdem: „Dem menschlichen Auge reichen nachts 2 Lux, um gut zu sehen. Mehr Licht bedeutet oft nur Blendung und die Schaffung von Dunkelräumen wegen des Kontrastes.“ Da in dem Mammutwäldchen vermutlich auf dem Boden ohnehin keine Tiere lebten, seien hier auch keine größeren Störungen zu befürchten.