Finanzminister Danyal Bayaz im vergangenen Jahr mit Direktor Thomas Kölpin bei der Patenübernahme für Seelöwe Unesco Foto: LICHTGUT/Zophia Ewska

Seit mehr als 20 Jahren bietet die Wilhelma Tier- und Pflanzenfans die Möglichkeit für Patenschaften an. Prüfer, die Spendensiegel vergeben, sehen Verbesserungsbedarf.

Etwa 1400 Tier- und Pflanzenpatenschaften zählt die Wilhelma derzeit. Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) sieht indes noch Korrekturbedarf bei der Information darüber.

 

Landesfinanzminister Danyal Bayaz (Grüne) hat gleich zwei Patenschaften: eine für die Schneeleopardin Karma und eine für den Seelöwen Unesco. Bei letzterer hatte sich der Minister Ende März 2023 auch gleich für ein PR-Foto am Seelöwenbecken eine Arbeitshose angezogen und mit dem Wilhelma-Direktor Thomas Kölpin stolz die Patenschaftsurkunde für die Kamera präsentiert. „Die Patenschaften hat der Minister privat bezahlt“, erklärt Sebastian Engelmann, der Pressesprecher des Finanzministeriums. Angaben zum finanziellen Beitrag macht er aber nicht.

Finanzamt erkennt Spenden als Sonderausgaben

Patenschaften für einen Schneeleoparden kosten laut der Webseite der Wilhelma 1000 Euro und für einen Seelöwen ebenfalls 1000 Euro. Patenschaften laufen in der Regel ein Jahr. Die Beträge können normalerweise bei der Steuer geltend gemacht werden. Sie verhelfen allen, die ein zu versteuerndes Einkommen haben, zu geringeren Steuerzahlungen. Das Finanzamt erkennt die Spenden als Sonderausgaben an.

Der zoologisch-botanische Garten bietet auf der Wilhelma-Webseite zurzeit für 155 Tier- und 39 Pflanzenarten Patenschaften an. Auf Anfrage könne aber für jede der 1200 Tier- und 8500 Pflanzenarten eine freiwillige Unterstützung übernommen werden, so der Wilhelma-Pressesprecher Birger Meierjohann. Zu den beliebtesten Patenschaften zählen nach Angaben des Stuttgarter Zoos Publikumslieblinge wie Erdmännchen (100 Euro) und Pinguine (200 Euro), auch, weil die Jahresbeiträge bei den meisten kleineren Tierarten geringer seien als bei Großkatzen oder Menschenaffen, die etwa im mittleren vierstelligen Bereich liegen.

Beliebteste Patenschaften sind Erdmännchen

Corona löste offensichtlich einen Schub bei den Einnahmen durch Patenschaften aus: Im Jahr 2022 kamen laut der Wilhelma genau 182 907 Euro zusammen, im Jahr 2023 waren es 293 127 Euro. Während der Ausgangsbeschränkungen fielen die Eintrittsgelder komplett aus. Und auch danach war die Zahl der Besucher zeitweise begrenzt. „Viele Besucher entschieden sich aus Solidarität dazu, die Wilhelma in dieser Zeit durch Patenschaften zu unterstützen. Die Anzahl der Patenschaften stieg daher in dieser Zeit stark an“, berichtet Meierjohann.

Ab 2500 Euro gibt es Hinweisschilder

In Sachen Transparenz verfährt die Wilhelma so: In aller Regel erfolgt bei privaten Patenschaften keine Veröffentlichung. Ab einem Betrag von 2500 Euro wird üblicherweise ein Schild mit dem Namen des Paten an der jeweiligen Anlage angebracht. Alle Paten erhielten einmal im Jahr einen persönlichen Bericht vom Direktor der Wilhelma. Hier werde die Verwendung der Mittel erklärt. Nicht einsehbar sei, so Meierjohann, welche Tiere und Pflanzen bereits Paten haben. Doch es gebe keine Begrenzung, ein Tier könne auch mehrere Paten haben. Was mit den Einnahmen passiert, erklärt Meierjohann so: „Die Einnahmen aus Patenschaften sind nicht Teil des Etats, sondern kommen in einen eigenen Investitionstopf. Dieser wird ausschließlich für Projekte verwendet, die nicht, oder nicht in der Form mit regulären Haushaltsmitteln zu finanzieren wären.“

Patensystem der Wilhelma noch nicht zertifiziert

Das Patensystem der Wilhelma ist jedoch nicht zertifiziert. Bisher hat sie noch kein Siegel etwa des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) und kein Zertifikat des Deutschen Spendenrats. Auch der Initiative Transparente Zivilgesellschaft (ITZ) hat sich die Wilhelma bisher nicht angeschlossen und die entsprechende Selbstverpflichtungserklärung unterzeichnet. Nach dem Grund gefragt, heißt es: „Transparenz gehört zu den Grundwerten der Wilhelma – darauf vertrauen unsere Besucherinnen und Besucher.“ Von den Patengeldern komme jeder Euro den Tieren in der Wilhelma direkt zugute. „Es fließen keinerlei Mittel in andere Bereiche wie Verwaltung oder Marketing.“

Informationen öffentlich frei zugänglich machen

Der Geschäftsführer und wissenschaftliche Leiter des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI), Burkhard Wilke sieht noch Verbesserungsbedarf bei der Wilhelma. „Im Sinne der Transparenz einer gemeinnützigen Organisation, um die es sich bei der Wilhelma ja handelt, sollten die Finanzdaten einer öffentlich prominent beworbenen Unterstützungsform wie der Tier- und Pflanzenpatenschaften auch öffentlich frei zugänglich transparent gemacht werden.“ Das heißt, die Wilhelma sollte im Sinne der Transparenz durch Information zum Beispiel auf ihrer Webseite darüber Rechenschaft ablegen, wie viel Geld sie jährlich durch solche Patenschaften einnehme und wofür sie diese Gelder konkret verwendet habe. Die Wilhelma informiere indes auf ihrer Webseite recht umfassend über die Vergabebedingungen für ihre Tier- und Pflanzenpatenschaften, so Wilke.