So sah es im ersten Marché in Stuttgart in den 80er Jahren aus. Foto: Marché

Marché übernimmt im Mai die Gastronomie im Stuttgarter Zoo und plant einen kompletten Umbau des Restaurants bis 2019. Die bisherigen Betreiber erwägen derweil einen Umzug nach Berlin mit ihrer gesamten Firma.

Stuttgart - Stuttgart 1983. In der Königstraße 16 eröffnet die Schweizer MövenpickGruppe ein neues Restaurant namens Marché. Das Konzept eines gehobenen Selbstbedienungsrestaurants mit dem, was man heute Live Cooking nennt, war ­damals neu, das Marché zwischen Schlossplatz und Bahnhof das Erste seiner Art weitweit. Das Restaurant in der König­straße ist schon lange geschlossen, Marché kehrt aber jetzt zurück. Wie berichtet übernimmt das Unternehmen die Gastronomie in der Wilhelma. Die Schweizer Kette hat sich gegen den bisherigen Anbieter Schuler-Gastronomie in einer europaweiten Ausschreibung durchgesetzt.

Eröffung am 1. Mai

Wie Mövenpick-Marché die mehr als eine Million Wilhelma-Besucher pro Jahr bekochen will, wird in Gänze aber erst im Frühjahr 2019 zu schmecken sein. Bis dahin will Marché das Restaurant am Wilhelma-Theater komplett saniert und umgebaut haben. Die Zoobesucher erwarte dann ein „Mix aus lokal schwäbischer (Maultaschen) sowie saisonaler Küche mit einem Hauch Exotik“, teilte Marché mit. Auch die beiden anderen Standorte werden weitergeführt. Das Café Belvedere soll eine italienische Note erhalten, am Schaubauernhof wollen die Schweizer „saisonale Marktküche und Produkte von regionalen Produzenten“ ins Zentrum stellen. Los gehen wird es in allen drei Stätten am 1. Mai mit einem gegenüber der aktuellen Interimslösung bereits deutlich erhöhten Angebot, das dann parallel zu den Renovierungen bis 2019 Schritt für Schritt hochgefahren werden soll.

Für die Schuler-Gastronomie bedeutet die Entscheidung das Aus in der Wilhelma nach 55 Jahren. Das Stuttgarter Unternehmen ist natürlich nicht begeistert über die Ablehnung, schließlich hat man sich an der europaweiten Ausschreibung beteiligt und nach eigenen Angaben auch einen Teil des Personals nach der Kündigung des Pachtvertrags zum 1. Januar in Lohn und Brot ­gehalten, um im Fall der Fälle schnell wieder öffnen zu können. Jetzt akzeptiert man notgedrungen die Entscheidung, einen ­juristisch möglichen Einspruch gegen die Vergabe an den Konkurrenten erwägt die Schuler-Gastronomie nicht. Man hoffe ­allerdings, dass möglichst alle Mitarbeiter vom neuen Pächter Marché übernommen werden, und überlegt, eventuell den Firmensitz nach Berlin zu verlegen, wo Schuler weiterhin die Gastronomie im Berliner Zoo im ehemaligen Westteil der Hauptstadt betreibt.

Schuler-Gastronomie zwischen „Hoffen und Bangen“

Denise Schuler beschreibt ihre Gefühlslage so: „Ich bin in erster Linie erleichtert, dass das Verfahren jetzt vorbei ist.“ Die Situationen zwischen „Hoffen und Bangen“ der vergangenen Monate sei schon belastend gewesen. Andererseits stehe man jetzt nicht in der Pflicht, die im neuen Vertrag festgeschriebenen hohen Investitionskosten von sieben Millionen Euro in die Hand nehmen zu müssen. Trotzdem hätte man die Chance gerne wahrgenommen. Die Schuler-Gastronomie wird jetzt ihre noch in der Wilhelma verbleibenden Geräte und Einrichtungsgegenstände abholen, dann ist das langjährige Kapitel Geschichte. Man gehe ­ohne Groll, eine Einschätzung müsse aber laut Sprecherin Andrea von Haebler schon sein: „Wir haben als einheimischer Mittelständler im Bundesland des Mittelstandes gegen einen international agierenden Konzern verloren.“

Diese Entscheidung sei aber trotzdem eine gute gewesen, findet Georg Fundel vom Verein der Freunde und Förderer der Wilhelma. Der Vorsitzende des Vorstandes des Vereins freut sich über „eine sicherlich positive Veränderung für die Wilhelma“, wie er sagt. Marché habe auch Erfahrung in Zoos wie in Leipzig oder im Tierpark Berlin, dem im ehemaligen Ostteil gelegenen zweiten Zoo in der Hauptstadt. Marché und Schuler stehen sich also in Berlin sozusagen gegenüber. In Stuttgart nicht. Dort ­haben künftig die Schweizer das Sagen.

Die Wilhelma äußert sich noch nicht

Die Wilhelma selbst will dazu im Moment noch keine Stellung beziehen. Trotz der Verkündung des Pächterwechsels durch das Finanzministerium am vergangenen Freitag hält man sich bedeckt. Wilhelma-Pressesprecher Harald Knitter teilt schriftlich mit: „Die Wilhelma verzichtet wegen der Stillhaltefrist zwischen der Entscheidung, wer den Zuschlag erhalten soll, und dem tatsächlichen Vertragsschluss auf eine Stellungnahme.“

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