Hannibal, hier 2016 in der Wilhelma an seinem 50. Geburtstag, war bis zu seinem Tod ältester Zwergflusspferdbulle in einem Zoo. Foto: dpa/Schmidt

Georg Fundel, langjähriger Vereinsvorsitzender, spricht anlässlich des 65-jährigen Bestehens des Fördervereins über ein Gehege am Fluss, über Hindernisse bei der Elefantenwelt und darüber, wie man ein Millionenvermögen vor Strafzinsen bewahrt.

Stuttgart - Seit 65 Jahren unterstützt der Verein der Freunde und Förderer der Wilhelma den zoologisch-botanischen Garten dabei, das Nötige und das Schöne für Tiere und Menschen zu tun. Vorstandsvorsitzender ist seit 20 Jahren Georg Fundel. Er schildert, wie das gelingen kann, welche Hindernisse es gibt und wie man sie ausräumen könnte.

 

Herr Fundel, während der Pandemie hat die Wilhelma Einnahmen in Millionenhöhe verloren. Soll der Förderverein die Wilhelma retten?

Retten können wir die Wilhelma nicht, das ist auch nicht unsere Aufgabe. Die Wilhelma ist im Bereich der Investitionen unterfinanziert. Immer noch gibt es dort viele alte, unansehnliche, nicht mehr tierkonforme Gehege. Unser Ziel ist es, unsere Mittel dort einzusetzen, dass es den Tieren und den Menschen gefällt.

Sie haben auch schon Großprojekte unterstützt. Das mit 9,5 Millionen Euro Zuschuss größte war das Menschenaffenhaus. Kommt bald ein neues?

Unser Verein hat vor vielen Jahren die artgerechte Unterbringung der Elefanten als Ziel identifiziert und beschlossen, zehn Millionen Euro zu investieren in die sogenannte Elefantenwelt. Die Realisierung ist immer noch unser großer Wunsch, denn der Elefant ist das Wappentier der Wilhelma und auch des Vereins. Wir sind aber seit acht Jahren leider immer noch nicht auf Baustelle.

Wegen der Baustelle am und im Rosensteintunnel?

Nein. Es gab mehrere Gründe. Erstens: Der erste Standort oberhalb des Tunnelmunds wurde aufgegeben, weil man befürchtet hat, dass die Tiere unter den Erschütterungen durch den Verkehr leiden könnten. Der neue Standort auf dem Gelände des Schaubauernhofs ist aber erst frei, wenn dieser umgezogen ist. Zweitens: die Baukosten. Als unser Verein eine Mitfinanzierung von zehn Millionen Euro zugesagt hat, lagen die geschätzten Baukosten noch bei 30 Millionen Euro. Nach einem architektonischen Wettbewerb, und trotz einer Neuplanung soll die Elefantenwelt heute viel mehr kosten.

Was ist da schiefgelaufen?

Für das Elefantenhaus hat man eine aufwendige Dachlandschaft aus Holz über eine riesige Fläche geplant. Ein Zoo muss aber den Zeitgeschmack ein Stück mitgehen. Man sollte deshalb veränderbare Gebäude zu vertretbaren Kosten bauen, die nach 30, 40 Jahren bei Bedarf auch wieder abgerissen werden können. Und dann baut man das nächste schöne Gebäude oder Gehege. Dass Architekten gern Denkmale bauen, ist im Zoobau nicht immer hilfreich.

Hat das Projekt überhaupt noch eine Chance?

Ich denke ja, aber der Kostenrahmen muss stimmen. Bedenken Sie: wir haben eine Pandemie, und in der Fülle der finanziellen Herausforderungen, vor denen das Land steht, ist die Wilhelma nicht in der Priorität Nummer 1. Im Landeshaushalt ist noch kein Geld für das Elefantenhaus eingestellt, weil bisher noch keine Projektreife erreicht ist. Im Übrigen: Beim derzeitigen Investitionsstau der Wilhelma muss man auch an andere Tierarten denken.

Sie stellen auch für das Australienhaus eine Million Euro zur Verfügung. Wie geht es dort voran?

Das Haus ist im Bau und fast fertig. Der Verein hat die Koalas bezahlt und erfüllt noch weitere Wünsche, die im Budget bisher nicht berücksichtigt waren: Das Gebäudedach soll oben transparent sein, damit Tageslicht einfällt, weil das die Koalas glücklich macht. Das sind die Momente, wo der Verein viel bewirken kann.

Der Verein hat 2013 angekündigt, auf eigene Kosten ein Nilpferd-Gehege zu bauen. Auch damit wurde bis dato nicht begonnen. Warum nicht?

Wir mussten umplanen. Ursprünglich war es unsere Absicht, Nilpferde nach vorn an den Neckar zu holen, doch die Stadt Stuttgart hatte in dem Uferbereich so viele Wege geplant, dass das Gehege für die Tiere zu klein ausgefallen wäre. Außerdem brauchen die Tiere warmes Wasser und ein Warmhaus. Die Kosten von 15 bis 20 Millionen Euro waren uns dann doch zu hoch für ein Gehege außerhalb des Zoos. Gebaut wird nun für Zwergflusspferde, die es einst sogar im Neckartal gegeben hat. Die Bauvoranfrage ist eingereicht, wir könnten bauen, aber wir müssen warten, bis die Ufersanierung abgeschlossen ist. Die Stadt wollte nicht riskieren, die Tiere dem Stress einer Baustelle auszusetzen. Nach heutigem Stand können wir frühestens 2025 beginnen.

Der Förderverein ist mit 33 400 Mitgliedern europaweit der größte Förderverein eines Zoos oder botanischen Gartens. Gab es in der Pandemie Austritte?

Wir hatten wirklich große Sorge, denn die Mitglieder haben den Vereinsbeitrag bezahlt, aber keine Gegenleistung bekommen wie beispielsweise den freien Eintritt, weil die Wilhelma über Monate geschlossen war. Heute sind wir 500 Mitglieder mehr als vor der Pandemie. Warum? Weil wir unser Internetangebot deutlich ausgebaut haben, und es hat große Resonanz gefunden. Außerdem wissen die Mitglieder zu schätzen, dass die Beiträge vollständig in Wilhelma-Projekte fließen.

Dann muss man sich ja keine Sorgen um Ihre Finanzkraft machen.

Uns stehen im Durchschnitt 1,9 Millionen Euro Mitgliedsbeiträge pro Jahr zur Verfügung, und wir erben im Schnitt zwischen 500 000 und einer Million Euro jährlich. Um Minuszinsen zu umgehen und um einen Teil des Geldes längerfristig anzulegen haben wir eine Stiftung gegründet.

Eine Erhöhung des Mitgliedsbeitrags ist also nicht nötig?

Nein, aber wir müssen uns an den Eintrittspreisen orientieren. Wir verlangen fünf Euro mehr, als die Jahreskarte der Wilhelma kostet. Das Finanzministerium legt die Eintrittspreise für die Wilhelma fest. Wenn also das Finanzministerium die Preise erhöht, müssen auch wir erhöhen.

Die Wilhelma untersteht dem Finanzministerium des Landes Baden-Württemberg . Was wünschen Sie sich vom neuen Finanzminister Danyal Bayaz?

Dass das Elefantenprojekt möglichst bald in eine Finanzierung, einen Terminplan, in die Umsetzung geht. Wir drehen uns damit schon zu lange im Kreis. Manchmal denke ich, ich mache nicht mehr weiter.

Die Mitgliederversammlung hat Sie im Juni allerdings für weitere drei Jahre im Amt bestätigt . . .

Vereinsvorsitzende haben immer den Wunsch, Projekte zu einem Punkt zu bringen. Ich habe mir zum Ziel gesetzt, die Zwergflusspferdeanlage noch zu erleben. Dann ist für mich Schluss. Das wäre dann allerdings länger als drei Jahre . . .

Zur Person und zum Verein

Der Vorsitzende
Georg Fundel (67) ist in Münsingen auf der Schwäbischen Alb geboren. Er studierte Wirtschaftswissenschaften und war unter anderem als Leiter der Wirtschaftsförderung der Stadt Stuttgart und für die Landesgirokasse tätig, wo er die Bereiche Bauen, Liegenschaften und Öffentlichkeitsarbeit leitete. 1996 bis 2017 war er als einer der beiden Geschäftsführer des Stuttgarter Flughafens. Er ist im Vorstand der Helene-Pfleiderer-Stiftung Stuttgart und seit 2001 als Vorstandsvorsitzender des Wilhelma-Fördervereins ehrenamtlich tätig.

Der Förderverein
Freunde und Förderer der Wilhelma Stuttgart-Bad Cannstatt e.V. heißt der Verein seit seiner Gründung am 21. September 1956. Dieses Jahr kommt er ins Rentenalter. Er hat bisher 20 Millionen Euro in Projekte der Wilhelma investiert. Damit wurden wiederum Investitionen vonseiten des Landes in Höhe von 60–80 Mio ausgelöst. Weitere zehn Millionen Euro hat er für die Elefantenwelt fest zugesagt. czi