Elefanten-Freibad in der Wilhelma: Künftig können sich Pama und Zella in dem Bassin im Vordergrund abkühlen. Klicken Sie sich durch unsere Bildergalerie. Foto: Peter-Michael Petsch

Umbau des Geheges in Wilhelma Übergangslösung – Mit Rosensteintunnel ist eine Anlage für Herde geplant.

Stuttgart - Ein Schlammbad für die Pama und Zella, Sitzmauern zum Zugucken für die Besucher – das Außengehege der Wilhelma-Elefanten hat eine Runderneuerung erfahren, und ist doch nur Zwischenstation für eine neue große Elefanten-Anlage, die der Stuttgarter Zoo lieber heute als morgen bauen würde.

Ohne Vilja hätte der gestrige Dienstag in der Wilhelma so wohl nicht stattgefunden. Ohne den einst ältesten Zoo-Elefanten Europas hätte Direktor Dieter Jauch am runderneuerten Elefantengehege nicht tapfer im Regen verharrt, um in seiner Einweihungsrede alle zu loben, die am Umbau beteiligt waren.

Im Januar 2008 ist Vilja nach einer Kabbelei unter Elefantinnen in jenen Graben gestürzt, der seit Jahrzehnten den Sicherheitsabstand zwischen Dickhäutern und Besuchern gewahrt hat. Die damals rund 60 Jahre alte und inzwischen gestorbene Elefantendame konnte sich nicht aus ihrer misslichen Lage befreien. Feuerwehrleute hoben Vilja daher in einer zweistündigen Rettungsaktion per Kran aus dem Graben. „Da war uns klar geworden, dass wir etwas tun mussten“, sagte Direktor Jauch am Dienstag rückblickend. Die 1968 „im Brutalobetonstil“ errichtete, damals aber zeittypische Anlage sei aus Sicht der Tierhaltung ohnehin veraltet.

Für die betagten Dickhäuter wurden Geländesprünge beseitigt

Herausgekommen ist jetzt ein Außengehege, bei dem auf den ersten Blick nur der fehlende Graben auffällt. Tatsächlich wurde für 1,1 Millionen mehr als nur eine Grube zugeschüttet. Insgesamt stehen den verbliebenen zwei Elefantinnen Pama und Zella nun 830 statt 620 Quadratmeter Außenfläche zur Verfügung, dazu ein Schlammbad, eine Badebecken und mehrere Futterstellen. Für die betagten Dickhäuter wurden Geländesprünge beseitigt, und für die Besucher haben sich die Planer des Büros Glück Landschaftsarchitektur eine Art Tribüne aus Steinblöcken ausgedacht, ähnlich jener vor der Eisbärenanlage. Der Entwurf des Büros Glück „nimmt Bilder aus dem natürlichen Lebensraum der Tiere auf“, so Jauch. Mensch und Tier trennt nun nur noch eine Rabatte aus Bambuspflanzen und aus so genanntem Elektrogras.

Letzteres funktioniert analog einem Zaun an einer Viehweide, nur dass man die dünnen Drähte, die wie Wiesengräser nach oben ragen, praktisch nicht sieht. 6000 Volt Spannung speisen das Elektrogras mit Strom. Berühren die Tiere die Drähte, erschrecken sie. „Pama uns Zella sind aber so schlau, dass sie nach ein-, zwei Berührungen nicht mehr dorthin gehen“, sagte Dieter Jauch. Dem Aufschrei von Tierschutzorganisationen blickt er gelassen entgegen. Diese gängige Technik werde auch im Tierpark Hellabrunn in München verwendet.



„Ziel ist nach wie vor eine große Anlage mit einer Elefantenherde“

Wer denkt, die Wilhelma würde mit dem jetzt erfolgten Umbau den so sehnlich erhofften großen Wurf in der Elefantenhaltung zu den Akten legen, täuscht sich. Das vergrößerte Gehege ist für Jauch nur eine Zwischenstation. „Unser Ziel ist nach wie vor eine große Anlage mit einer Elefantenherde.“ Der Verein der Freunde und Förderer der Wilhelma „steht in den Startlöchern“. Der Verein hat längst einen Zuschuss über sieben Millionen Euro zugesagt, Experten rechnen mit an die 40 Millionen Euro Baukosten.

Derzeit verhindert laut Jauch aber nicht womöglich fehlendes Geld sondern die Stadt Stuttgart, dass die Wilhelma die Planung vorantreiben kann. Der Grund: Künftig sollen die Autos auf der B 10 den Zoo im Rosensteintunnel unterfahren. Die Elefantenanlage kann jedoch erst angegangen werden, wenn die Röhre gegraben ist. Doch der Baubeschluss steht noch aus.

Stadt befindet sich kurz vor einer Baugenehmigung

Für den Zoo-Chef kommt das Tunnelprojekt zu langsam voran. Das liegt seiner Ansicht nach „an den politischen Gremien der Stadt, die sich manchmal schwer tun mit Entscheidungen“. Seit dem Beschluss des Gemeinderats, die Pläne öffentlich auszulegen, ist fast ein Jahr vergangen.

Arnold Maiwald vom Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung macht zumindest Hoffnung: Die Stadt befinde sich „kurz vor dem Satzungsbeschluss“, was einer Baugenehmigung gleichkommt. Die rund 1600 Einwendungen der Bürger seien abgearbeitet, es fehlten noch letzte Genehmigungen, etwa vom Eisenbahnbundesamt an der Schnittstelle zum Bahnprojekt Stuttgart 21. Entscheidet der Gemeinderat vor der Sommerpause, könnte noch in diesem Jahr mit dem Rosensteintunnel begonnen werden – und nach dessen Fertigstellung in drei bis vier Jahren dann mit der neuen großen Elefantenanlage.

Die 1,1 Millionen Euro für den jetzt erfolgten Umbau sind laut Jauch dennoch eine langfristige Investition. Das Gelände der Elefanten wird später den derzeitigen Nachbarn, den Panzernashörnern, zugeschlagen. Diese hätten „ähnliche Ansprüche an ihre Umgebung wie die Elefanten“.

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