Liebevolles Gerangel: Im Sommer hatte Wilhelma-Eisbärin Corinna Besuch von Yoghi aus München. Gibt es jetzt Nachwuchs in Stuttgart? Foto: Wilhelma Stuttgart

Ist sie's? Oder ist sie's nicht? Hat Wilhelma-Eisbärin Corinna ein Baby an Bord? In den nächsten Wochen wird es für die Pfleger spannend. Die Wurfbox steht vorsorglich schon mal bereit.

Stuttgart - Zieht sie sich häufiger zurück? Wird sie träge? In der Stuttgarter Wilhelma beobachtet man Eisbärin Corinna derzeit ganz genau. Schließlich könnte sie in den kommenden Wochen Mutter werden - wenn aus dem Techtelmechtel mit dem Münchner Artgenossen Yoghi im Frühjahr und Sommer dieses Jahres tatsächlich mehr geworden ist. Genau das kann aber keiner wissen, erklärt Harald Knitter, der Sprecher des zoologisch-botanischen Gartens. "Eisbären sind so gewaltige Tiere, dass man ihnen eine Trächtigkeit normalerweise nicht ansieht."

Zwar wird auf einschlägigen Wilhelma-Gruppen in Facebook schon gemutmaßt, Corinna trage ein Babybäuchlein mit sich herum, aber da, so Knitter, sei wohl eher der Wunsch der Vater des Gedankens: "Im Verhältnis zum Gesamtkörpergewicht macht ein Embryo da nicht so viel aus, als dass man das deutlich sehen würde."

Besuch aus München

Eisbärinnen sind im Frühjahr fruchtbar. Zu dieser Zeit hatte Corinna, die Anfang des Jahres ihren Gefährten Anton verloren hatte, Besuch aus dem Tierpark Hellabrunn: Der stattliche Eisbärmann Yoghi musste in München ausquartiert werden, damit er seinen Zwillingen nicht gefährlich werden konnte, die Wilhelma suchte für Corinna eine neue Liebe - praktisch eine Win-win-Situation. Die beiden waren sich auch durchaus sympathisch. Anfang Oktober kehrte Yoghi nach München zurück - hat er Corinna eine Erinnerung dagelassen?

Die Trächtigkeit von Eisbärinnen hat eine Besonderheit, erklärt Harald Knitter: Nach der Befruchtung im Frühjahr legen die Tiere nämlich eine Art Ruhephase ein. Dabei ruht der Zellhaufen und entwickelt sich vorerst nicht weiter. Im Herbst entscheidet sich dann, ob die Schwangerschaft ausgetragen wird oder nicht. "Das hat mit den Bedingungen zu tun - ist die Eisbärin gesund, wohlgenährt, stimmt die Umgebung?" Passt da ein Faktor nicht, kommt die Trächtigkeit nicht zustande.

Wilbärs Schwesterchen starb kurz nach der Geburt

Die 24-jährige Corinna ist schon Mutter von Wilbär, der 2008 in der Wilhelma unter viel Mediengetöse auf die Welt kam. 2009 starb eine Tochter der Eisbärin nur drei Tage nach der Geburt an einem Lugenödem. "Eine Trächtigkeit bei Eisbären ist etwas sehr Heikles. Und auch wenn ein Eisbärenbaby auf der Welt ist, kommt nicht jedes durch", dämpft Knitter die Erwartungen.

Sollte Corinna wirklich trächtig sein, wird sie ihren Nachwuchs in einer sogenannten Wurfbox zur Welt bringen - einer dunklen, mit Stroh ausgelegten Kiste, in der sich die Eisbärin ganz ungestört fühlen kann. "Wenn das Baby dann da ist, kann es gut sein, dass wir das gar nicht sofort bemerken."

Corinna auf eine mögliche Trächtigkeit hin zu untersuchen, komme nicht in Frage, sagt der Wilhelma-Sprecher: "Dafür müssten wir sie ja betäuben." So bleibt den Pflegern nichts anderes übrig als abzuwarten und Corinna genau im Auge zu behalten. "Allerdings ist ihr Verhalten nicht ganz eindeutig." Eine Deadline gibt es auch: Sollte bis Ende Januar kein kleiner Fellknäuel auf der Welt sein, hat es wohl nicht geklappt mit dem bayrisch-schwäbischen Nachwuchs.

Für alle Fälle haben ihr ihre Pfleger schon mal die Wurfbox ins Gehege gestellt. Man weiß ja nie...

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