Das erste große Projekt des neuen Wilhelma-Chefs Thomas Kölpin ist das Elefanten-Gehege. Foto: dpa

Er will Elefanten züchten und den Löwen zurückholen. Doch zunächst mal hat Stuttgarts Zoo-Direktor Thomas Kölpin noch jede Menge Ärger mit dem Menschenaffenhaus. Im Interview verrät der Hamburger, wo er die Wilhelma in 20 Jahren sieht.

Stuttgart - Gute Aussichten für Elefanten, womöglich schlechte für die Leoparden: Noch ist sein Masterplan für die Zukunft der Wilhelma bis 2035 noch nicht fertig, doch ein bisschen etwas verrät Zoo-Direktor Thomas Kölpin schon mal. Allerdings ist der gebürtige Hamburger zunächst noch als Krisenmanager gefragt. Zwei Jungtiere starben im neuen Menschenaffenhaus. Baufehler könnten schuld sein und noch kennt keiner eine Lösung.

Der Wilhelma-Chef im Interview:

Problemfall Affenhaus. Was ist schief gelaufen?

Ich äußere mich ungern zu Sachen, die vor meiner Zeit passiert sind. Ich kann nur sagen: Beim Elefantenhaus möchte ich auf jemand zurückgreifen, der Erfahrung mit der Planung von Tieranlagen hat. Es ist ganz wichtig, einen Architekten zu finden, der weiß, dass er eine Anlage für Tiere baut, und der um die Bedürfnisse der Tiere dann seine Architektur strickt - und nicht umgekehrt.

Warum sind die Bonobos so selten in der schönen Außenanlage?

Das sind empfindliche, tropische Tiere. Wir lassen sie selbst wählen, was sie machen möchten. Bonobos brauchen eine stabile Temperatur, die aber nicht zu heiß ist. Aber es stimmt: Auch bei der Planung des Außengeländes ist Einiges nicht optimal gelaufen.

Sind die Probleme am Affenhaus gelöst?

Wir sind noch am schauen, wie wir die Probleme mit den Erkältungskrankheiten lösen. Aber so richtig ist das noch nicht vom Tisch. Wir kommen jetzt in die warme Jahreszeit, haben eine stabilere Situation. Aber wir müssen bis zum nächsten Winter dieses Problem behoben kriegen.

Müssen Sie baulich etwas tun?

Das ist schwierig zu sagen. So ganz genau, wissen wir es noch nicht. Irgendwie ist was im Haus, das wir nicht im Griff haben.

Das ist doch Wasser auf die Mühlen der Tierschützer, die sagen: Zoos können solche Tiere gar nicht artgerecht halten.

Im alten Menschenaffenhaus, das die Tierrechtler viel mehr kritisiert haben, waren die Affen top gesund. Dann haben wir die Haltung verbessert und jetzt haben wir ein Problem.

Sie haben einen Masterplan für ihre Zoo-Planung angekündigt. Verraten Sie uns schon etwas daraus?

Wir sind mitten bei der Arbeit. Ich kann aber schon sagen, dass unser Alleinstellungsmerkmal, Zoologie und Botanik in einer historischen Parkanlage zu vereinen, natürlich die Schlüsselrolle spielen wird. Ein Schwerpunkt ist aber auch die Modernisierung der Tierhaltung. Einige Tieranlagen sind in die Jahre gekommen. Da haben wir großen Verbesserungsbedarf.

Wo zum Beispiel?

Die alten Gebäude für die Flusspferde, Nashörner, Elefanten und Raubkatzen entsprechen nicht mehr den heutigen Ideen der Tiergartengestaltung.

Wie sieht die Wilhelma in 20 Jahren aus?

Ich möchte, dass wir bis dahin alle alten Tieranlagen, wo man eigentlich nur das Tier losgelöst erlebt, rausgenommen haben. Die Tiere sollen sich in ihrem Lebensraum präsentieren. Und wer kann das besser, als ein zoologisch-botanischer Garten.

Sie sagten mal, dass damit vermutlich nicht mehr genug Platz für alle Arten ist, die jetzt da sind.

Der Elefant ist als Logotier genauso gesetzt, wie das Nashorn, das durch Wilderei besonders bedroht ist. Die Flusspferde werden nur bleiben können, wenn wir Erweiterungsgelände bekommen. Da gibt es die Idee von einem Platz für Flusspferde am Neckar.

Müssen weitere Arten weichen?

1100 Tierarten, 7000 Pflanzenarten - diese Kombination ist weltweit einmalig. Klar: Wir wollen keine Artenvielfalt einbüßen.

Welche Art fehlt?

Der Löwe ist ein Muss für einen großen Zoo mit Weltanspruch und kommt wieder. Er ist ja auch Wappentier des Landes. Im neuen Raubtierhaus sind Tiger und Löwe gesetzte Größen. Schneeleopard und Gepard sind auch gesetzt. Aber vielleicht sind es dann nur noch diese vier große Katzen - und der Leopard selbst ist nicht mehr dabei.

Was ist ihr erstes große Projekt?

Das Elefanten-Gehege. Wir wollen einen oder sogar zwei Zuchtbullen und eine Herde halten, auf einem großen Freilaufbereich mit dem 20-fachen an Platz.

Wie begegnen Sie der fortwährenden Kritik von Tierschützern?

Sie haben die Meinung: Tiere gehören überhaupt nicht in Zoos. Und wenn sie in freier Wildbahn aussterben, dann sollen sie das in Frieden tun. Da haben wir Zoo-Leute einen anderen Ansatz.

Wie würde ihr Plädoyer für den Zoo klingen?

Zoos sind wichtig für den Artenschutz. Zum einen, damit wir eine Reservepopulation haben, die wir auch wieder auswildern können. So geben wir junge Gänsegeier jedes Jahr in die Karpaten. Es gibt Arten, die nur durch Zoo-Nachzuchten überleben konnten.

Weiter?

Gerade für Kinder ist es wichtig, dass sie die Tiere mit allen Sinnen erfahren können. Es ist doch was anderes, neben einem Elefanten zu stehen, als wenn man ihn nur im Fernsehen sieht. Ich glaube, dass sich die nächste Generation nur für diese Mitgeschöpfe einsetzt, wenn sie Emotionen für sie hat und sie lieben gelernt hat.

Vielfach kritisiert wurde die wiederholte Ausleihe von Eisbären, um das ersehnte neue Eisbärbaby zu züchten.

Wenn wir Eisbären halten, müssen wir ihnen die Gelegenheit bieten, ähnlich wie in der Natur zu Paarungspartnern zu kommen. Die Eisbären fangen im Frühjahr an zu wandern, um einen Paarungspartner zu finden. Das können wir in den Städten schlecht machen.

Wie wichtig sind Tierbabys für das Unternehmen Wilhelma?

Wirtschaftlich spielt das für uns überhaupt keine Rolle. Wir hatten letzte Jahr keinen Hype um irgendein Tierbaby und haben das zweitbeste Besucherergebnis aller Zeiten - abgesehen vom Wilbär-Jahr. Wir brauchen kein Tierbaby, um unseren Plan zu erfüllen. Aber natürlich hat uns die Geburt des Nashornbabys gefreut - schließlich gibt es weltweit nur noch 2000 Panzernashörner.

Sie haben neue Wege beim Thema Sponsoren angekündigt.

Personal-, Futter- und Stromkosten steigen, und wir wollen nicht unendlich die Eintrittspreise erhöhen. Ich kann mir vorstellen, Namenssponsoren anzuwerben, und wir haben auch schon Interessenten. Ich habe da keine Berührungsängste, allerdings muss die Firma passen.

Apropos Eintrittspreise. Wo steht die Wilhelma im Vergleich?

Bei uns zahlt der Erwachsene 16 Euro. Vergleichbare Zoos in Hamburg, Hannover oder Leipzig sind deutlich teurer. Köln liegt gleich, München etwas günstiger. Als vom Tierbestand her zweitgrößter Zoo in Europa - nach Berlin - liegen wir somit ganz gut.

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