Letzte Handgriffe in der neuen Menschenaffenanlage in der Wilhelma. Nächste Woche ziehen die Gorillas ein, ihnen gehört unter anderem das Gehege links im Bild. Foto: Leif Piechowski

Drei Jahre hat der Bau der neuen Menschenaffenanlage der Stuttgarter Wilhelma gedauert. Im Mai ist das 22 Millionen Euro teure Haus fertig. Die ersten Bewohner, die Bonobos, haben sich schon eingelebt. Ein Geschenk zum Einzug gab es auch: Drei Weibchen sind schwanger.

Stuttgart - Mobikisi schiebt einen Kanister herum, schwingt sich aufs Klettergerüst und schreit, was das Zeug hält. Die anderen zwölf Bonobos stimmen in das Gebrüll des 33 Jahre alten Männchens ein, trommeln auf den Boden, reißen ihre Mäuler auf.

Marianne Holtkötter, Kuratorin für Menschenaffen in der Wilhelma, muss ihre Presseführung durch das neue Haus kurz unterbrechen. So schnell, wie das Geschrei losbricht, verstummt es wieder. „Alles normal, für Bonobos gehören Schreien und Sex zum Stressabbau“, sagt Holtkötter. „Seit die Tiere umgezogen sind, haben die lautstarken Streitereien sogar abgenommen.“ Und der Vor-Umzugs-Stressabbau sorgt für eine Überraschung nach der anderen. Vor einigen Tagen brachte Bonobo-Weibchen Liboso ein Baby zur Welt. Jetzt hat sich herausgestellt: Drei weitere Weibchen sind trächtig. Nachwuchs hat es bei den Bonobos in der Wilhelma seit über fünf Jahren nicht mehr gegeben.

Rund eine Woche wohnen die Tiere in ihrem neuen Heim. In einigen Tagen ziehen die zwölf Gorillas hinterher, zum Schluss kommen die Jungen aus der Handaufzuchtstation dran. Auch der langersehnte Eröffnungstermin steht nach drei Jahren Bauzeit fest: Am 14. Mai wird Baden-Württembergs Finanzminister Nils Schmid die 22 Millionen Euro teure Anlage einweihen. Von 15. Mai an ist sie für Besucher geöffnet. Nach draußen dürfen die Menschenaffen dann zwar noch nicht. Gerade wird hier noch fleißig gebaut. Sind die Arbeiter fertig, müssen Rollrasen und andere Pflanzen anwachsen. „Aber innen im Affenhaus wird alles rechtzeitig fertig sein“, sagt Wilhelma-Direktor Dieter Jauch.

Geräusch- und geruchsecht

Sowohl für die Besucher als auch für die Menschenaffen und ihre Pfleger hat sich im Vergleich zur alten Anlage einiges geändert. Das neue Menschenaffenhaus ist inklusive seines Außenbereichs rund 14-mal größer als das alte Haus, das 1973 fertiggestellt wurde. Innen sind die Räume sieben, die Klettermöglichkeiten außen sogar zehn Meter hoch. In den drei Innen- und zwei Außengehegen können sich die Bonobos auf insgesamt 250 Quadratmetern auch mal aus dem Weg gehen. Denn der Klan neigt zur Grüppchenbildung. „Vor allem die Männchen suchen Fluchtmöglichkeiten, wenn sich die Weibchen gegen sie zusammenschließen“, sagt Holtkötter. Die Gorillafamilie bezieht je zwei Innen- und Außengehege, für die Handaufzuchten stehen zwei Innen- und ein Außengehege zur Verfügung.

Geräusch- und geruchsecht – so erleben die Besucher die Begegnung mit den Menschenaffen künftig. Während die Tiere im alten Haus vom Besucherraum abgeschottet waren, sind die neuen Gehege nach vorne mit Glasscheiben, nach oben mit Gittern gesichert. Auf der Besucherseite wachsen rings um die Scheiben Pflanzen – insgesamt 70 verschiedene Arten aus der Heimat der Tiere, dem tropischen Afrika. Außerdem legen die Gärtner ein Beet mit typischen Futterpflanzen an.

Zwar bestimmt aus hygienischen Gründen immer noch Beton das Innere des Affenhauses. Doch die sterilen blauen Kacheln sind verschwunden. Den Boden der Gehege bedeckt eine 40 Zentimeter dicke Schicht aus Pinienrinde. Damit sich die Tiere an den elektronischen Türen zwischen den Gehegen nicht einklemmen, ist jeder Raum mit einer Kamera ausgestattet. „An all diese Dinge mussten sich die Bonobos erst langsam gewöhnen“, sagt Holtkötter. Vor allem die 46 Jahre alte Kombote, Klanälteste und Anführerin, zeigte sich skeptisch, baut mittlerweile aber gerne ihr Schlaflager auf der weichen Rinde. Denn im neuen Haus dürfen die Tiere selbst entscheiden, ob sie im Rückzugsraum oder im Gehege übernachten wollen. Das Außengehege nutzen die Tiere sowohl im Winter, als auch im Sommer.

Bei allen Neuheiten: Ein Teil ihrer gewohnten Umgebung – die Möbel sozusagen – bleiben sowohl den Bonobos als auch den Gorillas erhalten. Mobikisi, Kombote und ihre Gefährten klettern auch künftig auf den Stahlgerüsten oder dösen in den Hängematten aus Feuerwehrschläuchen.

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