Vor drei Jahren hat Shai-Jan Eiselen in der Wilhelma die Ausbildung zum Tierpfleger begonnen und sie mit Spitzennoten als bundesweit bester abgeschlossen. Und jetzt?
Shai-Jan Eiselen liebt Tiere, besonders gerne mag er Vögel. Als er auf der Südamerika-Anlage in der Wilhelma mit ruhigen Bewegungen den Nandus Gemüse in einer Schüssel anbietet, umringen ihn die gefiederten Tiere, darunter auch vier Jungvögel. Eiselen strahlt. „Die Jungvögel hat er heranwachsen sehen“, erzählt Jürgen Mayer, Ausbildungsleiter und stellvertretender Zooinspektor in der Wilhelma.
Neben den Nandus kommen auch die Vikunjas, um sich bei Eiselen etwas Gemüse zum Fressen zu holen. Sie scharen sich um den jungen Tierpfleger, der in der bunten Tierschar gelassen und fröhlich wirkt. Zu den Lieblingstieren zählt Eiselen auch Kaiserpinguine und Kakapos, die flugunfähig sind. Letztere sind in Neuseeland beheimatet und sind die einzige flugunfähige Papageienart.
In der Wilhelma hat der 22-Jährige während seiner Ausbildung alle 17 Reviere durchlaufen. Der fertig ausgebildete Zootierpfleger ist derzeit bei den Bären tätig, wo es ihm auch gut gefällt. Schon als kleines Kind war er immer wieder in der Wilhelma.
Auch fand er in jungen Jahren Dinosaurier toll und hat verschiedene Museen besucht. So das Hauff-Museum in Holzmaden, wo er damals Schiefersteine geklopft und Ammoniten gefunden hatte, „aber keinen T-Rex ausgebuddelt“, sagt er und lacht.
Vor ein paar Jahren habe er dann bei einer Alpaka-Farm geholfen und ein paar Praktika gemacht, auch in einem Tierpark in Esslingen und in Ulm bei einer Kleintierarztpraxis gearbeitet. Dass er in der Wilhelma seine Ausbildung macht, war für den Kirchheimer mit Realschulabschluss naheliegend. Zuallererst war er im Stuttgarter Zoo bei seiner Ausbildung im Aquarium Nord in der Wilhelma beschäftigt, bei den einheimischen Fischen, der Nordsee und dem Mittelmeer. „Ich habe viel Scheiben geputzt“, erzählt er, der auch die Aquarien gepflegt hat.
Gelernt hat Eiselen viel in der Ausbildung, etwa „alles über die Ernährung von Tieren, die Haltung, die Physiologie und wie man mit Besuchern umgeht“. Denn: Die Tierpfleger machen auch viel Öffentlichkeitsarbeit, erklärt der 22-Jährige. Etwa bei Wilhelma-Talks, bei denen sie zu festen Zeiten den Besuchern Fragen zu den Tieren beantworten oder bei der Seelöwen-Fütterung und bei den Wilden Wochenenden in der Wilhelma-Schule mit Informationsständen und Aktionen. Gerne möchte Eiselen noch Biologie studieren und dann in die Forschung gehen im Bereich Wildtiermonitoring und Artenschutz. Dazu muss er erst mal noch das Abitur machen.
Für die Abschlussnote von 1,3 wurde er von der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Stuttgart als Landesbester geehrt. Und am 8. Dezember wird er als Bundesbester in Berlin beim Gesamtverband, Der Deutschen Industrie und Handelskammer (DIHK) auf Bundesebene ausgezeichnet. Das hätte er vor Beginn seiner Ausbildung nicht gedacht, sagt der in Kirchheim/Teck geboren und aufgewachsene Eiselen. „Das wird bestimmt spannend, da wird jeder Beruf einmal geehrt“, sagt der Einser-Kandidat. Und die Bildungsministerin Karin Prien (CDU) kommt und gratuliert. Da wird sich auch Jürgen Mayer freuen, der Ausbildungsleiter, der ebenfalls eingeladen ist. „Es ist schon ein paar Jahre her, dass wir einen Bundessieger bei den Azubis hatten“, sagt er stolz.