Mimi ist der viertältestes lebende Zoo-Gorilla weltweit. Seit genau einem halben Jahrhundert lebt die Affendame in der Wilhelma. Zu ihrem 50-Jahr-Dienstjubiläum am Mittwoch haben ihr die Pfleger des Stuttgarter Zoos eine Torte spendiert.

Stuttgart - Wenn Kibo richtig laut brüllt, zuckt jeder zusammen. Am Mittwoch hat Kibo gefährlich laut gebrüllt. Aber die für die Menschenaffen zuständige Kuratorin Marianne Holtkötter beruhigt: „Große Fernsehkameras empfindet er als Bedrohung, warum das so ist, wissen wir nicht genau.“

Die Stubenälteste im Gorilla-Gehege kam über einen Tierhändler in die Wilhelma

Gorillafrau Mimi ist nicht zusammengezuckt. Sie kennt Kibos Marotten, seit der Silberrücken 2001 in die Wilhelma kam. Damals wie heute galt und gilt Mimi als eine Art Urgestein des Stuttgarter Zoos. Die Kameras sind am Mittwoch nur für sie aufgebaut, weil die Wilhelma zu einer ungewöhnlichen Feier eingeladen hat. Gefilmt werden soll, wie sich die Stubenälteste im Gorillagehege über eine leckere Torte hermacht.

Die Torte gibt es anlässlich Mimis Dienstjubiläum. Am Mittwoch vor 50 Jahren kam sie – ungefähr zwei Jahre alt – mit dem ähnlich alten Gorilla-Jungen Tschamba über einen Tierhändler nach Stuttgart. Zum Jahrestag haben ihr die Pfleger eine vegetarische Torte spendiert. Zucchini, Karotten, Bananen, getrocknete Pfirsiche, das alles überzogen mit einer dicken Quarkschicht. Pflegerin Malisa Fassnacht schaut gespannt, ist sich aber sicher, dass Mimi die ungewohnte Leckerei nicht verschmäht: „Fressen kann man als ihre Leidenschaft bezeichnen.“

Ohne Mimi gäbe es keine Gorilla-Zucht im Stuttgarter Zoo

Was dann geschieht, hat mancher Knirps an der Scheibe zum Gehege neidvoll beobachtet: mit Wonne rein in die Torte und lustvoll die Finger abgeschleckt. Quarkverschmiert posiert Mimi vor den Kameras. 50-jährige Affen dürfen, was fünfjährigen Menschen normalerweise verboten ist.

Aus Sicht von Zoologen hat sich Mimi ihre Jubiläumstorte redlich verdient. Ohne Sie gäbe es Haltung und Zucht von Primaten in der heutigen Form in der Wilhelma wohl nicht. Mimi stammt wie der liebvoll Schlamper genannte Tschamba aus einer im Regenwald Kameruns wild lebenden Gorilla-Sippe. Tier in freier Wildbahn zu entführen und an Zoos zu verkaufen war damals Gang und Gäbe. „Heute undenkbar, weil verboten“, sagt Marianne Holtkötter. Gleichwohl würden nach wie vor mafiaähnlich organisierte Banden Wildtiere fangen. Abnehmer seien etwa Scheichs oder nicht in Verbänden organisierte Zoos in Asien. In China beispielsweise werde deren Zahl auf 400 geschätzt.

Fast vier Monate im Zoo des Kaufhauses Breuninger

Gorilla-Zucht in der Wilhelma ging einst ein Handel zwischen dem als schlitzohrig geltenden Zoodirektor Albert Schöchle und Kaufhauschef Heinz Breuninger voraus. Breuninger stiftete dem Zoo zwei Gorilla-Pärchen als Grundstock zur Zucht, dafür konnten Kunden die kleinen Gorillas zeitweise in einem Gehege im Kaufhaus in der Innenstadt bestaunen – heute ebenfalls undenkbar. Betreut wurden die Tiere von Pflegerin Gundi Scharpf, bekannt dafür, dass sie neben zwei Kindern 35 Affen quasi im Familienkreis großgezogen hat.

Nach ihrer Rückkehr aus dem Kaufhaus in den Zoo entwickelte sich Mimi laut Wilhelma zu einer überaus freundlichen, stets in sich ruhenden Gorilla-Frau, die heute auf elf Kinder von vier Gorillamännern, 20 Enkel, 24 Urenkel und 4 Ururenkel als Abkömmlinge blickt. Zuletzt gebar Mimi im Jahr 2004 das Affenmädchen Meru.

Kritiker der Zootierhaltung glauben, dass Mimi leidet

Mimi gilt als überaus soziales Wesen, eine Eigenschaft, die Gorillas generell zugeschrieben wird. Kritiker von Zootierhaltung wollen bei Mimi stets traurig wirkende Gesichtszüge erkennen, als Zeichen dafür, wie sie ihr Leben in Gefangenschaft bedrückt.

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