Wilhelma 2016 „Löwenhaltung wird eine wichtige Rolle spielen“

Von Michael Deufel 

Der vor zwölf Jahren verstorbene Berberlöwe Atlas soll einen Nachfolger bekommen. Foto: Wilhelma
Der vor zwölf Jahren verstorbene Berberlöwe Atlas soll einen Nachfolger bekommen. Foto: Wilhelma

Die Stuttgarter Wilhelma befindet sich im wohl größten Erneuerungsprozess seit ihrer Gründung. Doch Baumängel beim Affenhaus haben Zoo-Chef Thomas Kölpin ausgebremst. Dabei können die nächsten Projekte – Gehege für Dickhäuter und Raubtiere – nicht warten, erklärt der 47-Jährige im Interview.

Stuttgart - Dem milden Winter sei Dank war die Wilhelma in den letzten Tagen so gut besucht wie in einem Mai voller Sonnenschein. Wann ­kommen Mensch und Tier im Zoo jetzt in der besinnlichen Zeit zur Ruhe?
Die Tiere sind Trubel gewohnt und haben im Zweifel Rückzugsmöglichkeiten. Für meine Familie und mich ist es ein Traum, im Zoo zu wohnen. Natürlich ist man ständig nahe dran an seiner beruflichen Aufgabe, aber es bleibt genügend Zeit, um auch im Winter mal in Ruhe eine Runde durch den Park zu drehen.
Begeben wir uns gedanklich auf einen ­Spaziergang durch den Park, was bleibt aus dem Jahr 2015, was kommt 2016?
Es bleibt auf jeden Fall, dass die Schneeleoparden ein größeres Gehege im Bereich ihrer alten Anlage bekommen werden. Der Baubeginn hierfür erfolgt im Frühjahr 2016, und mit der Eröffnung ist zu Ostern 2017 zu rechnen. Die Vorbereitungen fürs neue Kleinsäuger- und Vogelhaus haben begonnen. Anfang 2016 wollen wir mit dem Neubau beginnen, und die Eröffnung ist für Ende 2016 geplant.
Die Planungsfehler beim Menschenaffenhaus haben Sie 2015 mehr gefordert, als Ihnen lieb sein konnte. Sind denn die erkältungs­anfälligen Bonobos, von denen zwei ­gestorben sind, inzwischen vor Zugluft sicher?
Das Problem hat die Tiere und uns sehr ­belastet, nun haben wir das Belüftungsproblem nach einem längeren Prozess im Griff.
Was wurde verbessert?
Die Luftströme wurden gemessen, die Luftfeuchtigkeit im Haus erhöht, an der technischen Ausstattung einige Einstellungen ­verändert, außerdem wurden geeignetere Tore eingebaut. Im Affenhaus haben wir ­dadurch jetzt stabile Temperaturen und eine stabile Luftfeuchtigkeit, was entscheidend für die Gesundheit der Bonobos ist. Bei einer Messung im Dezember wurde keine Zugluft mehr festgestellt.
Es gab auch Mängel bei den Gorillas.
Die Mängelliste ist geschrumpft, mangelfrei ist das Haus aber noch nicht. Den ersten Teil der Bodensanierung bei den Gorillas hatten wir in diesem Sommer vorgenommen, weil sich die Tiere im Sommer viel draußen ­aufhalten. Bis alles abgearbeitet ist, wird es aber noch ein paar Jahre dauern.
Sie haben bei Ihren bisherigen Stationen ­erfolgreich Zooneubauten verantwortet. Was hätte beim Menschenaffenhaus anders laufen müssen?
An der Planung und Entstehung war ich nicht beteiligt. Deshalb kann ich darüber kein Urteil abgeben. Aber das Ergebnis ist nicht zufriedenstellend.
Wie wollen Sie beim nächsten großen Projekt, dem Elefantenhaus, ein zufriedenstellendes Ergebnis erreichen?
Ein entscheidendes Kriterium bei der Planung und bei der Vergabe der Aufträge sind gute Referenzen im Zoobau, da werde ich darauf achten.
Wer kommt dafür infrage? Das Büro Hascher Jehle Architekten nach der schwierigen ­Zusammenarbeit beim Affenhaus eher nicht, dafür aber vielleicht die Planer des in Schwerin ansässigen Büros MMK, mit dem Sie in Erfurt ein schmuckes Elefantenhaus gebaut haben?
Es gibt einige Architekten, die Interesse hätten, auch die. Wer letztlich plant, wird ein Wettbewerb ergeben. Unsere Machbarkeitsstudie ist so weit fortgeschritten, dass wir anstreben, 2016 oder 2017 den Wettbewerb auszuloben.
Und der zurzeit im Bau befindliche Rosensteintunnel, auf dem das künftige ­Elefantenhaus stehen soll, muss fertig sein.
Dann, wenn über der Tunnelöffnung an der Pragstraße das Gelände wiederhergestellt ist, könnten wir mit dem Bau loslegen. Wenn das Land rechtzeitig alle finanziellen Fragen klärt, wäre eine Eröffnung des Elefantenhauses 2020 möglich.
Womöglich erleben die betagten Elefantendamen Zella und Pama diesen Tag noch, auf der anderen Seite planen Sie eine größere Zuchtgruppe. Lassen sich die alten Tiere mit den ihnen fremden jüngeren zusammenführen?
Für Zella und Pama wird es dann einen ­gesonderten Bereich geben. In eine Herde ­integrieren kann man sie nicht mehr.
Genaueres zu den Plänen, auch zur ­Finanzierung, findet sich dann in Ihrem lange angekündigten Masterplan.
So ist es.
In dem Masterplan soll drinstehen, wie die Wilhelma sich in den nächsten 20 Jahren ­entwickeln soll. Ende 2014 wollten Sie damit an die Öffentlichkeit. Das ist ein Jahr her.
Wann wir den Masterplan vorstellen, ist nach wie vor offen. Unser Entwurf liegt beim Ministerium zur Prüfung. Das ist nicht ­einfach, denn wir haben viel vor.
Vielleicht ein kleiner Tipp? Berberlöwe Atlas zum Beispiel wurde 2003, ­seine Gespielinnen Schiela und Elektra 2008 eingeschläfert. Viele Besucher wünschen sich, dass die Wilhelma wieder Löwen hält.
Da kann ich Hoffnung machen. Löwen­haltung spielt in unserem Masterplan eine wichtige Rolle.
Können Sie den Besuchern für die nahe Zukunft Hoffnung auf stabile Eintrittspreise machen?
Zurzeit ist in der Hinsicht nichts geplant. Über Eintrittspreise reden wir erst wieder, wenn wir eine neue größere Attraktion ­bieten können.
Beim Defizit hat sich die Wilhelma etwas ­erholt. Sie sprachen davon, gut 70 Prozent der Ausgaben selbst erwirtschaften zu können. Wie, wenn nicht über höhere Eintrittspreise, wollen Sie diese Quote spürbar verbessern?
Wir wollen mehr als Marke wahrgenommen werden und so auf dem Gebiet des Sponsorings mehr Einkünfte erzielen. Der Masterplan soll möglichen Sponsoren darauf Appetit machen, uns zu unterstützen.
Besucherzahlen von regelmäßig weit über zwei Millionen pro Jahr beweisen: Stuttgart profitiert enorm von der Strahlkraft des ­Landesbetriebs Wilhelma. Und das praktisch zum Nulltarif. Müsste die Stadt nicht endlich auch einen finanziellen Beitrag leisten?
Ich würde mich natürlich über jede Form der finanziellen Unterstützung durch die Stadt Stuttgart freuen. Sei es bei der generellen ­Finanzierung oder auch nur bei einer speziellen größeren Investition, wie zum Beispiel dem Neubau einer Tieranlage.
Immer wieder wird im Umfeld des Zoos die Idee einer GmbH-Gründung formuliert – mit dem Land und mit der Stadt als Gesellschafter. Wäre das ein taugliches Mittel gegen das ­Defizit in Ihrer Kasse, möglicherweise auch dafür, dass sich der Zoo einmal selber trägt?
Die Wilhelma ist der einzige Landeszoo in Deutschland. Eine gemeinnützige GmbH mit dem Land Baden-Württemberg und der Stadt Stuttgart als Gesellschafter ist zumindest eine sehr interessante Idee, der ich durchaus offen gegenüberstehe.
Abgesehen von so viel Zukunftsmusik – auf welche zoologischen Neuerungen dürfen sich die Besucher in diesem Jahr freuen?
Es wird im neuen Jahr zwei bis drei neue Tierarten geben, aber welche das sein werden, wird noch nicht verraten. Die Besucher können also gespannt sein.

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