Es war einmal: Dieses Jahr wird es im Weltweihnachtszirkus keine Raubtier-Nummer mehr geben – das Wildtierverbot wirft seine Schatten voraus. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Der Weltweihnachtscircus verzichtet auf Raubtiere – angesichts der Vorstellung des neuen Programms für 2018/19 erinnert unser Kommentator Rainer Wehaus noch einmal daran, wie das Wildtierverbot in Stuttgart zustande kam.

Stuttgart - Der Weltweihnachtscircus in Stuttgart hat keine Raubtier-Nummer mehr im Programm. Das ist ein Erfolg für die linke Mehrheit im Stuttgarter Gemeinderat, die 2017 ein Wildtierverbot für Zirkusse beschlossen hat. Ob dieser Erfolg Bestand hat, ist allerdings nicht sicher. Der Weltweihnachtscircus kann auf Raubtier-Nummern gut verzichten, andere Zirkusse weniger. Es ist daher gut möglich, dass es Klagen vor Gericht geben wird, wenn das Wildtierverbot in Stuttgart ab April 2019 greift. Die Chancen für solche Klagen stehen nicht schlecht, denn für Tierschutz ist eigentlich der Bund zuständig.

Tiere gut versorgt

Die Zirkus-Welt ginge allerdings auch nicht unter, hätte das Wildtierverbot Bestand. Von den rund 200 Zirkusunternehmen in Deutschland haben nur noch 30 auch Wildtiere im Programm. Was allerdings zu denken gibt, ist der Rigorismus, mit dem die linke Mehrheit im Gemeinderat das Verbot durchgesetzt hat. Gegenargumente wurden ohne ernsthafte Prüfung vom Tisch gewischt – auch der Hinweis der eigenen Stadtverwaltung, dass es eigentlich keine sachlichen Gründe für ein solches Verbot gebe. Die Zirkustiere würden in Stuttgart sehr gut gehalten.

Antrag abgekupfert

Statt dessen plapperten die Linken wie ein Papagei, der übrigens auch unter das Verbot fällt, die Argumentation der radikalen Tierschutzorganisation Peta nach. Man kupferte sogar weitgehend den Verbotsantrag ab, den Peta für solche Zwecke im Internet bereithält. Das ist in etwa so, als wenn sich die CDU im Gemeinderat ein Positionspapier zu Fahrverboten von der Firma Porsche schreiben ließe. Angesichts all dessen stellt sich die Frage, was die Tierschützer als Nächstes ins Visier nehmen werden: Viele Haustiere werden ja auch nicht artgerecht gehalten. Und auch die Verantwortlichen der Wilhelma sollten sich schon mal warm anziehen.

rainer.wehaus@stuttgarter-nachrichten.de

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