Der TSV Heimsheim unterliegt dem TSV Münchingen im Spitzenspiel der Bezirksliga – nach Spielende kommt es zum Eklat. Der TSV Merklingen verliert mit 2:4.
„So etwas Unnötiges, da verliert man die Lust am Fußball“, schimpfte Oliver Kudera auf den unbeirrten Unparteiischen ein. Soeben hatte sein TSV Heimsheim das Topspiel gegen Tabellenführer TSV Münchingen 1:2 verloren, Aufhänger des Aufregers waren die Szenen nach Spielende.
Mit dem Schlusspfiff stürmte Münchingens Stürmer Rui Tiago Caldas De Carvalho in Richtung der gegnerischen Bank und jubelte übermäßig provokant vor Physiotherapeut Jörg Widmaier. Das schmeckte keinem Heimsheimer, vor allem Torwart und Vize-Kapitän Mehmet Gündüz hatte mächtig was dagegen, rannte herbei und stieß De Carvalho unsanft zu Boden. Es entbrannte eine ausladende Rudelbildung, an deren Ende der Schiedsrichter Gündüz und De Carvalho den roten Karton zeigte.
Kudera übte Kritik an der Linie des erfahrenen Spielleiters, die Gäste hatten nach dem zweiten Tor mit allen Mitteln Zeit von der Uhr genommen, die Nettospielzeit litt deutlich. „Da erwarte ich, dass so ein erfahrener, guter Schiedsrichter das erkennt und nicht darauf reinfällt“, monierte der Heimsheimer Trainer.
Nach dem Führungstor von Nikola Prkacin, der nach drei Minuten einen Abstimmungsfehler in Heimsheims Defensive nutzte und per Lupfer eine von mehreren Großchancen in der Anfangsphase für den Gast nutzte, hatten die Hausherren noch vor dem Pausenpfiff ausgeglichen. Ein Ball von Torjäger Lino Widmaier kullerte über die Linie (45.). Der TSV Heimsheim schaffte es, die Gäste zu vielen langen Bällen zu zwingen, Münchingens Trainer Sahin Üste sagte: „Unsere Spielkultur kam nicht zustande“.
Trainer Kudera vermisst Fairness
Nach dem Seitenwechsel begann der Gastgeber druckvoller, der Siegtreffer gelang aber dem TSV Münchingen. Behar Hasanaj traf in der 69. Minute nach einem Standard, Kudera nannte den Treffer, dem erneut eine mangelhafte Abstimmung vorausging, ein „völliges Quatschtor“. Danach erstarb der Spielfluss. „Ich habe kein Fußballspiel mehr gesehen“, bemängelte Kudera. Das Spiel wurde hitziger und gipfelte nach dem Abpfiff. „Das kotzt mich dermaßen an, völliger Schwachsinn“, wetterte der Heimsheimer Coach. „Der TSV ist eine gute Mannschaft und der Sieg nicht völlig unverdient. Aber dann sollen sie doch auch eine Spitzenmannschaft sein und den Gegner nicht provozieren, das gibt ein sehr schlechtes Bild ab. Im Fußball geht manchmal die Fairness verloren, das finde ich schade“, führte er aus.
Auch sein Gegenüber kritisierte die Ausschreitungen, wenngleich auch sein Spieler im Vorfeld provoziert wurde. „So etwas darf nicht passieren. Er darf nicht auf die Provokation eingehen. Dafür wird er seine Strafe kriegen. Für mich ist es ärgerlich, weil er mir fehlen wird“, sagte Sahin Üste. Rotsünder De Carvalho äußerte sich reumütig. „Ich habe nicht richtig nachgedacht, die Rote Karte ist berechtigt. Ich bereue das, weil ich nicht nur mir selbst, sondern auch der Mannschaft schade.“ Wie lange die beiden Spieler gesperrt werden, ist noch offen.
Später Doppelschlag knockt TSV Merklingen aus
Unterdessen musste sich der TSV Merklingen im Duell mit Tabellennachbar FSV 08 Bissingen II mit 2:4 geschlagen geben. Dabei blieb das Spiel lange Zeit offen, erst in der 83. Minute brachte Bilal Ben Salem den Gast aus Bissingen mit 3:2 in Front. Ein eigener Eckball flog dem TSV um die Ohren, der Gegner nutzte den Konter zur Führung. Die Merklinger mussten in der Folge ins Risiko gehen und fingen sich nur zwei Minuten später durch einen weiteren Konter das vierte Gegentor von Tete Kekeli Benissan-Messan.
Einen ähnlichen Doppelschlag hatte die Mannschaft bereits im ersten Durchgang hinnehmen müssen. Nelson Okoye Okoye traf auf Vorlage von Berin Kardumovic (12.). Der trug sich nur sechs Minuten später zum 2:0 für den FSV in die Torschützenliste ein und traf nach einem indirekten Freistoß – den hatte es gegeben, weil TSV-Schlussmann Zeljko Belecan einen von Benjamin Grieshaber abgefälschten Ball aufnahm, der als Rückpass gewertet wurde.
Den Hausherren gelang noch vor der Pause der Ausgleich, Emmanuel Alonso Garcia verwertete einen Abpraller infolge eines Eckballs (22.) zum 1:2, zehn Minuten später traf Thomas Wogh zum Ausgleich. Am Ende reichte es jedoch nicht für den Punkt. Trainer Uwe Eberhard bemängelte die Chancenverwertung seines Teams, das im zweiten Durchgang den Faden verlor. „Nach der ersten Halbzeit hätten wir mehr verdient, ab der 60. Minute nicht mehr“, konstatierte der TSV-Coach.