Ob sich in Wiesensteig ein Einzeltier (wie auf unserem Beispielbild) oder ein Pärchen aufhält, ist noch ungewiss. Foto: dpa

Gesehen hat ihn offenbar noch niemand, aber seine Fraßspuren lassen sich nahe der Filsquelle bei Wiesensteig bereits bewundern: Der Biber ist im Filstal angekommen.

Wiesensteig - Die Gerüchteküche hat schon seit einigen Wochen kolportiert, dass es bei Wiesensteig Biber geben soll. Leibhaftig gesehen worden ist das pelzige Nagetier bisher offenbar aber noch nicht. Selbst der zuständige Förster Rainer Ohngemach kann nur von Fraßspuren an Bäumen im Quellgebiet der Fils berichten. Solche Spuren wertet der Fachmann allerdings als deutliche Zeichen einer Besiedlung. Sollte sich der Wiesensteiger Neuzugang entschließen, den Filsursprung auf Dauer als Heimstatt zu küren, wäre das ein echtes Novum im Kreis Göppingen. Zuvor waren einzelne Tiere nur für kurze Zeit in Geislingen und in Ebersbach aufgetaucht.

Konflikte sind nicht auszuschließen

Bisher zeigten rund 20 Bäume entlang der Fils Winterfraßspuren, der Wald sei nicht betroffen, berichtet der Förster, deshalb betrachte er das Treiben des Bibers entspannt. Konflikte seien jedoch möglich, wenn der Biber das Landschaftsschutzgebiet verlasse und filsabwärts zum Beispiel beim Dammbau die landwirtschaftliche Nutzung von Äckern beeinträchtige.

Dass Biberspuren in dieser Jahreszeit auftreten, erklärt der ehrenamtliche Biberberater des Landkreises, der sich sonst im Forstamt um den Holzverkauf kümmert, mit dem Revierverhalten der streng geschützten Tierart: Sobald die Jungtiere geschlechtsreif seien, würden sie von den Eltern vertrieben und müssten sich ein eigenes Revier erobern. „Es war nur eine Frage der Zeit, wann sich im Kreis Göppingen Biber ansiedeln“, erklärt Struppek, schließlich gebe es auf der Albhochfläche im Raum Amstetten (Alb-Donau-Kreis) eine Menge Biberfamilien.

Der Biber wertet das Landschaftsschutzgebiet auf

Und da Biber laut Struppek bevorzugt in der Nacht wanderten und locker 25 Kilometer am Stück bewältigten, sei der Weg ins Filstal naheliegend. „Es zeugt von einem gutem Geschmack, dass sich der Biber nun vermutlich im oberen Filstal heimatlich fühlt,“ denn dort biete sich mit der mäandernden Fils in dem Landschaftsschutzgebiet ein idealer Lebensraum. Schon heute freut sich Struppek auf Unterstützung durch den tierischen Landschaftspfleger, wie er den Biber bezeichnet, weil dieser Gewässer durch seine Bautätigkeit renaturiere. „In der Folge schafft er Lebensräume für viele andere seltene Arten wie Libellen, Ringelnattern, Amphibien oder auch den Eisvogel,“ lobt der Biberberater. „Der Biber leistet daher auch der nach der EU-Wasserrahmenrichtlinie geforderten Herstellung guter gewässerökologischer Verhältnisse Vorschub und wertet das vorhandene Landschaftsschutzgebiet deutlich auf,“ schreibt Struppek in einer Pressemitteilung, in der er die Rückkehr des Bibers ins Filstal begrüßt.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: