Ein Bild aus guten Leonpalooza-Tagen: Bei Nena war der Bürgerplatz in Leonberg brechend voll. Foto: Jürgen Bach

Das Leonberger Festival war eigentlich schon klinisch tot. Jetzt hauchen ihm die Macher des Weissacher Dorfsommers neues Leben ein.

Totgesagte leben länger: Leonpalooza, jenes Festival, das in der Coronazeit für Furore gesorgt hatte, erlebt im kommenden Sommer seine Wiedergeburt. Vom 16. bis 20. Juli sind fünf Konzert im Leonberger Stadtpark geplant. Mit dem Sänger Gregor Mayle aus Backnang und Aura Dione aus Dänemark sind zwei Acts bereits gebucht. Mit weiteren Künstlern ist die PM Event GmbH im Gespräch. Die Agentur aus Weissach tritt als Veranstalter auf. Die Stadt Leonberg, die bisher für Leonpalooza verantwortlich zeichnete, ist jetzt mehr ein ideeller Partner.

 

Es ist gerade einmal fünf Monate her, da griffen Leonberger Kommunalpolitiker nach einem scheinbar letzten Strohhalm. „Ich fände es sehr schade, wenn wir diese überregional bekannte Marke kampflos sterben lassen“, hatte Ende September der Stadtrat Georg Pfeiffer von den Freien Wählern gesagt. Stattdessen solle man über neue Wege nachdenken, etwa eine Kooperation mit dem Festival Dorfsommer im benachbarten Weissach.

Zuvor hatte sich der Gemeinderat mit der ernüchternden Tatsache befassen müssen, dass das Festival im Sommer 2023 die Kosten nicht einmal annähernd decken konnte. Im Gegenteil – am Ende stand ein Minus von rund 250 000 Euro. Viel zu viel für eine ohnehin chronisch klamme Kommune. Zwar hatten Stars wie Nena, Jethro Tull oder Chris de Burg stets für einen vollen Platz vor der Stadthalle gesorgt. Doch bei vielen anderen Konzerten blieben etliche Reihen leer.

So kann es nicht weitergehen, befand der Gemeinderat damals in großer Übereinstimmung. Eine Stadt habe andere Aufgaben als die Organisation und die Finanzierung eines großen Rockfestivals. Ein Kleinkunstfestival, das als Alternative genannt wurde, stieß nur bedingt auf Begeisterung. Fast schien es so, dass das Ende für das mitten in der Pandemie gestartete Leonpalooza-Festival unausweichlich sei.

Schnelle Einigung mit OB Cohn

Doch Georg Pfeiffer, der als Klavierfabrikant ein großer Musikfreund ist, wollte sich mit der sang- und klanglosen Beerdigung nicht so ohne Weiteres abfinden und nahm Kontakt mit Frank und Lisa Bäuerle auf. Die Geschäftsführer der PM Event GmbH hatten zwei Jahre zuvor in Weissach das Festival Dorfsommer ins Leben gerufen und renommierte Künstler wie Max Giesinger, Helge Schneider, Beatrice Egli oder die SWR Bigband an den Strudelbach geholt.

Frank Bäuerle, der schon immer mal den Blick nach Leonberg geworfen hatte, zeigte sich im Gespräch mit dem Stadtrat Pfeiffer nicht abgeneigt. Es wurde ein Termin mit dem Oberbürgermeister vereinbart. Und auch der war von der Vorstellung angetan, dass Leonpalooza, ein reichweitenstarker Werbeträger für Leonberg, unter privater Führung weitergehen könnte.

Der entscheidende Unterschied zum früheren Konzept: Statt auf dem räumlich begrenzten Bürgerplatz vor der Stadthalle findet der Neustart im benachbarten Stadtpark statt. „Auf den Bürgerplatz passen 1800 Menschen, in den Stadtpark bis zu 7000“, rechnet Frank Bäuerle vor.

Beliebt beim Weissacher Dorfsommer: die SWR Bigband Foto: R/omy S. Fotografie

Wenn am 18. Juli, einem Mittwoch, Gregor Meyle die Neuauflage von Leonpalooza eröffnen wird, muss keine Bühne neu aufgebaut werden. Denn die steht bereits vom Kinder- und Jugendfestival, das am Wochenende zuvor stattfindet. „Das spart immense Kosten“, sagt Bäuerle, dessen Firma viele andere Veranstaltungen organisiert, vom kleinen Geburtstag bis zum großen Festival. Die vorhandene technische Ausstattung einschließlich einer eigenen Bühne mache auch ein Festival wie Leonpalooza kalkulierbar.

Der Veranstalter lässt keinen Zweifel daran, dass die Fans im Juli mit einigen Krachern rechnen können: „Durch unsere langjährige Erfahrung sind wir in der Künstlerszene gut vernetzt und kommen an Leute, die sonst nicht so leicht zu verpflichten sind.“ Einige Verhandlungen stünden unmittelbar vor dem Abschluss. Es werde ein Programm, das unterschiedliche Altersgruppen anspreche.

Der Leonberger Oberbürgermeister, der in der Coronazeit die Anfänge von Leonpalooza persönlich unterstützt hatte, ist mehr als zufrieden: „Unser Wunsch war es, Leonpalooza fortzuführen. Dies ist mit dem veränderten Konzept nun möglich, worüber ich mich sehr freue“, sagt Martin Georg Cohn. „Ich danke dem Ehepaar Lisa und Frank Bäuerle für das Engagement und das kulturelle Angebot, das sie mit der Übernahme des Festivals in Leonberg weiterhin ermöglichen.“

Des einen Freud, des anderen Leid: Denn in Weissach, wo ursprünglich zeitgleich der Dorfsommer geplant war, bleiben nun die Lichter aus. „Beides ist zeitgleich leider organisatorisch nicht möglich“, erklärt Frank Bäuerle. Wie es dort weitergehe, müsse man sehen. Und während also Cohn in Leonberg gut lachen hat, kann Jens Millow eine gewisse Enttäuschung nicht verhehlen: „Ich bin schon ein bisschen traurig“, meint der Bürgermeister von Weissach. „Der Dorfsommer war ein Aushängeschild der Gemeinde. Es war toll, Künstler wie Helge Schneider oder Beatrice Egli hier zu haben. Vielleicht klappt es, im kommenden Jahr beide Festivals zu realisieren. Das würde mich sehr freuen.“