Nun öffnen sich die Drehtüren wieder und der Stirlingbau spielt als offizieller Eingang in die Staatsgalerie erneut die ihm gebührende Rolle. Foto: Staatsgalerie Stuttgart

Am 11. April meldeten die Stuttgarter Nachrichten exklusiv, dass die Staatsgalerie Stuttgart über die Sommermonate weitgehend geschlossen bleiben würde. Das Museumsflaggschiff wurde grundüberholt. Am Freitag öffnen sich die Türen wieder – vorab bieten wir erste Informationen zur Neupräsentation.

Stuttgart - Am 11. April meldeten die Stuttgarter Nachrichten exklusiv, dass die Staatsgalerie Stuttgart über die Sommermonate weitgehend geschlossen bleiben würde. Das Museumsflaggschiff wurde grundüberholt. Am Freitag öffnen sich die Türen wieder – vorab bieten wir erste Informationen zur Neupräsentation.

Das grüne Leuchten

Der Star ist zurück – und glänzt so frisch und frech wie am ersten Tag. So recht freuen mag sich der umjubelte Held aber kaum – denn gerade seine größten Fans treten besonders häufig auf ihn. Der Star? Ist ein Boden. Der Boden. Der berühmte, legendäre, verachtete, gepflegte und gestreichelte grüne Noppenboden, den der britische Architekt James Stirling im Foyer der Neuen Staatsgalerie Stuttgart verlegen ließ.

29 Jahre hat die Erstauflage treue Dienste geleistet – dann aber war Schluss. Und nicht nur für die kecken Noppen. 1984 in Stuttgart eröffnet und binnen kürzester Zeit zu einem festen Bestandteil der jüngeren internationalen Architekturgeschichte avanciert, zeigte die Neue Staatsgalerie, Ausgangspunkt des von Michael Wilford fortgeführten, einzigartigen Stirling-Ensembles aus Staatsgalerie, Kammertheater, Musikhochschule und Haus der Geschichte, deutliche Abnutzungserscheinungen.

Durch Patenschaften ermöglicht: Die Erneuerung des Noppenbodens im Stirling-Bau. Foto: Peter Petsch

Ob Risse oder Bodenwellen im Eingangsbereich oder Schwitzwasser in den Sammlungsräumen – alles Geschichte. Stirlings Star leuchtet wieder und mit dem unverwechselbaren Noppenboden zugleich das gesamte Gebäude. Und dies hätte den 1992 gestorbenen James Stirling wohl am meisten gefreut: Dass eine Bürgerbewegung das grüne Leuchten mit zurückgebracht hat, Bodenpaten kräftig zur Finanzierung beitrugen.

Stichtag 13. September

Seit Monaten steht es fest: An diesem Freitag öffnen sich die Türen, kann das Publikum die alle Gebäudeteile umfassende Neupräsentation der Sammlung der Staatsgalerie Stuttgart erleben.

Was das bedeutet? Hochspannung auf allen Ebenen, für die Handwerker ebenso wie für die Ab- und Aufbauteams, die kleinste Beschädigungen notierenden Restauratoren, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Öffentlichkeitsarbeit und natürlich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Für diese ist eine Neupräsentation immer auch eine exzellente Möglichkeit, bisher nicht gezeigte oder nicht wahrgenommene Bezüge deutlich zu machen, ein Werk buchstäblich in ein neues Licht zu rücken.

Mag man in Stuttgart weiter um den Abschluss der Sanierungsarbeiten im Schauspielhaus bangen – die Staatsgalerie Stuttgart kann Vollzug melden. Alles ist für die große Wiedereröffnung an diesem Freitag vorbereitet. Pünktlich um 11 Uhr wird Christiane Lange, seit 1. Januar 2013 Direktorin der Staatsgalerie, im Vortragssaal ihre Konzeption der Neupräsentation vorstellen.

Zahlenspiele

Mit Worten wie „erstmals“ sollte man bekanntlich vorsichtig sein, gerade in einem Museum. Es mag an diesen Orten Triumphe und Niederlagen geben, aber doch auch ein tief eingeschriebenes Gedächtnis. Gleichwohl: Die Neupräsentation umfasst die gesamte Staatsgalerie, neben dem Stirling-Bau also den Altbau wie auch die beiden wunderbaren Hallen des Steib-Baus. „Auf einer Ausstellungsfläche von 9000 Quadratmetern“, kann die Staatsgalerie denn auch stolz verkünden, „sind nun rund 800 Werke der Sammlung zu sehen. Die Besucher erwartet ein Parcours durch 800 Jahre Kunst.“

Neue Farben, neues Licht

Kleider, heißt es, machen Leute. Macht Licht Kunst? Spätestens seit Ende der 1950er Jahre ist dies als eigene Kunstrichtung keine Frage mehr. Diskutiert aber wird immer wieder gerne über die Lichtstärke und Lichtrichtung, mit der Kunst in Szene gesetzt wird. Nicht anders ist dies mit der Bildbühne, der Wand. Weiß oder doch farbig? In der Staatsgalerie heißt die Entscheidung 2013: farbig. Deutlich wird dies vor allem im Erdgeschoss der Alten Staatsgalerie. Auf dunkelgrünen und dunkelbraunen Wänden soll der Detailreichtum der Werke ­besonders gut zur Geltung kommen. Der Ausstellungsgestalter Matthias Kammermeier hat das neue Farb- und Lichtkonzept entwickelt. Sein Ziel: Kammermeier will die Konzentration auf das einzelne Bild fördern. Und auch wer in Museen mitunter die Orientierung verliert, hat keine Ausrede mehr – „jede Schule und Epoche der Kunst hat ein eigenes für sich passendes Farbspektrum“, kündigt Kammermeier an.

Stirlings Triumph

James Stirlings Neue Staatsgalerie begründete 1984 einen neuen Museumstyp – nicht mehr nur dienend, sondern zugleich stolz den Anspruch einer neuen Wertigkeit verkörpernd, um gleichzeitig die Orientierung im Haus zu erleichtern. Eine Million Besucher wollten dies im Jahr nach der Eröffnung erleben. In jüngerer Zeit aber geriet das ­Architekturfanal ins Abseits, wurde zu einem leeren, verlassenen Ort. Von diesem Freitag an aber ist der Stirlingbau wieder ­offizieller Eingang der Staatsgalerie Stuttgart, das Leben kehrt zurück auf die überdachte Piazza, als die Stirling das Erdgeschoss seines Baus sah. Der 13. September 2013 ist so auch Stirlings Triumph.