Kinder bekommen in der Regel keinen Herzinfarkt, sagt der Medizinpädagoge. Bleibt ihr Herz stehen, hat dies eher andere Gründe. Foto: Patrick Steinle

Viele Menschen haben Angst, im Notfall etwas Falsches zu machen. Dabei ist das einzige Falsche, nichts zu machen, sagt der Medizinpädagoge Benjamin Richter im Interview.

Steinenbronn - Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) veranstaltet die Woche der Wiederbelebung. Der Medizinpädagoge Benjamin Richter weiß, worauf es ankommt, wenn jemand einen Herzstillstand erleidet. Und welche Unterschiede es für die Ersthilfe bei Erwachsenen und Kindern gibt. Richter ist zudem ehrenamtlich aktiv in der Alarmbereitschaft des DRK Steinenbronn.

Was ist das Erste, was man machen sollte, wenn jemand einen Herzstillstand hat?

Man prüft, ob der Betroffene noch ansprechbar ist und atmet. Wenn er bewusstlos ist, wählt man sofort die 112 und verständigt den Notarzt. Danach muss direkt mit der Herzdruckmassage angefangen werden. Es funktioniert also nach dem Prinzip: prüfen – rufen – drücken. Durch die Woche der Wiederbelebung sollen auch Laien lernen, wie es geht. In den letzten Jahren stieg der Anteil von Menschen, die einen Herzstillstand beobachteten und dann auch halfen, von 20 auf 40 Prozent.

Auf was sollte man generell achten, Herr Richter?

Eigentlich sind die drei Punkte schon alles. Besonders das Feststellen des Atemstillstandes. Bei der Herzdruckmassage ist darauf zu achten, dass der Betroffene auf einem harten Untergrund liegt und man in der Mitte des Brustkorbes tief drückt, etwa so tief wie der Durchmesser eines Tennisballs. Um besser einzuschätzen, wie schnell man drücken sollte, kann man das im Takt der Lieder Atemlos von Helene Fischer oder Stayin’ Alive von den Bee Gees tun. Das sollte man dann ohne Unterbrechung bis zum Eintreffen des Krankenwagens machen. Auf eine Beatmung kann verzichtet werden. Viele Laien wissen nicht genau, wie diese funktioniert, dabei geht dann zu viel Zeit verloren.

Was sind Gründe dafür, dass beispielsweise Kinder einen Herzstillstand erleiden?

Ein Kind bekommt in der Regel keinen Herzinfarkt, wie das bei Erwachsenen der Fall ist. Zum einen führt Ertrinken zum Herzstillstand, aber auch Ersticken ist eine Ursache. Häufig haben die Kinder aber Atemstörungen aufgrund von Erkrankungen der Atemwege.

Auf was sollte bei der Wiederbelebung von Kindern geachtet werden?

Der Herzstillstand folgt hier aufgrund der fehlenden Atmung. Darum ist hier die Beatmung durchaus sinnvoll. Deshalb sollten Eltern und Lehrer auch entsprechende Schulungen besuchen. Natürlich ist die Herzdruckmassage auch dann erforderlich, die Beatmung hat aber Priorität.

Was sollte man besser lassen?

Egal ob Kind oder Erwachsener – man kann nichts falsch machen, außer nicht zu helfen. Wenn jemand mit Herzstillstand vor einem liegt, ist man selbst als Ersthelfer die einzige Überlebenschance für ihn. Wenn das Herz stillsteht, was soll man dann noch schlimmer machen? Beherzigt man die drei Punkte Prüfen, Rufen und Drücken nicht, dann stirbt der Betroffene.

Welche negativen Folgen kann eine Wiederbelebung nach sich ziehen?

Wenn die Herzdruckmassage verzögert eingeleitet wird, kann es zu bleibenden Hirnschäden kommen. Wachkoma oder Hirntod sind weitere mögliche Auswirkungen. Also sollte man sofort mit der ersten Hilfe beginnen.

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